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Neisse-Echo - Amtsblatt für die Stadt Guben und die Gemeinde Schenkendöbern
Ausgabe 9/2026
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Demografischen Wandel gemeinsam gestalten

Die Diskussion auf der Bühne

Teilnehmer des diesjährigen Deutsch-Polnischen Zukunftsstammtisches

 

 

Deutsch-Polnischer Zukunftsstammtisch in Guben setzt wichtige Impulse für die Grenzregion

Wie kann die deutsch-polnische Grenzregion den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 130 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik beim diesjährigen „Deutsch-Polnischen Zukunftsstammtisch“ in der Alten Färberei in Guben.

Die Veranstaltung brachte Akteure aus Brandenburg und der Wojewodschaft Lubuskie zusammen, um sich über die Auswirkungen von Bevölkerungsrückgang und Alterung der Gesellschaft auszutauschen sowie gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.

Bereits in ihren Grußworten betonten der Wojewode der Wojewodschaft Lubuskie, Marek Cebula, der Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz, Heiko Jahn, der Vizekonsul des deutschen Generalkonsulats in Wrocław, Torsten Göhler, Euroregionspräsident Czesław Fiedorowicz sowie Gubens Bürgermeister Fred Mahro die Bedeutung einer engen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Ziel sei es, die Region als deutsch-polnische Modellregion für den Umgang mit dem demografischen Wandel weiterzuentwickeln.

Die Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit des Themas: Während die Bevölkerung der Wojewodschaft Lubuskie jährlich um rund 5.500 Menschen schrumpft, verliert Ostbrandenburg etwa 3.300 Einwohner pro Jahr.

Im Fokus standen zuerst Impulsvorträge über die Bevölkerungsentwicklung in Polen, Deutschland sowie in Ostbrandenburg und Lubuskie. 

Zum Auftakt der Veranstaltung informierten Experten über aktuelle Entwicklungen und langfristige Prognosen. Robert Wróbel vom Statistischen Amt Zielona Góra sowie Prof. Dr. Stefan Zundel von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg erläuterten die demografischen Trends in Polen, Deutschland sowie speziell in Ostbrandenburg und Lubuskie. Die vorgestellten Prognosen reichen bis zur Mitte des Jahrhunderts und zeigen deutlich, vor welchen Herausforderungen die Grenzregion steht.

Anschließend diskutierten Vertreter aus Politik und europäischen Institutionen unter der Leitfrage: „Wie kann man die Region auf die Entvölkerung und die Alterung der Gesellschaft vorbereiten beziehungsweise dieser Entwicklung entgegenwirken?“ An der Debatte beteiligten sich unter anderem Barbara Gessler, Leiterin der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland, ihre polnische Amtskollegin Joanna Sterzyńska-Lindberg sowie die Forster Bürgermeisterin Simone Taubenek. 

Es folgten zwei vertiefende Paneldiskussionen. In einer ersten Fachrunde standen die Auswirkungen des demografischen Wandels auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Mittelpunkt. Dabei standen mit Piotr Gawara, dem Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands der Region Lubuskie, Lukasz Hudziak, dem stellv. Leiter des Wojewodschaftsarbeitsamtes aus Zielona Gora, Prof. Dr. Piotr Kulyk von der Universität Zielona Gora, Katja Müller, der Leiterin der LEAG-Akademie, Marion Richter, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus und Manuela Glühmann, der stellvertretenden Hauptgeschäftsführerin der IHK Cottbus sehr kompetente Ansprechpartner zu Verfügung. Eine zweite Gesprächsrunde widmete sich den Bereichen Gesundheit, Pflege und Bildung. Dabei brachten Grazyna Jelska, die Leiterin der Abteilung für Sozialpoltik in der Wojewodschaft Lubuskie, Pawel Lichtanski, der Bürgermeister der Gemeinde Ilowa, Dr. med. Bartosz Kudlinski, Prorektor am Collegium Medicum, Andrzej Lambryczak vom Seniorenrat der Wojewodschaft Lubuskie, Prof. Dr. mult. Eckhard Nagel, Gründungsmitglied des Vorstands der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem, Fred Mahro, der Bürgermeister der Stadt Guben, Michael Koch, der Bildungsdezernent des Landkreises Spree-Neiße und Norbert Asmus, der Landesseniorenbeauftragte ihren Sachverstand ein.

Im Rahmen der o.g. Diskussionsrunden wurden viele konkrete Ideen vorgestellt. Dazu zählten bei der Auftaktdebatte bspw.:

  • das Heben „ungenutzter Potenziale, wie sie bspw. in der Fach- und Arbeitskräftestrategie des Landes Brandenburg aufgeführt sind,

  • die Stärkung der Willkommenskultur beiderseits der Neiße,

  • die Unterstützung von Initiativen der Europäischen Kommission wie bspw. der „Strategie für das Recht zu bleiben: Deine Region, Deine Zukunft“

In der Paneldiskussion zum Arbeitsmarkt und zur Wirtschaft wurde insbesondere darauf abgestellt, dass:

  • eine maximale Offenheit für eine längere Einbindung älterer Arbeitnehmer notwendig ist,
  • eine Stärkung des Wissensmanagements in Unternehmen unabdingbar ist, bspw. über Mentoring-Programme,
  • der Fachkräftemangel – trotz aller Widrigkeiten – auch als Chance begriffen werden kann, um Innovationen und Modernisierungen voranzutreiben.

In der abschließenden Runde zu Gesundheit, Pflege und Bildung gab es u.a. Vorschläge wie:

  • die grenzüberschreitende Stärkung der Gesundheitsprävention,

  • den Ausbau der grenzüberschreitenden Kooperation zwischen Seniorenverbänden und Beiräten,

  • der Einsamkeit unter Senioren eine größere Aufmerksamkeit zu schenken,

  • mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen zu wagen, so dass Videosprechstunden zum Alltag werden, um lange Wege zu vermeiden,

  • die Schaffung einer gemeinsamen deutsch-polnischen Sekundarstufe II in der Doppelstadt Guben-Gubin, um das dortige Gymnasium und das Lyzeum dauerhaft zu sichern.

Nach unserer Auffassung hat die Grenzregion alle Chancen sich trotz des demografischen Wandels sehr gut weiterzuentwickeln, wenn es gelingt einige der o.g. Ideen umzusetzen und das oft noch vorhandene Kirchturmdenken zu überwinden. Wir werden daher viele der o.g. Impulse in die inhaltliche Ausgestaltung unseres zukünftigen Entwicklungs- und Handlungskonzepts einfließen lassen.

Unser herzlicher Dank gilt allen Teilnehmern, insbesondere den Referenten, Diskutanten und Dolmetschern sowie unseren Moderatoren Dr. Kaja Rostkowska und Sebastian Schiller. Die o.g. Veranstaltung wurde mit Unterstützung des Lausitzbeauftragten des Ministerpräsidenten, Dr. Klaus Freytag, der Wirtschaftsregion Lausitz, dem Wojewodschaftsamt der Wojewodschaft Lubuskie mit seinem Europe Direct Zielona Góra dem Statistikamt Zielona Gora sowie unserer Euroregion Spree-Neiße-Bober und dem dort ansässigen EU-Infopunkt Europe Direct Guben organisiert.

Euroregion Spree-Neiße-Bober e.V.