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Der Holzhausener | Informationsblatt
Ausgabe 1/2022
Kulturgeschehen
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Herzlich willkommen, liebe „Neu-Holzhausener“

Heute schreibe ich mal rein privat als alter Eingeborener, der Jahreswechsel hat mich dazu animiert.

Holzhausen ist eine gefragte Wohngegend, es gibt viele Zuzüge und nicht wenige neue Häuser. Ein Grundstück zu ergattern ist nicht einfach, auch Mietwohnungen sind gefragt. Deshalb ist es an der Zeit, die neu zugezogenen Holzhausener auf diesem Wege einmal freundlich zu begrüßen. Auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft in der August-Bebel-Siedlung gibt es nicht wenige „Neue“, über die ich mich sehr freue. Man grüßt sich inzwischen freundlich, hilft sich und es gibt auch den einen oder anderen Plausch bei Spaziergängen. Zu einem gemeinsamen Bier reicht es allerdings leider nur selten.

Holzhausen ist vielfältig, aber auch speziell. Allein aufgrund der großen Fläche ist es nicht so einfach sich hier zurecht zu finden. Mit knapp 13 Quadratkilometern ist Holzhausen einer der flächenmäßig größten Leipziger Stadtteile[1], Zuckelhausen gehört seit langem dazu. Zuckelhausen wurde laut Ortschronik[2] bereits im 6. oder 7. Jahrhundert als sorbisches Rundangerdorf gegründet. Die kleine romanische Kirche stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist ein wunderbares Kleinod des Ortes, der Teich gleich daneben sehenswert. Holzhausen kam im 12. Jahrhundert als Straßenangerdorf hinzu, existierte vermutlich auch schon eher und wurde erstmals 1289 durch den Bischof von Merseburg urkundlich als "Holzhusen" erwähnt. Holzhausen hat somit sorbische und germanische Wurzeln mit einer langen Geschichte und ist vermutlich älter als Leipzig.

Es gibt mehrere Dutzend Vereine, in denen man mitarbeiten und seine Freizeit verbringen kann. Rund 200 kleine und mittelgroße Unternehmen sowie Freiberufler gewähren interessante Arbeitsmöglichkeiten. Kindergarten, Hort und Schule bieten für den Nachwuchs einiges, auch stationäre und ambulante Pflegeangebote für ältere oder kranke Seniorinnen und Senioren gibt es. Man ist außerdem in nur 11 Minuten mit dem Zug am Hauptbahnhof, es gibt mehrere Busverbindungen und „Flexa“ hat die Anbindung an die Stadt deutlich verbessert.

Das letzte großartige Volksfest, interessante Ausstellungen, Buchlesungen, Vorträge, Konzerte, Seniorenweihnachtsfeiern, der kürzliche Auftritt der Leipziger Pfeffermühle und viele andere Veranstaltungen zeigen überzeugend, dass hier ziemlich viel los ist und auch mit Freude angenommen wird. Natürlich könnte der Zusammenhalt noch etwas besser sein, doch es muss ja auch Steigerungsmöglichkeiten geben.

Man könnte noch vieles aufzählen, doch das können andere besser als ich. Sicher gibt es auch Kritikpunkte wie den Zustand der Arthur-Polenz-Straße, nicht hinreichende Radwege oder auch die unsäglichen Graffiti-Schmierereien, aber um diese Dinge geht es mir heute nicht. Es lebt sich gut hier, auch wenn die Eingemeindung nach Leipzig nicht nur Vorteile mit sich gebracht hat.

Vielleicht sollte mal ein Begrüßungs-Leitfaden erstellt und an die „Neuen“ verteilt werden. Ortschaftsrat und Heimatverein könnten gemeinsam einmal im Jahr zu einer Begrüßungszeremonie einladen und über die reichhaltige Holzhausener Geschichte und Gegenwart berichten, wenn dies die bekannten Umstände wieder zulassen. Persönliches Kennenlernen und Vernetzung sind besonders wichtig in der heutigen Zeit mit immer mehr zunehmender digitaler Kommunikation. Das gilt für die Erwachsenen ebenso wie für die Jugendlichen und Kinder. Liebe „Neue“, schaut Euch um und bringt Euch ein, wir freuen uns auf Euch!

Ach ja. Unter den Neuen ist auch ein prominenter Leipziger, der gemeinsam mit seiner Frau vor kurzem innerhalb Leipzigs nach Holzhausen umgezogen ist. Beide wurden von einem unserer Vereine vor einiger Zeit rein privat als Neubürger persönlich und sehr freundlich zu einer Veranstaltung eingeladen, um ihnen das Ankommen und die Vernetzung zu erleichtern. Die Einladung wurde ganz altmodisch auf Briefpapier mit Unterschrift geschrieben und in den Briefkasten gesteckt.

Eine Reaktion erfolgte jedoch nicht. Auch ein zweites, wieder sehr freundlich und wertschätzend formuliertes persönliches Schreiben wurde nicht beantwortet. Dann kam nach längerer Zeit schließlich per Email eine freundlich formulierte Absage vom Bürochef unseres Promis mit einem allgemeinen Hinweis auf berufliche Verpflichtungen. Die Einladung war aber rein privat ergangen…

Die Absage wurde von den Einladenden wieder freundlich mit Verständnis für die Belastungen und einer erneuten Einladung zu einer anderen Veranstaltung (an einem Sonntagabend) beantwortet. Auch darauf erfolgte vom Bürochef wieder eine freundliche Absage mit der gleichen lapidaren Begründung.

Als diese erneute Absage von den Einladenden schließlich mit dem Hinweis beantwortet wurde, man werde nun keine Einladungen mehr aussprechen, weil vermutlich kein besonderes Interesse an einer Vernetzung am neuen Wohnort bestehe, erfolgte dann erstmalig eine persönliche und sehr erboste Antwort-Email unseres Promis, die dem Vorsitzenden des Vereins und Absender der Einladungen Anmaßung wegen des unterstellten Desinteresses an einer Vernetzung unterstellte. Die Email war mit dem beruflichen Titel unterschrieben und ausschließlich mit dienstlichen Argumenten versehen, obwohl man sich gar nicht an den Würdenträger gewandt hatte, sondern rein privat an seine Frau und ihn. Zwei erläuternde persönliche Antwort-E-Mails, die auf die Enttäuschung der Einladenden hinwiesen und noch einmal die Hand ausstreckten, wurden erneut nicht beantwortet.

Man könnte sich nun seinen Teil denken. Aber die Einladenden sind nicht nachtragend, wenn auch etwas traurig. Vielleicht hat ja die besinnliche Weihnachtszeit zu einem Nachdenken bei unserem Promi geführt und es gibt doch noch ein versöhnliches Ende des gut gemeinten Kontakt- und Kommunikationsversuchs. Man könnte z. B. mal kurz telefonieren oder über den Gartenzaun plauschen. Ich bin jedenfalls gespannt ...

Ich wünsche allen Holzhausenern, den „Alten“ wie den „Neuen“ alles Gute im neuen Jahr, uns allen ein baldiges Ende der Corona-Einschränkungen sowie bald wieder viele interessante Veranstaltungen und ein gedeihliches Miteinander in unserem schönen Holzhausen.

Dr. Gerd Schneider


[1] Quelle: https://www.leipzig.de/mein-stadtteil/stadtbezirk-suedost/holzhausen

[2] http://www.holzhausen-sachsen.de/orts-chronik/index.htm