Die Geschichte von den Herrnhuter Sternen für die Kirche in Großthiemig hat irgendwie etwas märchenhaftes an sich, denn man könnte bei der Erzählung auch mit den Worten „Es war einmal …“ beginnen. Es war nämlich in einer Silvesternacht, als man ausgiebig darüber diskutiert hat, warum einer der höchsten Kirchtürme in Südbrandenburg keinen Stern in der Adventszeit besitzt. Also war klar, ein Stern für Großthiemig musste her und es dauerte nicht lange, da fanden sich drei Familien zusammen, die dieses Projekt unbedingt umsetzen wollten. Für Familie Klemm und Gündel aus Großthiemig und Familie Thiel aus Gröditz waren schnell die Sponsoren gefunden um eines der größten Herrnhutern Sterne zwischen den umgangssprachlichen „Grünen Säulen“ zu platzieren. Mit in dieses Projekt eingebunden wurde die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates Martina Opitz und ihr Ehemann Gottfried, der diesen Kirchturm bestens kennt. Im Sommer machte er dann zusammen mit Holger Trobisch eine erste Turmbegehung, um die örtlichen Gegebenheiten zu erkunden.
Danach war schon klar, nichts wird es mit 1,30 m großen Stern da oben und die erste Enttäuschung war deutlich zu spüren. Selbst die nächstkleinere Größe, die in der Oberlausitz hergestellt wird, stellte die Beteiligten vor eine große Herausforderung, aber man war sich einig, eine noch kleinere Variante kommt nicht in Frage. Wie bekommt man das Teil auf den Turm, ohne es in luftiger Höhe zusammenzubauen und wie erfolgt die Befestigung zwischen den Säulen, dass waren die nächsten Schwerpunkte für das Team. Auch Kontakte zu anderen Gemeinden, wo schon Sterne leuchten, brachten keinen konkreten Aufschluss, denn zu speziell sind die Bedingungen in Großthiemig vor allem im Turminneren. Nach wochenlanger Grübelei hatte man dann endlich eine umsetzbare Idee herausgefunden. In ein Drahtkorsett sollte der Stern gelegt werden, welches an Drahtseilen zwischen den Säulen befestigt wird. Die Vorbereitungen für die Montage liefen nun auf Hochtouren, denn schließlich wollte man nicht erst zur kalten Jahreszeit damit beginnen. Am Kirmessamstag sollte dann der große Tag werden, wo die Installation stattfinden sollte, aber schnell wurde klar, dass bei den vorherrschenden Windbedingungen nichts geht und die Aktion musste abgebrochen werden, denn die Sicherheit aller Beteiligten stand im Vordergrund. Am Reformationstag war nun der nächste Anlauf geplant und endlich meinte es auch das Wetter gut, kein Wind und Sonnenschein sorgten sogar für optimale Bedingungen. Pünktlich 14.00 Uhr startete die Mission Sternmontage, als Hilfe wurde noch der erfahrene Dachdecker Uwe Matthäus aus dem benachbarten Brößnitz hinzugeholt. Sogar eine Checkliste für benötigtes Werkzeug wurde vorher erstellt, damit alles perfekt und reibungslos stattfinden kann. Naja, ganz perfekt ging es dann doch nicht über die Bühne, denn eine falsche Schlüsselgröße sorgte für etwas Verzögerung. Der halb vorgefertigte Stern musste nun in luftiger Höhe noch zusammengebaut und befestigt werden. Auch die elektrische Verkabelung musste geändert werden, damit der Anschluss durch die bestehende Luke geführt werden konnte. Die größte Schwierigkeit bestand jedoch, die beengten Bedingungen zu meistern, denn zwei Helfer zwischen den Säulen und drei auf den innliegenden Leitern wurde benötigt, um das Material und Werkzeug an Ort und Stelle zu bringen. Nach knapp zwei Stunden Montagezeit hieß es dann Mission erfüllt und alle Mann „Absitzen“. Deutlich spürbar war dann die Erleichterung bei der Vorsitzenden Martina Opitz, als alle fünf Beteiligten heile Vollzug über das erfolgreiche Projekt melden konnten. Als dann mit eintretender Dunkelheit der Stern zum Probelauf das erste Mal über den Dächern von Großthiemig strahlte, herrschte nicht nur bei den Machern große Freude auch in den Netzwerken waren sofort Bilder und Danksagungen unterwegs.
Das Vorhaben Stern war aber noch nicht abgeschlossen, denn die drei Sponsoren waren sich einig, den viel kleineren Stern als geplant sich nicht finanziell teilen zu wollen. Also legte man noch mal eine „Schippe“ drauf und man kontaktierte Herrnhut erneut, um den ursprünglichen Stern A 13 aus deren Kollektion zu besorgen. Am 29.11.2025 konnte dann im Zuge des Pyramidenanschieben der „Große Bruder“ feierlich den Vertretern des Gemeindekirchenrates und des Pfarrerehepaares übergeben werden. Fortan wird dieser zur Adventszeit seinen Platz neben dem Altar finden und den Innenraum der Großthiemiger Kirche erstrahlen lassen. Wie im Märchen hatte auch diese Geschichte ein glückliches Happyend. Allen ein riesiges Dankeschön die in irgendeiner Weise ihren Beitrag dazu geleistet haben.