Ein vertrauter Ort aus der eigenen Kindheit erhält eine ganz besondere Bedeutung, wenn man ihn Jahre später mit neuen Augen wiederentdeckt. Genau diese Erfahrung darf ich derzeit bereits zum zweiten Mal in der Kindertagesstätte „FLOHKISTE“ machen.
Bereits im vergangenen Jahr war ich als Praktikantin in der Gruppe der „Krümelzwerge“ tätig. In diesem Jahr habe ich die Möglichkeit, den Alltag bei den „Aktivkindern“ mitzuerleben und aktiv mitzugestalten. Während ich das Geschehen früher als selbstverständlich wahrgenommen habe, eröffnet sich mir heute, im Alter von 19 Jahren und im Rahmen meiner Ausbildung, eine völlig neue Perspektive: der Einblick in den Berufsalltag einer Erzieherin – und das in einer Einrichtung, die mich bereits in meiner eigenen Kindheit geprägt hat.
Das Wiedersehen mit vertrauten Gesichtern trägt wesentlich zu dieser besonderen Erfahrung bei. Einige der pädagogischen Fachkräfte, die mich einst begleitet haben, sind noch heute dort tätig. Dies schafft nicht nur eine persönliche Verbindung, sondern vermittelt mir zugleich ein starkes Gefühl von Vertrautheit und Zugehörigkeit.
Täglich erinnere ich mich an meine eigene Kindergartenzeit und nehme zugleich die Veränderungen auf dem Gelände wahr. Vieles hat sich gewandelt – geblieben ist jedoch das Engagement des Personals, das seine Arbeit nach wie vor mit großer Hingabe ausübt.
Gleichzeitig nehme ich den Kita-Alltag heute deutlich bewusster wahr. Durch mein zweites Praktikum wird mir zunehmend klar, wie sehr mir diese Tätigkeit am Herzen liegt. Mein Blick auf den Alltag hat sich grundlegend verändert: Während ich Abläufe früher unreflektiert erlebt habe, erkenne ich heute pädagogische Zusammenhänge und entwickle ein Verständnis für den organisatorischen Aufwand sowie für die Geduld und das Einfühlungsvermögen, die hinter der täglichen Arbeit stehen. Besonders deutlich wird mir dabei, wie wichtig es ist, Kinder individuell zu begleiten, gezielt zu fördern und ihnen Raum für ihre persönliche Entwicklung zu geben.
Ein besonders prägendes Erlebnis war die Osterzeit bei den „Aktivkindern“. Gemeinsam wurden Osternester gebastelt und Kekse gebacken. Neben dem Abmessen der Zutaten, dem Vermengen der Teige und dem anschließenden Verkosten stand vor allem das kreative Gestalten und das gemeinschaftliche Erleben im Mittelpunkt. Die Entdeckung kleiner Fußspuren im Garten – vermeintlich vom „Osterhasen“ – sorgte für große Begeisterung und zeigte eindrucksvoll, wie viel Wirkung in scheinbar kleinen Momenten steckt.
Es bereitet mir große Freude, jeden Tag den Gruppenraum zu betreten und von den Kindern so herzlich empfangen zu werden. Auch im Morgenkreis wird mir die gewachsene Vertrautheit bewusst: Kleine Gesten, wie der Wunsch, neben mir zu sitzen, oder das gemeinsame Entdecken im Garten, zeigen mir bereits nach kurzer Zeit, dass ich ein fester Bestandteil der Gruppe geworden bin.
Da ich bereits jetzt schon auf die Rückkehr in meinen schulischen Ausbildungsalltag blicke, wird mir immer mehr bewusst, wie sehr mir die Arbeit mit den Kindern ans Herz gewachsen ist. Es ist eine Tätigkeit, die erfüllt – auch dann, wenn nicht immer alles nach Plan verläuft.
Im täglichen Miteinander wird mir die Bedeutung meiner Rolle zunehmend klarer. Beim gemeinsamen Spielen und Gestalten entsteht ein vertrauensvolles Verhältnis, das von Nähe geprägt ist und mir zeigt, dass dieser Beruf weit über einfache Tätigkeiten hinausgeht. Er erfordert Geduld, Verantwortungsbewusstsein und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen.
Besonders eindrücklich ist für mich der persönliche Rollenwechsel: Vor 13 Jahren hatte ich in dieser Einrichtung selbst eine feste Bezugsperson – heute bin ich es, die den Kindern als Ansprechpartnerin dient. Sie wenden sich mit Sorgen, Ängsten oder Konflikten an mich, suchen Unterstützung oder einfach jemanden zum Spielen. Diese Aufgabe erfüllt mich mit großer Freude, da ich die Kinder in ihrem Alltag begleiten, ihre Entwicklung unterstützen und ein Stück ihres Weges mitgestalten kann. Gleichzeitig gewinne ich wertvolle Erfahrungen und entwickle wichtige persönliche Kompetenzen wie Geduld, Empathie und Verantwortungsbewusstsein weiter.
Abschließend lässt sich sagen, dass mir dieser Perspektivwechsel eindrucksvoll vor Augen geführt hat, wie bedeutsam die Arbeit in einer Kindertagesstätte ist. Sie erfordert nicht nur fachliche Kompetenz, sondern vor allem Herzblut und Einfühlungsvermögen. Umso dankbarer bin ich, diese wertvollen Erfahrungen in der Kindertagesstätte „FLOHKISTE“ sammeln zu dürfen.