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Kirchberger Nachrichten
Ausgabe 4/2026
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Backtradition in Saupersdorf: Die Bäckerei Leistner zwischen Handwerk, Familie und Durchhaltewillen

Zum Jubiläum überbrachte Kircbergs Bürgermeisterin Dorothee Obst Blumen, eine Urkunde und die Glückwünsche der Stadt. Seit 20 Jahren betreiben Cindy und Rico Leistner die Bäckerei in Saupersdorf.

 

  

Seit nunmehr 20 Jahren steht Rico Leistner in der Backstube im ehemaligen Konsum in Saupersdorf an der Auerbacher Straße 130 und führt damit eine Familientradition fort, die weit über ein halbes Jahrhundert zurückreicht. Seine Eltern, Bäckermeister Werner Leistner und Konditorin Lisa Leistner, hatten die Bäckerei bereits 1972 gegründet und zunächst über Jahrzehnte hinweg schräg gegenüber der Saupersdorfer Feuerwehr betrieben.

Dass ihr Sohn Rico eines Tages in ihre Fußstapfen treten würde, war zunächst nicht abzusehen. Er erlernte den Beruf des Maurers und arbeitete einige Jahre in diesem Bereich. Doch als seine Eltern den Plan fassten, sich zu vergrößern, eine zweite Filiale in Kirchberg an der Lengenfelder Straße zu eröffnen und die Bäckerei in den ehemaligen Konsum zu verlegen – nicht zuletzt, weil die bisherigen Räume zu klein und nur gemietet waren –, kam Bewegung in die Zukunftsplanung. Im Zuge der umfangreichen Umbauarbeiten entschied sich Rico Leistner schließlich doch für das Bäckerhandwerk und absolvierte von 1997 bis 1999 eine Umschulung.

2001 erfolgte der Umzug in die neuen Räumlichkeiten in Saupersdorf, zwei Jahre später legte Rico Leistner erfolgreich seine Meisterprüfung ab. 2005 stieg auch seine Frau Cindy, die ursprünglich als Ergotherapeutin gearbeitet hatte, mit in den Betrieb ein. Neben dem neuen Hauptstandort in Saupersdorf und der zweiten Filiale in Kirchberg, gab es noch ein Verkaufsauto, mit dem Kunden in der Umgebung täglich versorgt wurden. „Es war richtig viel zu tun, aber es war auch eine gute Zeit“, erinnert sich der 49-Jährige heute.

Schwere Jahre folgten: 2006 verstarb Vater Werner nach kurzer, schwerer Krankheit, ein Jahr später auch Mutter Lisa. Rico Leistner übernahm die volle Verantwortung für den Betrieb. Gemeinsam mit seiner Frau und einem engagierten Team hielten sie die Bäckerei am Laufen – doch die Belastung war hoch. Fachkräftemangel und steigende Anforderungen machten sich zunehmend bemerkbar. 2017 wurde schließlich die Filiale in Kirchberg geschlossen.

Besonders herausfordernd wurde es in den vergangenen Jahren. Die Corona-Pandemie, drastisch steigende Energiekosten und das enorme Arbeitspensum brachten den zweifachen Familienvater an die Grenzen. „Ich war an einem Punkt, alles hinzuschmeißen“, sagt er rückblickend. Doch die Reaktion der Kundschaft war eindeutig: Viele Stammkunden wollten die Schließung nicht akzeptieren, fragten immer wieder nach und sprachen den Leistners Mut zu.

Diese Unterstützung zeigte Wirkung. Die Familie entschied sich, weiterzumachen – allerdings mit einem neuen Konzept. Zunächst öffnete die Bäckerei nur noch von Donnerstag bis Samstag, auch um mehr Freiraum für die Familie zu schaffen. Inzwischen ist auch der Mittwoch wieder ein fester Öffnungstag, nicht zuletzt auf Wunsch der Mitarbeiter.

Der Arbeitsalltag bleibt dennoch fordernd. Vier Tage die Woche beginnt Rico Leistners Arbeit um Mitternacht. Unterstützung erhält er frühmorgens von seinen Mitarbeiterinnen, bis gegen 8.00 Uhr die Backstube auf Hochtouren läuft. Danach gönnt er sich eine Ruhepause und ein wenig Schlaf, bevor am Nachmittag bereits die Vorbereitungen für die nächste Nacht beginnen. Gegen halb sieben am Abend geht es für den Bäckermeister dann ins Bett - bis kurz vor Mitternacht wieder der Wecker klingelt. „Das ist ein Schlaf in Phasen, aber alles eine Frage der Gewohnheit“, sagt er mit einem Lächeln.

Auch Cindy Leistner ist fest in den Arbeitsablauf eingebunden: Je nach Wochentag beginnt ihr Arbeitstag zwischen 3.00 Uhr und halb fünf morgens. Die 48-Jährige erledigt kleinere Einkäufe, bereitet Bestellungen vor, kümmert sich um das Schneiden des Kuchens und steht im Verkaufsraum.

Trotz aller Herausforderungen bleibt die Leidenschaft für das Handwerk spürbar. Die Bäckerei bietet eine große Auswahl an Brot, Brötchen, Kuchen und süßen Teilchen. Dabei setzen die Leistners bewusst nicht auf jeden Trend, sondern auf Qualität und Erfahrung. „Wir wissen, was wir können“, sagt Rico Leistner. Dennoch werden auch neue Ideen ausprobiert – etwa ein erweitertes Angebot an weizenfreien Produkten.

Auf die Frage nach seinem Lieblingsbackwerk muss er nicht lange überlegen: „Ganz klar mein Mischbrot.“ Seine Frau Cindy hingegen schwört auf die Buchweizensemmeln. Auch ein neues Buchweizenbrot wurde bereits getestet – und vielleicht findet auch dieses bald seinen festen Platz im Sortiment.

So steht die Bäckerei Leistner auch nach 20 Jahren im ehemaligen Konsum für echtes Handwerk, familiären Zusammenhalt und die enge Verbundenheit mit ihrer Kundschaft – ein Stück gelebte Tradition in Saupersdorf.

 

Katrin Uhlig, 

Öffentlichkeitsarbeit