Am 28. Juni fand auf der Konradsburg in Ermsleben in der Kapelle ein sehr ungewöhnliches Gesprächskonzert statt. Zum Abschluss des Falkensteiner Minneturniers lud die Vorjahressiegerin Rie Kosaka zu einer Matinée unter dem Titel "Europäische Musik des Hohen Mittelalters aus japanischer Perspektive". Die Sängerin und Harfenistin ist nämlich in Tokio zu Hause und hatte schon im Vorjahr beim Minneturnier durch ihre natürliche, bescheidene und freundliche Art und ihr authentisches, ernsthaftes Spiel beeindruckt. Es war ein Glücksfall, dass die Veranstalter des Minneturniers, sie noch einmal für die weite Reise begeistern konnten. Rie Kosaka stellte Werke des Hohen Mittelalters vor und spannte den Bogen vom gregorianischen Choral über die Ursprünge des Minnesangs in Frankreich mit seinen Trobadors und Trouvères und die unter maurischem Einfluss stehenden Gesänge der spanischen Halbinsel bis hin zum deutschen Minne- und Spruchgesang. Im reizvollen Kontrast dazu standen japanische Kompositionen derselben Zeit. All dies wurde mit großem Feingefühl für die unterschiedlichen landestypischen Interpretationsweisen vorgetragen, auf ebenso zurückhaltende wie überzeugende Art und Weise. Die Liedvorträge wurden ergänzt durch Erklärungen in englischer Sprache, illustriert durch ein Blatt mit Abbildungen mittelalterlicher Handschriften, die zeigten, dass trotz der großen Entfernung und der kulturell unterschiedlichen Entwicklungen im fernen Osten und in Europa eben doch verblüffende Entsprechungen bestanden, was insbesondere die Darstellungen mittelalterlicher Instrumente zeigten.
Es gelang Frau Kosaka, das Publikum in eine sehr aufmerksame Stimmung zu versetzen, oft hätte man nach einem Lied eine Stecknadel fallen hören. Besonders hervorzuheben ist nicht nur ihre schöne, klare Stimme, sondern auch das erstaunlich variable Harfenspiel. Hier hat der Interpret mittelalterlicher Musik ja die große Schwierigkeit, eine adäquate Begleitung zu entwickeln, da nur die Gesangsmelodie - und die auch noch ohne Rhythmisierung - überliefert ist. Es ist also die eigene Kreativität gefordert, ohne dass man dabei zu sehr in die Interpretationsweisen späterer Jahrhunderte abgleitet. Die schwierige Aufgabe wurde von Rie Kosaka mit Bravour gelöst, es gelang ihr für jedes Stück eine eigenständige Umsetzung zu finden, was von schlichter Pentatonik über schlichte Bordunbegleitung bis hin zu ausgefeilten mehrstimmigen Arrangements reichte.
Das Publikum bedankte sich mit viel Applaus bei der Künstlerin für diesen großartigen musikalischen Morgen.
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