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Grünbacher Anzeiger
Ausgabe 12/2019
Interessantes und Wissenswertes
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Ein Leben für die Katz‘

Die US-amerikanische Schauspielerin Gillian Anderson sagte einmal: „Tiere können nicht für sich selbst sprechen. Und deshalb ist es so wichtig, dass wir als Menschen unsere Stimme für sie erheben und uns für sie einsetzen.“

Für uns, die Mitglieder des Tierschutzvereins Auerbach und Umgebung e. V., haben diese Worte eine besondere Bedeutung. Sie sind Leitspruch und Ethos, nach denen wir jeden Tag versuchen, für unsere heimatlosen Tiere unser Bestes zu geben.

Der Gründe, warum der Lebensweg eines Tieres zu uns in die Katzenauffangstation in Falkenstein oder in unsere Hundepflegestelle in Muldenhammer führt, gibt es viele. Nicht selten widerfährt den Tieren ein Schicksal, das wir Vereinsmitglieder, Tierschützer- und Liebhaber aus tiefster Überzeugung, mit Bedauern und Fassungslosigkeit zur Kenntnis nehmen müssen. Ausgesetzt, nicht mehr gewollt, einfach „vergessen“, nicht selten gepaart mit Vernachlässigung oder gar Quälerei – der Vielfalt an Respektlosigkeiten gegenüber Tieren gibt es keine Grenzen. Eine schwer ertragbare Realität und doch beileibe nicht die einzige Herausforderung, die es zu schultern gilt.

Unsere Katzenauffangstation in der Louis-Müller-Straße 30 in Falkenstein, einst, in den Anfängen unseres Vereins, nur als Übergangslösung gedacht, stellt sich schlussendlich als marodes, komplett sanierungsbedürftiges Dreifamilienhaus, erbaut in den Anfängen des 20. Jahrhunderts, dar. Beim Anblick unseres „Katzenhauses“ läge so manchem sicher der Satz „Das kann man ja nur noch wegreißen!“ auf den Lippen. Und leider träfe er damit vermutlich sogar ins Schwarze. Ganz abgesehen von der besorgniserregenden Grundsubstanz, Nässe im gesamten Gemäuer und einem vom Zerfall gekennzeichneten, undichten Dach wird unsere Arbeit für und an den Tieren durch eine ganze Reihe weiterer „Unannehmlichkeiten“ erheblich erschwert: zugige, alte Holzfenster, eine sanierungsbedürfte, unter Umständen aus brandschutztechnischer Sicht sogar gefährliche Elektrik sowie fehlende Wasseranschlüsse auf zwei von drei Etagen. Die Räume werden im Winter mit Ofenheizung auf eine einigermaßen vertretbare Temperatur gebracht. Nicht nur, dass es für uns beschwerlich ist, so arbeiten zu müssen, die Bedingungen potenzieren natürlich auch den Zeitaufwand für die Reinigung unseres „Katzenhauses“. Aus hygienischer und tierschutzrechtlicher Sicht stehen wir damit, trotz größter persönlicher Anstrengungen, auf verlorenem Posten und es kann nicht gewährleistet werden, dass sich ansteckende Krankheiten unter den Katzen ausbreiten. Unsere Tierärzte, die uns seit Jahren engagiert und mit Herzblut zur Seite stehen, schätzen die örtlichen Gegebenheiten im Allgemeinen sowie die hygienische Situation im Speziellen als untragbar ein. Eine Flut von mehr als 60 Katzenwelpen im Frühsommer dieses Jahres brachte uns dann tatsächlich an unsere absoluten Kapazitätsgrenzen - leider auch mental: Unter den Katzenwelpen breitete sich ein Virus aus, der trotz Impfungen, kostspieliger tierärztlicher Behandlungen und nicht zuletzt zeitintensivem, liebevollem Aufpäppelns den qualvollen Tod viel zu vieler Jungtiere bedeutete. Für unsere aktiven, allesamt ehrenamtlichen Helfer, die alle Kräfte aufboten, um diese kleinen Leben zu retten, eine unglaublich traurige und ernüchternde Grenzerfahrung.

Jedem muss klar sein, insbesondere den Städten und Gemeinden unseres Einzugsgebiets (Auerbach, Falkenstein, Ellefeld, Rodewisch, Grünbach, Neustadt, Jägerswald, Muldenhammer, Steinberg und Crinitzberg), dass die gegenwärtigen Verhältnisse eigentlich schon seit Jahren nicht mehr hinnehmbar sind und dass es nun endlich an der Zeit sein muss, mit Ernsthaftigkeit und Engagement Lösungen zu finden. Mittelfristiges Ziel muss der Erwerb einer anderen Immobilie, deren Umbau nach tierschutzrechtlichen Standards sowie die Realisierung einer Hundeunterbringung vor Ort ggf. in Form eines Anbaus sein. Wir, als kleiner Verein mit knapp über hundert Mitgliedern, stehen diesbezüglich vor einer finanziellen Mammutaufgabe, deren Lösung nur mit Hilfe der Kommunen in greifbare Nähe rücken kann. Am 12. August dieses Jahres folgten einige, zu unserem Bedauern aber leider nicht alle, Vertreter der Kommunen der Einladung unseres Vereinsvorsitzes zum „Krisengespräch“ in die Louis-Müller-Straße. Nicht ohne Entsetzen nahmen die Anwesenden die örtlichen Zustände zur Kenntnis und gaben ihre Zusicherung auf Hilfe. Das Team des Tierschutzvereins Auerbach und Umgebung e. V. hofft inständig, dass auch die verbliebenen Gemeinden ihrer kommunalen Pflichtaufgabe „Tierschutz“ nachkommen und uns aktiv bei der Umsetzung der so dringend notwendigen Maßnahmen unterstützen werden.

Einen großen Dank, nicht zuletzt stellvertretend für unsere „vergessenen Pfötchen“, möchten wir an dieser Stelle für alle vergangenen wie auch künftigen Spenden aus privater oder unternehmerischer Hand, ganz gleich ob finanzieller oder materieller Natur, aussprechen. Ohne Menschen wie Sie wäre unsere Arbeit in den vergangen knapp 30 Jahren nahezu unmöglich gewesen, eine Tatsache, derer wir uns jeden Tag bewusst sind.

Lieber Leser, möchten Sie Ihr persönliches Engagement einbringen, Vereinsmitglied und aktiver Helfer werden, sind Sie sehr herzlich zum „Schnuppern“ in unserer Katzenauffangstation oder in unserer Hundepflegestelle eingeladen und können sich diesbezüglich mit uns über Facebook, unter der Telefonnummer 03745 77372 oder unter unserer E-Mail-Adresse Tierschutz.Auerbach.eV@web.de in Verbindung setzen.

Heike und Nora Hochmuth