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Der Holzhausener - Informationsblatt
Ausgabe 9/2026
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Heilende Pflanzen vor unserer Haustür

Eine Pflanze, die fast das ganze Jahr unseren Speiseplan bereichern kann, ist der Weiße Gänsefuß (Chenopodium album). In Mitteleuropa ist diese Pflanze eigentlich ein landwirtschaftliches Unkraut. In anderen Regionen hat aber der Weiße Gänsefuß Bedeutung als Gemüse, Pseudogetreide oder Futterpflanze. Bekannt ist die Pflanze auch unter den Namen Dreckmelde, Mistmelde, Saumelde oder Schussmehl. Eng verwandt ist sie mit dem Guten Heinrich und der Melde, die alle zur Familie der Gänsefußgewächse aber zu unterschiedlichen Gattungen gehören, auch Spinaat und Quinoa zählen dazu.

Der Weiße Gänsefuß ist eine einjährige krautige Pflanze, die 10- 150 cm, ja sogar bis 300 cm hoch werden kann. Bis zu 100 cm tief kann sie in den Boden wurzeln. Sie hat einen aufrechten Stängel, der gelblich grün gestreift ist. Im Herbst ist er rötlich überlaufen oder trägt rote Flecken in den Blattachseln. Der Blütenstand wirkt wie mehlig bestäubt durch feine Blatthaare. Die Laubblätter stehen wechselständig. Der Blattrand ist meist unregelmäßig bogig gezähnt, schwach gesägt oder ganzrandig. Die oberen Blätter sind lanzettlich, meist ganzrandig. Die Blütenstände sind endständige verzweigte ährenartige Rispen. Die zwittrigen Blüten sitzen in Knäueln von 3- 4 mm Durchmesser zusammen. Die Blütezeit liegt zwischen Juli - Oktober. Es erfolgt Windbestäubung der vorweiblichen Blüten. Große Pflanzen produzieren bis zu 1,5 Millionen Samen. Diese sind sehr langlebig und sollen bis zu 1700 Jahren erhalten bleiben. Die Samen haben reichlich Nährgewebe und sind Warmkeimer.

Der Weiße Gänsefuß ist Nahrungsgrundlage für Raupen vieler Schmetterlingsarten. So z.B. der Gemüseeule, dem Dickkopffalter, dem Bärenspinner, der Federmotte und dem Eulenfalter. An den Blättern fressen auch die Ameisen und die Larven der Blattwespen. Den Pflanzensaft saugen u.a. die Schwarze Bohnenlaus und Wanzen.

Zu finden ist die Pflanze fast überall, auf Schuttplätzen, in Unkrautfluren, an Wegen, auf Äckern, in Gärten, an Ufern, auf nährstoffreichen Böden.

Der Weiße Gänsefuß ist eine vital stoffreiche Wildpflanze mit vielen Vitaminen und Mineralien, ein gesundes Grün, das kostenlos und regional überall wächst.

Als Nahrungspflanze wurde sie im Himalaja schon seit 7000 Jahren genutzt. Die Blätter können wie Spinat zubereitet werden, ebenso zu Gemüsefüllungen oder gedämpftem Gemüse.Auch liefern die zarten Blätter und Triebspitzen einen festen, nussigen aber dennoch saftigen Salat. Die frischen Blütenknospen und Blüten können wie Nüsse über Salate gestreut oder in Frischkäse gemischt werden. Die nicht allzu großen Samen enthalten viel Protein (16,3 g/ 100 g). Diese können getrocknet und vermahlen werden. Dieses Mehl kann mit Getreidemehl zum Brot backen oder Andicken von Eintöpfen und Grütze verwendet werden. Die Samen können aber auch im Winter als Vitaminquelle für frisches Grün dienen. Der Nutzung sind keine Grenzen gesetzt.

In verschiedenen Regionen ist der Weiße Gänsefuß Futterpflanze für Schweine und Schafe, die Samen sind Vogelfutter.

Leider wird der Weiße Gänsefuß als Heilpflanze selten verwendet. Doch seine Heilwirkungen sind nennenswert. So werden die Blätter gegen Wurmerkrankungen empfohlen. Auch wirken sie entzündungshemmend, antirheumatisch und abführend. So helfen sie bei Insektenstichen, bei Sonnenstich und geschwollenen Füßen. Abkochungen sollen bei kariösen Zähnen positiv wirken. Früher wurde es als Allerweltsheilmittel empfohlen, das auch die Abwehrkräfte der Tiere stärkte.

An Inhaltsstoffen sind zu nennen, Saponine, Campesterol, Phenylalanin, Betain, Oleanolsäure, Oxalsäure, viel Kalium (995 mg/ 100 g), Magnesium (230 mg/ 100 g), Kalzium (240 mg/ 100 g), Eisen ((3,9 mg/ 100g), Provitamin A und Vitamin C.

Vorsichtig sollten Personen mit Nierenproblemen sein, da der Weiße Gänsefuß Oxalsäure enthält.

Ansonsten gilt es, die Pflanze zu probieren. Guten Appetit!

Einladung zu den Veranstaltungen im September:

Samstag, 5.9.2026 15.00-17.00 Uhr Farbspiele mit Dr. Konrad Lindner, Wissenschaftsjournalist und passionierter Maler und Heike Schüürmann, Diplombiologin (Herstellung von Pflanzenfarben) Im ersten Teil berichtet Konrad Lindner über die Farb- und Pflanzenpassion des österreichischen Logikers und Philosophen Ludwig Wittgenstein (gest. 1951 in Cambridge). Im Mittelpunkt der späten Farbnotizen Wittgensteins stand das Modell des Farbenokteanders, das vorgestellt wird. Im zweiten Teil entdecken Sie mit Heike Schüürmann spannende Pflanzenformen und leuchtende Pflanzenfarben. Unter fachkundiger Anleitung entstehen eigene kleine Kunstwerke mit dem Pinsel auf Malkarton. Teilnahmegebühr 35 Euro inkl. Vortrag, Material und Anleitung.

Sonntag, 6.9.2026 15.00 Uhr Musik und Kaffee, mit selbstgebackenem Kuchen und Kaffee versorgt Sie der Freundeskreis BGO

Samstag, 12.9.2026 10.00- 12.00 Uhr Wilder Samstag: Nachtkerze- Heilpflanze 2026 Dieser Pflanze wollen wir unsere Aufmerksamkeit schenken, indem wir sie genauer kennenlernen, Informatives über ihre Inhatsstoffe und Wirkungen und dabei altes und neues Heilpflanzenwissen erfahren werden. Mit der Zubereitung von Speisen oder Heilzubereitungen (z.B. Salben, Tinkturen, Kraftbuschen, Räucherwerk) wird der Wilde Samstag zu einem Fest der Sinne. Teilnahmegebühr für Vortrag, Workshop mit Zubereitung und Verkostung: 20 Euro mit Heike Schüürmann, Diplombiologin und Silke Petersen, Kräuterfachfrau

Sonntag, 13.9.2026 16.00 Uhr Sommertheater mit Illustris Dachtheater, Anmeldung: info@kuhstall-ev.de oder 034297-14010

Kontaktdaten: Freundeskreis Botanischer Garten Oberholz, Störmthaler Weg 2, 04463 Großpösna, Tel. 034297- 41249, Mail: botanischer-garten-oberholz@gmx.de

Hannelore Pohl.