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Kommunal-Nachrichten der Gemeinde Fraureuth
Ausgabe 10/2026
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Eine fast alpine Wanderung

Bild: Göltzschtalbrücke, Nordseite, Archiv des Autors

Bild: Köhlersteig, Archiv des Autors

Diese abwechslungsreiche und anspruchsvolle Wanderung der Wandergruppe der Volkssolidarität Werdau startet am Bahnhof in Reichenbach und führt über eine Strecke von rund 14 Kilometern durch das malerische Vogtland. Nach der Durchquerung des nördlichen Stadtgebiets erreichen die Wanderer den historischen Ortskern von Obermylau, der mit seinen alten Gebäuden und Gehöften ländlichen Charme versprüht. Vorbei an einem einladenden Teich und entlang des Ritterpfads mit dem Siegfried-Denkmal führt der Weg bergab und schließlich westwärts oberhalb des Diabas-Steinbruchs Weinleithe. An einer überdachten Sitzgelegenheit bietet sich bald ein spektakulärer Ausblick auf die imposante Göltzschtalbrücke – die größte Ziegelbrücke der Welt. Das historische Bauwerk wurde zwischen 1846 und 1851 nach den Plänen des genialen Ingenieurs und Schöpfers Andreas Schubert errichtet. Dieser fehlte jedoch bei der feierlichen Einweihung, da er beim Königshaus in Dresden wegen politischer Umtriebe in Ungnade gefallen war und erst 1858 rehabilitiert wurde. Eine bautechnische Besonderheit verdankt die Brücke dem Reichenbacher Apotheker Heinrich Carl: Da der englische Portlandzement zu teuer war, entwickelte er einen speziellen hydraulischen Mörtel aus Sand, Wasser, Kalk, Ziegelmehl und Alaunschieferschlacke, welcher auch ohne Luft abband und es ermöglichte, täglich bis zu 50.000 Ziegel und mehr zu verbauen. Auch Ziegel der Fa. Popp aus Werdau wurden mit verbaut.

 

Der Weg führt weiter hinab in das schattige Tal der Göltzsch, wo ab der Straße nach Reinsdorf der anspruchsvolle Köhlersteig beginnt, benannt nach dem Heimatforscher und Lehrer Dr. Johann August Ernst Köhler. Dieser Abschnitt erfordert unbedingte Trittsicherheit und festes Schuhwerk, da es über Schotter und Baumwurzeln in schräger Lage zum Fluss ständig auf und ab geht. Die markanten Köhlerspitzen, die auch von der Alpenvereins-Sektion Plauen als Kletterfelsen genutzt werden, bieten eine herrliche Aussicht, fordern beim steilen Abstieg über Geröll jedoch volle Konzentration. Diesen Aufstieg machen nicht alle mit, sie nehmen die Abkürzung. Wieder vereinigt geht es in Serpentinen zum Sorgbruch, einem ausgedienten Steinbruch. Verfallene

 

Betongebäude zeugen noch heute von der schweren Arbeit. In der Gaststätte „Waldfrieden“ werden wir herzlich empfangen. Nur wegen uns hat der Koch den Herd angeheizt und Durst haben wir auch. Der weitere Weg nach Netzschkau hält neue Herausforderungen bereit: Auf kaum begangenen Pfaden geht es durch dichtes Gestrüpp, wobei der Dorfbach Kleingera über Steine und umgestürzte Bäume überquert werden muss. Vorbei am historischen Pulverhaus führt der Weg im Wald leicht bergan zum Stoppbach und nach einem kurzen Straßenabschnitt bergab weiter zum Durchlass des Brockauer Dorfgrabens. Der finale Aufstieg zum Galgenberg erfolgt im Gänsemarsch durch einen zugewachsenen Pfad inmitten von zwei Meter hohen Brennnesseln und Brombeersträuchern. Die Sommerhitze macht den Weg hoch zum Schullandheim schwer, doch ein grandioser Südost-Blick auf die Göltzschtalbrücke entschädigt für die Strapazen, bevor der Zug die Wanderer vom Zielbahnhof schließlich wieder zurück nach Werdau bringt.

Gehen Sie auch wieder einmal auf Wanderschaft und bleiben Sie weiterhin neugierig. Vergessen Sie nicht, ordentliche Wanderschuhe zu tragen. Das Ziel einer Wanderung liegt oft so nah.

Mit freundlichen Wandergrüßen

Gottfried Heller

Quellennachweis:

Schautafel am Sorgbruch;

Ketzels Mühle, Museum in 08491 Netzschkau, Brückenstr. 6;

„Der Knotenpunkt“, Autor: Christian Albert Friedrich, Verlag epubli, 06.02.2025; Webseite: bernd-nebel.de von Bernd Nebel „Brücken–Architektur“, Architektur, Technik, Geschichte; sowie Reiseerinnerungen des Autors