Die Jubilarin beim „Anstoßen“ mit ihren Kindern Sylvina und Holger.
Am 19. Mai 1926 wurde im oberschlesischen Kreis Oppeln ein Mädchen mit dem Namen Elfriede Schenk geboren - 100 Jahre später begeht sie als älteste Einwohnerin Ackendorfs (und zweitälteste der Gemeinde Hohe Börde) ihr besonderes Jubiläum.
Nach ihrer Jugend in Oberschlesien wurde Elfriede Timm 1944 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen, danach sechs Wochen in Kalbe (Milde) zur Flakhelferin ausgebildet und schließlich bei den Flakscheinwerferstellungen in Ackendorf (in etwa am Standort des heutigen Windrades Richtung Hundisburg) eingesetzt.
Im Januar 1945 wurde ihr Urlaub gewährt, für den sie kurz in ihre oberschlesische Heimat zurückkehrte. In diese Zeit fiel die Besetzung des Gebietes durch die Rote Armee. Da Elfriede zu ihrer Stellung in Ackendorf zurückzukehren hatte und aus Angst, in den Kriegswirren ihre Mutter und ihre Geschwister aus den Augen zu verlieren, nahm sie diese mit nach Ackendorf. Sechs Tage und Nächte brauchte der Zug – unterbrochen von Luftangriffen. Die Hoffnung von Elfriede, dass der Ackendorfer Bürgermeister ihre Familie irgendwie unterbringen würde, bestätigte sich: Ein Zimmer für alle musste erstmal genügen. Nach dem Krieg verbesserte sich die Situation. Die Familie bewohnte fortan zwei Zimmer und eine Bodenkammer im Haus des Wiegemeisters der späteren Saatgutwirtschaft gegenüber dem Bahnhof.
1947 bewarb sich Elfriede für ein Studium zur Berufsschullehrerin in Magdeburg. Ihr Traum scheiterte daran, dass ihr ein Stipendium verwehrt wurde, weil der entstehende Arbeiter- und Bauernstaat Kinder von Beamten (ihr Vater war Lehrer) nicht fördern wollte. Das hat sie ihrem Vater, der in diesem Jahr aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, längere Zeit verschwiegen – damit dieser sich nicht die Schuld an ihrer Situation gab. Anschließend arbeitete sie drei Jahre als sogenannte Trennerin in einer Magdeburger Schneiderei.
Bei einem Dorfvergnügen lernte Elfriede den jungen Rudi Timm kennen. Rudi stammte aus einer Bauernfamilie aus Pommern, war ausgebildeter Landwirt und wie sie ein „Flüchtling“. Rudi und Elfriede heirateten 1952 und zogen im gleichen Jahr in ihr Haus ein, in dem die Jubilarin heute noch wohnt. 1953 wurde Tochter Sylvina und 1957 Sohn Holger geboren. Elfriede und Rudi Timm bewirtschafteten als Neubauern zunächst sechs Hektar Acker, besaßen eine Sau, ein Schlachtschwein und eine Kuh. Über die Jahre steigerte sich der Viehbestand, zu dem später auch Schafe und ein Pferd zählten. Ihre Landwirtschaft wurde dann wie fünf andere in Ackendorf in eine LPG Typ II überführt, deren Vorsitzender Rudi wurde.
Ab dem Jahr 1966 arbeitete Elfriede für 14 Jahre als Sachbearbeiterin bei der damaligen Gemeinde Ackendorf. Danach widmete sie sich wieder der Hauswirtschaft und dem eigenen Vieh. Ihr steter Begleiter blieb die Handarbeit: Schneidern, Nähen und Sticken für die ganze Familie.
Nach 53 Ehejahren verstarb Rudi im Jahr 2005. Aus der Ehe gingen neben zwei Kindern bis heute vier Enkel und sechs Urenkel hervor, die Elfriede Timms ganzer Stolz sind.
Auf die Frage, was ihr heute außerdem Freude macht, gab es eine klare Aussage: Sie liest eigentlich sehr gerne und hatte sich nach dem Tod ihres Mannes eine kleine Bibliothek aufgebaut. Seit ihre Augen nachgelassen haben, genießt sie es, Hörbücher anzuhören – mit einem Kopfhörer, sagt sie schmunzelnd – der schlechten Ohren wegen.