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Amts- und Mitteilungsblatt der Gemeinde Hohe Börde
Ausgabe 8/2026
Informatives aus der Gemeinde
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Gestern noch Alltag, heute schon ein Stück Geschichte

Diese Bild, dass die Chronisten in „Omas Küche“ in der Meitzendorfer Heimatstube zeigt, rief zahlreiche Erinnerungen an frühere Zeiten hervor.

Zur Auswertung des Besuches in der Meitzendorfer Heimatstube trafen sich die Chronisten in Dahlenwarsleben unter Schatten spendenden Bäume bei Jürgen Dürrmann im Garten. Das Thema war passend: „Leben im 19. und 20. Jahrhundert in der Börde“.

Animiert durch ihr Gruppenbild, das zuvor in „Omas Küche“ entstanden war, stellten sich den Chronisten Fragen zur Haltbarkeit und Aufbewahrung der Lebensmittel. Natürlich kamen sie auch um das Thema Schlachten nicht herum. Jeder konnte aus seinen Erinnerungen erzählen, da Hausschlachtungen vereinzelt noch bis heute durchgeführt werden. Die Einführung von Technik hat im Laufe der Zeit Arbeitsabläufe geändert und erleichtert.

Was aber war mit der Lagerung, als man noch nichts in Gläser einkochte beziehungsweise Fleisch einfrieren konnte? Da wurde das Fleisch eingesalzen und in großen Steintöpfen im Keller gelagert. Die Wurst wurde geräuchert und hing in der Räucherkammer, die sich oft unterm Dach befand. Manche lagerten diese auch in Holzschränken. Die Schranktüren wurden mit Fliegengitter bespannt, um Luft hineinzulassen und Fliegen fernzuhalten.

Die Beilagen wie Möhren wurden in Mieten gelagert, Gurken – wie heute noch – in Steintöpfe eingelegt, auch das Gemüse bekam ein Essig-Bad. Sauerkraut wurde selbstgemacht ebenso wie Butter. Die Frauen waren sehr tatkräftig, sie mussten auch im Garten sowie auf dem Feld arbeiten und sich um die Kinder kümmern.

Auch wenn die Menschen nicht so einen vollen Kleiderschrank wie heute hatten, musste trotzdem gewaschen werden. Handarbeit mit Waschbrett im Waschfass war nötig und das Wasser musste in Eimern herangetragen werden. Später kamen Wringmaschinen und Trockenrollen (Trockenmangeln) dazu.

Zum Brotbacken konnten ebenso viele Erinnerungen zusammengetragen werden. Nachdem die ursprünglichen kleinen Feuerstellen in jedem Haushalt aus Brandschutzgründen verboten worden waren, entstanden um 1900 in den Dörfern die Backhäuser – mal am Dorfrand, mal in der Dorfmitte. Nach Terminvergabe wurden sie rund um die Uhr genutzt.

Aus Sauerteig stellten die Frauen ihr Brot her ebenso Brötchen und Kuchen auf Blechen. Diese wurden auf Brettern und Schubkarren zum Backhaus gebracht. Später übernahm der Bäcker diese Aufgabe. Die Bleche mit Kuchen wurden zu Hause vorbereitet und zum Abbacken in die Bäckerei gebracht. Ende der 1950er-Jahre verschwanden diese öffentlichen Backhäuser. In einigen Dörfern gibt es noch Backhäuser oder Backöfen, die an diese geschichtlichen Abläufe erinnern. Sie werden zu touristischen Zwecken oder Dorffesten zumeist von Vereinen betreut.

Viele unterschiedliche Erinnerungen an diese Zeit haben die Chronisten – im Durchschnitt 70 Jahre alt – an diesem Nachmittag zusammengetragen und im Protokoll festgehalten. Den Chronisten ist es ein Anliegen, die eigenen Erinnerungen zu archivieren – denn auch ihre Erinnerungen sind bereits ein Stück Geschichte.

Marlies Böttcher