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Neisse-Echo - Amtsblatt für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern
Ausgabe 3/2026
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Stadtgeschichte lebendig erzählt

Ecke Mittel- und Bahnhofstraße im Jahr 1920.

Heimatforscher Arno Schulz sprach über Mittel-, Straupitz- und Feldstraße sowie deren Stellenwert in der Gubener Stadtgeschichte

Großes Interesse fand der Vortrag des Gubener Heimatforschers Arno Schulz, zu dem der Gubener Heimatverein e.V. am 2. Februar 2026 eingeladen hatte. Bereits im vergangenen Jahr hatte Schulz mit seinem Beitrag über das Denkmal in der Gasstraße wichtige Impulse gegeben: Infolge seines Vortrags wurde der Gedenkstein „Millionen Opfer zweier Weltkriege mahnen zum Frieden“ saniert. Die Stadt Guben eröffnete dort später ihre Veranstaltungsreihe „80 Jahre Vertreibung“.

Diesmal widmete sich Schulz der Mittelstraße, der Straupitzstraße und der Feldstraße. Mit zahlreichen historischen Fotos, Werbeanzeigen und persönlichen Erinnerungen zeichnete er ein lebendiges Bild der Stadtgeschichte.

In der Mittelstraße prägten einst Familien wie die Wilkes das Straßenbild. Bedeutende Betriebe wie Aders & Blumberg, die Gubener Haar- und Velour-Fabrik AG oder die Hutfabrik Steinke waren hier ansässig. Auch kleinere Handwerksbetriebe, Mühlenwerke, eine Brauerei sowie die Ölmühle Hermann Bogdan gehörten dazu. Ein dunkles Kapitel der Geschichte erinnert an das Haus Nr. 12, in dem nach 1945 die sowjetische Geheimpolizei Verhöre durchführte. Eine Gedenktafel „Den Opfern des Stalinismus“ mahnt bis heute.

In der Straupitzstraße standen unter anderem die von Friedrich Wilke gestiftete „Kirche des Guten Hirten“, die Wilke-Villa (zu DDR-Zeiten Standesamt), die Maschinenfabrik Quade sowie später der VEB Bitu-Chemie, im Volksmund „Dachpappenpaule“ genannt.

Die Feldstraße ist Geburtsort des Schriftstellers Klaus Herrmann. Zu DDR-Zeiten befanden sich dort Staatsreserven für Öle und Fette sowie Gebäude des Baubetriebes Tilgner (später VEB Bau). Nach dem Abriss weiter Teile der Bebauung im Jahr 2025 eröffnet sich heute ein freier Blick bis zur Straupitzstraße. Sichtbar geblieben sind unter anderem historische Werbeschriftzüge und ein markanter Industrieschornstein.

Nach rund eineinhalb Stunden endete der anschauliche und detailreiche Vortrag, der erneut eindrucksvoll zeigte, wie eng Stadtgeschichte und persönliche Erinnerungen miteinander verwoben sind. Arno Schulz übergab der Stadtbibliothek zudem ein Buch mit seinen Aufzeichnungen, Recherchen und Fotografien.

Roswitha Koch
Gubener Heimatverein e.V.