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Kommunal-Nachrichten der Gemeinde Fraureuth
Ausgabe 7/2026
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Wandern im Frühling

Frühlingsidylle und ungeplante Abenteuer: Unterwegs im Rümpfwald

Es ist ein herrlicher Maitag, als sich die Seniorenwandergruppe der Volkssolidarität Werdau aufmacht, um eines der schönsten Naturgeheimnisse des Erzgebirgsvorlandes zu erkunden. Ihr Ziel: der sagenumwobene Rümpfwald, ein geschütztes, rund 750 Hektar großes Waldgebiet, das sich sanft zwischen den Städten Glauchau, St. Egidien und Lichtenstein erstreckt. Doch bevor die eigentliche Naturidylle genossen werden kann, beweist die Gruppe, dass zu einer echten Wanderung auch immer eine Prise Improvisationstalent gehört.

Da die Wandergruppe konsequent auf öffentliche Verkehrsmittel setzt, beginnt der Ausflug mit einer klassischen Zugfahrt: von Werdau über Zwickau und Glauchau bis nach Lichtenstein. Zweimal umsteigen steht auf dem Plan. Doch die Bahnfahrt hält die erste Überraschung bereit: Ein Teil der Wanderer verschläft prompt den Umstieg auf dem Bahnhof Glauchau und bleibt einfach entspannt in den Sitzen sitzen.

Als der Fehler bemerkt wird, rollt der Zug bereits unaufhaltsam in Richtung Chemnitz. Während eine Wandersfrau tapfer in Glauchau zurückbleibt, um die Stellung zu halten, absolviert die „verlorene Gruppe“ unfreiwillig eine rasante Schwarzfahrt nach Chemnitz und wieder zurück. Ein großes Lob geht hierbei an das Zugpersonal der Deutschen Bahn, das die ungeplante Extratour mit Humor und viel Toleranz begleitet.

Der pünktlich in Lichtenstein angekommene Teil der Gruppe lässt sich die Laune nicht verderben. Vom dortigen Bahnhof aus führt der Weg über die Umgehungsstraße hinein in das dichte Grün des Rümpfwaldes. Wo vor langer Zeit noch ein streng bewachter militärischer Sperrbezirk die Zivilisation aussperrte, hat sich die Natur das Terrain längst mit aller Kraft zurückerobert.

 

Schon bald erreichen die Wanderer das erste Etappenziel: die „Steinerne Kuh“(Bild). Das kleine geologische Naturdenkmal ist ein sogenannter Knollenstein aus Braunkohlenquarzit. Er entstand über stolze 200 Millionen Jahre hinweg durch geduldige Verwitterungsprozesse. Der skurrile Felsmonolith, der im Volksmund an eine liegende Kuh erinnert, lädt die Wanderer zu einer ersten, wohlverdienten Rast ein. Eine Erfrischung aus dem Rucksack.

Nur wenige Kilometer weiter offenbart der Wald sein nächstes Kleinod: die drei „Schwarzen Teiche“. Diese tiefen, dunklen Gewässer spiegeln die dichten Baumkronen wider und verströmen eine beinahe magische Ruhe. Wer hier genau hinsieht und das nötige Quäntchen Glück mitbringt, kann an warmen Tagen sogar Schildkröten beobachten, die sich auf alten Baumstämmen in der Sonne wärmen.

Nach rund acht Kilometern Fußmarsch schließt sich am südlichen Stadtrand von Glauchau der Kreis. Im idyllisch am Waldrand gelegenen Forsthaus Rothenbach fallen sich die beiden Wandergruppen glücklich in die Arme. Die Chemnitz-Ausreißer warten hier bereits sehnsüchtig, und bei traditionellen, regionalen Gerichten wird das Missgeschick ausgiebig belacht.

Frisch gestärkt wartet vor dem Heimweg noch der absolute Höhepunkt der insgesamt 14,1 Kilometer langen Route: der mächtige Bismarckturm. Mit einer stolzen Höhe von 45 Metern ragt er am Südrand der Stadt empor. Er ist damit der höchste noch existierende Bismarckturm der Welt und diente bis ins Jahr 2005 hinein sogar als funktionaler Wasserturm.

Wer den Turm besteigen möchte, muss in den offiziellen Seiten der Stadt Glauchau nachschauen, um einen der begehrten, exklusiven Besichtigungstermine für den Turm abzupassen. Zum Abschluss führt der Wanderweg gemütlich am örtlichen Tiergehege vorbei zurück in die Stadt, von wo aus die Senioren die Heimreise im Zug über Zwickau zurück nach Werdau antreten – diesmal garantiert ohne den Umstieg zu verpassen.

Eine leichte bis mittelschwere Tour mit wenig Höhenmeter in einem schönen Waldgebiet. Bei Verwendung von öffentlichen Verkehrsmitteln zum Wanderziel muss ein Tag eingeplant werden. Bleiben Sie auch weiterhin neugierig und gehen auch einmal wandern.

Gottfried Heller
Mitglied der Wandergruppe