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Mitteilungsblatt der Stadt Hohnstein
Ausgabe 4/2026
Amtliche Bekanntmachungen Rathaus
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"Zwölf Porträts – Häftlinge des KZ Hohnstein 1933–1934"

Mit einer neuen Ausstellung auf der Burg Hohnstein erinnern Mitglieder der erst im März 2025 gegründeten Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein an zwölf Menschen, die im KZ Hohnstein inhaftiert waren. Viele davon sind ihre eigenen Angehörigen.

Ort: seit 14. März 2026 im Pavillon auf dem oberen Burghof

geöffnet täglich von 8 bis 20 Uhr, Besichtigung kostenlos

Die Ausstellung wurde im Rahmen der Gedenkveranstaltung "1. Hohnsteiner Dialog" am 14. März 2026 eröffnet. Mit dem 1. Hohnsteiner Dialog erinnerte die Lagerarbeitsgemeinschaft KZ Hohnstein am Denkmal vor der Burg Hohnstein an die Errichtung des Frühen KZ auf der Burg und damit an die gewaltsame Errichtung einer Diktatur, die zwölf Jahre andauern konnte:

Mitte März 1933, unmittelbar nach der Reichstagswahl, die der bereits eingesetzten Regierung Adolf Hitlers die parlamentarische Mehrheit verschaffen sollte und bereits von der Zerschlagung und Unterdrückung der gegnerischen Parteien begleitet wurde, berichtete die lokale Presse, dass die Jugendburg Hohnstein durch die Sturmabteilung der NSDAP (SA) besetzt und ein Konzentrationslager eingerichtet wurde. Die Regierung ging also augenblicklich daran, die Demokratie und den Rechtsstaat abzuschaffen und eine Diktatur zu installieren. Die Verhaftungen fanden ohne Ermittlungen, Anklagen und Urteile statt. SA-Leute verhafteten Menschen von der Straße weg. Es brauchte dafür keine Polizei, keine Justiz. Die Gefangenen waren ab diesem Zeitpunkt der Willkür der SA und der Hilfspolizei ausgeliefert, die in den Frühen KZ die Wachmannschaften stellten. Sie wussten nicht, was ihnen geschehen würde und wie lange sie in Haft sein würden. Bereits Ende März befanden sich einige hundert Gefangene in der Burg Hohnstein. Bis zum Ende des offiziellen Bestehens im August 1934 sollen über 5.000 Menschen dorthin gebracht worden sein. Sie wurden zur Arbeit gezwungen, viele von ihnen gefoltert, einige ermordet oder in den Tod getrieben.

 

 

Im Zentrum der Erinnerung am 14. März standen jene Menschen, die im KZ Hohnstein ermordet wurden, ihren Verletzungen erlagen, sich das Leben nahmen oder an den Haftfolgen gestorben sind, sowie jene, die die dort verübten ersten nationalsozialistischen Verbrechen überlebten. Nach Grußworten des Hohnsteiner Bürgermeisters Daniel Brade sprach Gabriele Hahn über ihren Großvater Konrad Hahnewald, den ersten Burgwart der Jugendburg Hohnstein, und seine Erinnerungen an die Besetzung der Burg durch die SA am 8. März 1933. Theres Schimansky erinnerte an die Struppenerin Frieda Hering und ihr schweres und schmerzensreiches Leben seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten - als Mutter, als Ehefrau und Witwe sowie als Gegenerin der Nationalsozialisten. Ihr Mann Martin wurde im KZ Hohnstein von SA-Wachleuten ermordet.

 

 

Im Anschluss an das Gedenken eröffnete Katharina Wüstefeld gemeinsam mit den Nachkommen ehemaliger Häftlinge die Ausstellung "Zwölf Porträts – Häftlinge des KZ Hohnstein 1933–1934" im Pavillon auf dem oberen Burghof. Musikalisch begleitet wurde der Hohnsteiner Dialog durch die Elbsandsteiner Blasmusikanten. Mehr als 60 Teilnehmende waren zur Gedenkveranstaltung mit Ausstellungseröffnung gekommen.

Die Ausstellung ist ab jetzt täglich geöffnet und bis zum Ende des Jahres kostenlos im Pavillon der Burg zu besichtigen. Im nächsten Jahr wird der 2. Hohnsteiner Dialog am 20. März stattfinden.

Katharina Wüstefeld und Steffen Richter
LAG KZ Hohnstein
www.lag-kz-hohnstein.de