Anbei veröffentlichen wir die Fragen der Sächsischen Zeitung an Bürgermeister Daniel Brade und dessen Antworten zum Nachlesen in diesem Mitteilungsblatt.
Am 9. März will der Kreistag über die Förderschullandschaft im rechtselbischen Bereich entscheiden. Dabei geht es um die Zukunft der Förderschule in Ehrenberg. Bürgermeister Daniel Brade hofft auf eine Sanierung des Gebäudes. Im Ortsteil Ehrenberg hat die Förderschule ihren Sitz – und das soll laut Brade auch so bleiben. Wenn aber der Kreistag für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge demnächst über die Förderschullandschaft abstimmt, wird im Beschluss ein Neubau im Wohngebiet Neustadt West empfohlen. „Sanierung vor Neubau, auch im Sinne der Nachhaltigkeit, wird doch heute großgeschrieben“, wirbt Brade im Interview dagegen für den bisherigen Standort.
Herr Brade, der Beschluss zur künftigen Förderschule im Kreistag am 9. März, empfiehlt einen Neubau im Wohngebiet Neustadt West. Was spricht aus ihrer Sicht für eine Sanierung des Standortes in Ehrenberg?
Der gewachsene Schulstandort in der Mitte von Ehrenberg, mit den großzügigen Außenflächen Schulhof, Spielplatz, Sportplatz und Schulgarten sowie einer 2010 sanierten Turnhalle. Das ruhige Umfeld, das Schüler, Lehrer und Eltern besonders schätzen. Und der Platz reicht für eine einzügige Förderschule aus. Es fehlen Räume für die Ganztages- und Hortbetreuung der Förderschüler, welche mit dem Auszug der Kindertagesstätte ab Mitte 2028 zur Verfügung stehen würden. Laut dem Landratsamt reicht der Platz nicht aus. Es werden aktuell 122 Förderschüler hier unterrichtet. In der Mittelschule bis zum Jahr 2004 wurden hier im Schnitt 275 Schüler am Standort unterrichtet, und da war die Kindertagesstätte seit 1995 auch schon im Gebäude drin. Hinzu kommt, dass die Schülerzahlen bis 2040 um 25 Prozent im ländlichen Raum sinken werden. Wo ist hier das Platzproblem?
Wie ist der aktuelle Zustand des Gebäudes?
Das Gebäude hat Sanierungsbedarf. Die Stadt hat vier Millionen Euro ermittelt. Darin sind die Dacheindeckung, die Entwässerung, die Fassade und die Heizungsanlage enthalten. Der Landkreis mit aktuellem Gutachten hat neun Millionen Euro ermittelt. Hier sind noch der Austausch der Außenfenster mit Sonnenschutz, die Erneuerung der Elektrik, des Wärmedämmverbundsystems, die Trockenlegung des Kellergeschosses und der Anbau eines Treppenhauses mit Aufzug am Ostgiebel zur Herstellung der Barrierefreiheit aufgenommen worden.
Im Bericht des Kreistages hieß es, dass in den vergangenen Jahren keine wesentlichen Investitionen in das Gebäude erfolgt sind. Stimmt das so?
Mit 84.000 Euro Kaltmiete im Jahr können Sie nicht viel ansparen. Neben der jährlich laufenden Unterhaltung waren zudem noch Kredite aus der Sanierung von 1993 abzufinanzieren. Dort wurden 9 Millionen DM in das Objekt gesteckt. Die Grundsanierung der Turnhalle 2010 mit 520.000 Euro, die Brandschutzmaßnahmen 2017 mit 170.000 Euro, der Flutschutz mit Parkplätzen 2021 für 233.000 Euro und die neue Entwässerung in den Dorfbach 2023 für 113.000 Euro waren schon große Maßnahmen. Im vergangenen Jahr erfolgten dann noch die Revision der Elektroanlage und der Einbau einer Brandmeldeanlage für insgesamt 182.000 Euro. Auch diese Kosten wird die Stadt stemmen müssen.
Im Jahr 2023 fanden erste Abstimmungen zwischen der Stadt und dem Landkreis statt. Weshalb wurde nicht da bereits das Objekt dem Landkreis zum Kauf angeboten?
Zum damaligen Zeitpunkt war der Geburtenknick noch nicht so dramatisch absehbar. Ein Auszug der Kita stand für die Stadt nicht zur Debatte. Ein Kauf kam für den Landkreis nicht infrage. Eher die Variante der Sanierung durch die Stadt und die Anhebung der Kaltmiete mit einem neuen langfristigen Mietvertrag. Aber ohne Fördermittel sind die Sanierungen nicht zu stemmen. Die Stadt erhält als privater Vermieter keine Fördermittel und der Landkreis als Schulträger ohne Eigentum am Objekt wiederum keine Fördermittel. Insofern drehten wir uns im Kreis. Umso erfreulicher ist es heute, dass Schulträgerschaft und Eigentum in eine Hand kommen sollen, um dann auch die Fördermöglichkeiten zu nutzen.
Wie hoch ist der Verkaufspreis der Stadt?
Wir haben dem Landkreis das 13.412 Quadratmeter große Grundstück mit Schule, Turnhalle und sämtlichen Außenbereichen für 900.000 Euro angeboten. Hierbei verzichten wir auf 2 Millionen Euro, die das Schulgebäude noch an Restbuchwert hat. Zudem ist die Stadt bereit, für die durch den Landkreis eingebaute Brandmeldeanlage 2025 einen Abschlag von 150.000 Euro zu gewähren. Damit verbleiben 750.000 Euro Kaufpreis. Und weil die Kassen im Landkreis auch leer sind, haben wir das Ganze auch als Erbbaupacht für einen jährlichen Zins von 30.000 Euro über einen noch zu verhandelnden Zeitraum angeboten.
Wie schätzen Sie die Chancen auf eine Sanierung ein?
Sanierung vor Neubau, auch im Sinne der Nachhaltigkeit, wird doch heute großgeschrieben. Das Gebäude hat keine schlechte Grundsubstanz, und das Gutachten des Landkreises attestiert eine Sanierbarkeit, auch in sinnvollen Bauabschnitten, um den Unterricht zu gewährleisten. Zudem ist es wirtschaftlicher und günstiger als ein Neubau. Viele sehen die großzügigen Außenflächen und den Platz ringsum nicht. Die Förderschüler können die Turnhalle komplett allein nutzen. Die sozialen Strukturen würden zerstört. Eine Stadt braucht die Förderschule nicht, für das Dorf Ehrenberg wäre es das kulturelle Zentrum, das plattgemacht würde. Das sollten die Kreisräte berücksichtigen. Für die Kinder und Schüler, für den ländlichen Raum.
Was passiert mit dem Gebäude, wenn die Schule auszieht?
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es wird ein Leerstandsobjekt, das dann auf einen kostenintensiven Abriss warten muss.