Titel Logo
Neisse-Echo - Amtsblatt für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern
Ausgabe 3/2026
Die Stadtbibliothek informiert
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Verschwundene Verlage

Christoph Links © Luise Steinwachs

Christoph Links spricht über DDR-Verlagsgeschichte, kulturelles Gedächtnis und unabhängiges Publizieren

Die Stadtbibliothek Guben lädt am Freitag, 17. April 2026, zu einer Lesung mit dem Berliner Verleger und Autor Christoph Links ein. Im Mittelpunkt des Abends steht das Thema „Verschwundene Verlage“ sowie sein eigenes verlegerisches Schaffen.

Christoph Links gilt als einer der profiliertesten Chronisten der deutschen Verlags- und Zeitgeschichte. Mit der Gründung des Ch. Links Verlags im Dezember 1989 schuf er einen unabhängigen Sachbuchverlag, der sich intensiv mit der Aufarbeitung der DDR-Geschichte, der deutschen Teilung und den Umbrüchen nach 1989 auseinandersetzt. Zahlreiche Publikationen widmen sich Institutionen, Akteuren und Strukturen, die heute weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden sind – darunter auch Verlage, die einst prägend waren.

Zum Ende der DDR existierten lediglich noch 78 zugelassene Verlage, obwohl nach 1945 mehr als 200 von der sowjetischen Militäradministration genehmigt worden waren. In seinem Buch untersucht Christoph Links die Geschichte von 150 verschwundenen Verlagen und geht der Frage nach, warum und auf welche Weise sie vom Markt verschwanden. Wurden sie aus politischen Gründen enteignet? Steuerrechtlich unter Druck gesetzt? In den Westen verdrängt? Zur Fusion gezwungen? Oder gaben sie aus eigenem Antrieb auf? Damit verbunden ist eine grundsätzliche Fragestellung: Mit welchen Mitteln und Methoden agierte die SED-Führung im Bereich der Kulturwirtschaft? Wie wurden geistige und wirtschaftliche Konkurrenz beseitigt, um ausgewählten Betrieben ertragreiche Monopolstellungen zu sichern?

In der Veranstaltung spricht Christoph Links über die Geschichte und Bedeutung dieser „Verschwundenen Verlage“, über ihre Rolle im kulturellen Gedächtnis und darüber, warum Bibliotheken zentrale Orte zur Bewahrung dieses Wissens sind.

Andreas Peter führt durch den Abend und moderiert das Gespräch. Im Anschluss besteht Gelegenheit für Fragen und eine Diskussion mit dem Publikum.

Zur Person:

Christoph Links, Jahrgang 1954, geboren in Caputh bei Potsdam, studierte Philosophie und Lateinamerikanistik in Berlin und Leipzig. Er arbeitete unter anderem als Redakteur der Berliner Zeitung, als Assistent der Geschäftsleitung im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar und gründete 1989 den Ch. Links Verlag. Er ist Mitglied im P.E.N.-Club, war unter anderem Mitglied des Aufsichtsrates der Frankfurter Buchmesse sowie des Mittelstandsbeirates des Bundeswirtschaftsministeriums und promovierte 2008 an der Humboldt-Universität Berlin mit einer Arbeit zur Privatisierung der DDR-Verlage im Prozess der deutschen Einheit. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Literatur- und Zeitgeschichte dokumentieren seine intensive Beschäftigung mit der deutschen Verlagsgeschichte.

Pressestelle – Lehmann