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Neisse-Echo - Amtsblatt für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern
Ausgabe 2/2026
Aus unserer Postmappe
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Sammlerleidenschaft für Briefmarken, Münzen und Ansichtskarten

Ein achteckigen Oktogon in Preußen – eine absolute Rarität. © Laube

Es ist eine schöne und gepflegte Tradition, dass der Gubener Briefmarkensammlerverein zweimal jährlich zum Sammlermarkt in das Kulturzentrum Obersprucke, Friedrich-Schiller-Straße 16c, einlädt. Am Sonntag, 01. März 2026, in der Zeit von 9:00 bis 12:00 Uhr, haben interessierte Besucher die Möglichkeit, den sachkundigen Rat erfahrener Philatelisten und Numismatiker einzuholen. Briefmarken und Münzen können begutachtet und bewertet werden. Zudem stehen die Vereinsmitglieder für Fragen rund um das Sammeln gern zur Verfügung.

Das Sammeln von Briefmarken ist stets auch ein Sammeln von Geschichte. In einer umfangreichen Ausstellung hat der Verein die Entwicklung der Post und damit auch der Briefmarke zusammengetragen – stets aus Gubener Sicht. Nach den Anfängen der Nachrichtenübermittlung im Frühjahr richtet sich der Blick nun auf das Thema „Preußen – ab 1850 postalisch betrachtet“.

Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Guben 13 Postagenturen und 36 Poststellen. Im Jahr 1869 waren unter Postdirektor Zindel ein Postkommissarius, zwei Sekretäre, zwei Postassistenten, vier Expedienten und ein Anwärter beschäftigt. Darüber hinaus waren zwei Wagenmeister, vier Briefträger, vier Bürodiener, ein Paketbesteller, drei Paketträger, acht Landbriefträger sowie ein Stadtpostbote als Unterbeamte beschäftigt.

Am 15. November 1850 erschienen in den Postämtern Preußens die ersten Briefmarken. Sie zeigten das Porträt von König Friedrich Wilhelm IV. auf gegittertem Grund. Zunächst wurden die Marken auf handgeschöpftem Papier gedruckt, später auf pergamentartigem Papier. Die damalige Währung lautete Pfennige und Silbergroschen. Im Jahr 1867 erfolgte die Umstellung auf die Gulden-Kreuzer-Währung, nachdem Preußen die mitteldeutschen Gebiete an die Thurn-und-Taxis-Post verkauft hatte. Mit dem Beitritt zum Norddeutschen Bund verzichtete Preußen ab 1868 auf das eigene Postregal. Aus dem Norddeutschen Bund ging nach der Gründung des Deutschen Reiches schließlich die Deutsche Reichspost hervor.

Überliefert ist, dass sich viele Gubener im Jahr 1850 nur schwer an den Gedanken gewöhnen konnten, kleine bunte Zettel mit dem Kopfporträt Friedrich Wilhelm IV. auf ihre Briefe zu kleben. Bis dahin war es üblich gewesen, die Briefe am Schalter dem Postoffizienten zu überreichen und – je nach Bestimmungsort – ein oder zwei Silbergroschen zu entrichten. Eine vor dem Postamt angebrachte „Instruktion wegen Einführung von Marken zum Frankieren der Briefe“ war daher zu Beginn dicht umringt.

Die Entwertung der Briefmarken erfolgte mit unterschiedlichen Stempeln, unter anderem mit dem damals neu eingeführten Vierringnummernstempel. Die Nummern wurden in alphabetischer Reihenfolge der Postorte vergeben. Guben erhielt die Nummer 554.

In der Sammlung des Gubener Briefmarkensammlervereins befinden sich zahlreiche gut erhaltene Briefe mit unbeschädigten Briefmarken und deutlich sichtbaren Stempeln. An den Stempelformen lässt sich bis heute erkennen, wo ein Brief aufgegeben wurde. Eine besondere Rarität der Preußenphilatelie ist ein Werteindruck auf Brief mit achteckigem Oktogon. Ebenso selten ist ein Paketbegleitschein für insgesamt acht Pakete. Auch gut erhaltene Briefe aus der Zeit des Norddeutschen Postbezirks gehören zum Bestand des Vereins.

Der Sammlermarkt bietet somit nicht nur Fachwissen und Beratung, sondern auch einen eindrucksvollen Einblick in die Post- und Stadtgeschichte Gubens.

Vereinsvorsitzender Laube
Briefmarkensammlerverein Guben 1911 e.V.