Im Frühjahr dieses Jahres erhielt das Historische Stadtarchiv eine sehr interessante Anfrage von der Universität Uppsala in Schweden. Studiendirektor P. Mannheimer bereitete sich auf eine Forschungsreise im Sommer 2025 nach Deutschland und Tschechien vor, bei der er sich auf die Wege des ehemaligen Prinzen Carl von Schweden, Herzog von Södermanland, und späteren Königs Carl XIII. von Schweden begeben wollte. Dieser Prinz reiste 1798/99 mit seiner Frau Herzogin Hedvig Elisabeth Charlotta durch Europa, aber inkognito als Graf und Gräfin von Wasa/Vasa. Die Herzogin führte Tagebuch während der Reise, aus dem hervorgeht, dass das Herzogpaar am 18.September 1798 von Baruth aus in Elsterwerda ankam. So schreibt sie im Tagebuch „Wir kamen sehr spät in Elsterwerda an. Eigentlich hätten wir an diesem Abend noch bis Großenhain fahren sollen, aber dorthin waren es gut zwei Meilen, und da der Herzog sich müde fühlte und es bereits neun Uhr war, zogen wir es vor, in Elsterwerda zu bleiben – eine kleine sehr hässliche Stadt. Als ich an der Poststation aus der Kutsche stieg, traf ich zwei junge Damen, die französisch sprachen. Sie gehörten einer adligen Familie an und hießen Giesen, wohnhaft hier mit Ihrer Mutter in einem Jagdschloss, das dem Kurfürsten gehört…. Die jungen Damen schienen sehr weltgewandt. Wir unterhielten uns lange, sie waren höflich und angenehm, hatten aber keine Ahnung, wer wir waren. Obwohl dieser Tag also ereignisreich war, kann ich nicht anders sagen, als dass es schrecklich langweilig war, den ganzen Tag zu reisen, um kaum sechs Meilen zurückzulegen. Am 19. Reisten wir um 8 Uhr ab.“
Studiendirektor Mannheimer stellte uns dankenswerterweise die Übersetzung des Tagebucheintrags zur Verfügung und bemerkt dazu u.a. „… sie beschreibt praktisch alle kleinen Städte als hässlich….“
Leider befinden sich im Historischen Stadtarchiv zu dieser Reise keine Unterlagen, aber Anfragen an das Hauptstaatsarchiv Dresden und an weitere Institutionen sind gestellt und z.T. auch schon beantwortet, aber die Recherchen nehmen noch viel Zeit in Anspruch.
Inzwischen hat auch Herr Mannheimer seine Deutschland- und Tschechienreise beendet und war auf dieser Reise am 10.Juli 2025 in Elsterwerda. Er hat das Stadtarchiv besucht und wir begaben uns auf historische Wege in Elsterwerda. So besah er sich im neu gestalteten Trauzimmer im Rathaus das historische Gemälde von Johannes Lippold „Gasthof zum Rautenkranz“, welches die Hauptstraße mit Postkutsche im betreffenden Zeitraum zeigt.( Das Gemälde ist sicher Älteren noch bekannt, da es sich im Speiseraum der Schulspeisung der Rudi-Arndt-Schule befand, welcher lange Jahre im ehemaligen Gasthof Rautenkranz samt Schulküche untergebracht war.)
Außerdem zeigte ich ihm die Hauptstraße und das Gebäude, wo sich das ehemalige Gasthaus und auch damalige Poststation „Zum Rautenkranz“ befand. Wir sind an der Stadtkirche vorbeigewandert, wo ich ihm im angrenzenden alten Friedhof das Grab des ehemaligen Schlossgärtners zeigte und erzählte ihm vom Anbau der Ananas im ehemaligen Schloßgärtnerhaus. Wir besuchten natürlich auch das Elsterschloss und seine Anlagen. Wir konnten dankenswerterweise uns auch im Schloss, dem heutigen Elsterschloss-Gymnasium, umsehen und einige Räume, wie z.B. „Goldsaal“, Aula und Gartenzimmer ansehen, auch das ehemalige Ananasbeet in der heutigen Schulbibliothek im Gärtnerhaus besichtigten wir. Professor Mannheimer sagte beim Abschied, dass er das heutige Elsterwerda mit seinem Schloss als schöne Stadt empfindet und von dem herzlichen Empfang an den einzelnen Stationen sehr angetan ist.
Inzwischen ist auch schon ein Dankesschreiben des Studiendirektors eingetroffen. Nun muss er „nur“ noch die Unterlagen und Erkenntnisse seiner Studienreise aufarbeiten und einen Artikel bzw. ein Büchlein verfassen. Er versprach auch, dass wir natürlich seine Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt bekommen. Dazu und zu meinen eigenen Recherchen werde ich dann zu einem späteren Zeitpunkt berichten.