Das Falkensteiner Minneturnier ging zum ersten Mal im Jahr 2006 über die Bühne, damals feierte man 800 Jahre Sängerkrieg auf der Wartburg. Keiner ahnte damals, dass daraus eine Institution werden sollte - jährlich fanden auf Burg Falkenstein, manchmal auch auf der benachbarten Konradsburg die mittelalterlichen Gesangswettbewerbe statt. Dazu reisten aus ganz Deutschland Zuschauer an, um den Wettstreit der Stimmen zu erleben. Das Ganze war jeweils eingebettet in ein schönes Schauspiel mit bunten Kostümen und die Musik wurde begleitet von Spielleuten auf Instrumenten, die dem Hohen Mittelalter nachempfunden waren. Am 27. Juni fand im Burghof von Falkenstein das Jubiläumsturnier statt - trotz großer Hitze fand sich viel Publikum ein. Jedes Minneturnier stand unter einem anderen Motto, dabei ging es um geschichtliche Themen von Walther von der Vogelweide über den Sachsenspiegel, bis hin zu alten Epenerzählungen wie dem Nibelungenlied. Es wurden die großen mittelalterlichen Bauwerke in Sachsen-Anhalt besungen, aber es ging auch ums Überleben der Sänger und Musiker im Mittelalter, um Traumpaare des Mittelalters oder Lieder von Abschied und Wiederkehr.
Ein Hauch von Abschied lag auch über dem diesjährigen Turnier: Dr. Lothar Jahn, der die Idee des Minneturniers entwickelt hatte und bisher alle Veranstaltungen geleitet hatte, zieht sich ebenso zurück wie das Musiktheater Dingo, das bislang immer den Rahmen für die Sänger gestaltet hatte. Das Motto der Veranstaltung hieß auch "Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr", also "Oh weh, wo sind verschwunden alle meine Jahre", wie Walther von der Vogelweide in seinem Lebensrückblick formuliert hatte. Alle Sängerinnen und Sänger im Wettbewerb und die Ehrengäste waren bereits einmal siegreich aus dem Wettbewerb hervorgegangen: Knud Seckel, Ursel Peters, Christine Zienc-Tomczak, Robert Schuchardt, Wilfried Staufenbiel, Rie Kosaka und Olaf Casalich zeigten an dem Abend erneut ihr großes Können. Mal fröhlich und ausgelassen, dann wieder voller Melancholie, mal mit großem Ensemble, dann nur mit spärlicher Begleitung zeigten sie alle Facetten des Minnesangs. Für Abwechslung zwischendurch sorgten wie immer die Kommentare von Meister Frauenlob (Peter Will) und Henker Stempfel (Bernd Bonnet), die vor der Veranstaltung erneut eine Begegnung mit den Hexen aus dem Harz hatten. Eine junge Hexe (Silva Klages) schloss sich den beiden an, um beim Minneturnier die Zauberkräfte der Musik zu erkunden. Die erschlossen sich ihr und dem Publikum auf der großen Veranstaltung, die bis tief in den Abend hinein andauerte. Als Doppelsieger ging Robert Schuchardt aus Leipzig aus dem Wettbewerb hervor: Sowohl solo als auch im Duett mit seiner Lebensgefährtin Kathrin Kläber wurde er ausgezeichnet. Er äußerte auch Interesse, gemeinsam mit einem neuen Team die Tradition des Minneturniers fortzuführen: Dazu werden noch Förderer und Helfer gesucht. Interessenten wenden sich an robert@spielleut.de.
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