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Kemberger Stadt-Land-Bote Amtsblatt der Stadt Kemberg
Ausgabe 4/2026
Aus den Ortschaften
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Wenn Geschichte lebendig wird: Kultur-Gut-Woche in Radis

Ausstellung „Über den Ort hinaus“

Buchlesung Antje Penk „Der Holzpantoffel“ Fotos: A. Möbius

Sahne gewinnen mit alter Milchzentrifuge Foto: J. Sommer

Auch wenn Radis nicht zu den 100 meistbesuchten Orten Sachsen-Anhalts zählt, hat das kleine „Gallesche“ Dorf in der Dübener Heide kulturell einiges zu bieten. Davon konnten sich die Besucher der inzwischen 9. Kultur-Gut-Woche des Heimatvereins Radis überzeugen lassen.

Die Namen Johann Gottfried Galle und Wilhelm Traugott Krug sind hierzulande bereits geläufig, aber Radis kann noch mit weiteren bekannten Persönlichkeiten aufwarten: z.B. die Keramikkünstlerin Gertraud Möhwald, deren Arbeiten bis nach Italien und Kanada bekannt wurden, der Philologe und Pädagoge Gottfried Fähse sowie der Theologe und Autor Baltasar Geyder. Über diese und weitere Namen berichtete die Ortschronistin Isabella Weber anschaulich während ihres Vortrages im Dorfgemeinschaftshaus.

Einen literarischen Höhepunkt bot die Autorin Antje Penk mit ihrer Lesung aus dem Buch „Der Holzpantoffel“. Der Kriminalfall aus der Dübener Heide ließ den Dorfalltag vor rund 90 Jahren lebendig werden. Auch wenn die Handlung in Schköna angesiedelt ist, hätten sich viele der lebendig geschilderten Szenen ebenso gut in Radis zutragen können.

Ein vergnüglicher Abend mit Geschichten von früher ging viel zu schnell zu Ende. Die Akteure verstanden es, in feinstem „Radisisch“ (bzw. auch „Groß-Kembergerisch“) zahlreiche Anekdoten zu erzählen und das Publikum spürbar zu begeistern.

Rührig und geschäftig wurde es in der „Alten Molkerei“. Bei dem Workshop konnten die Teilnehmer eine originale Milchzentrifuge selbst bedienen. Aus der gewonnenen Sahne entstand anschließend – mit Muskelkraft und historischem Gerät – frische Butter. Zudem wurde an diesem Abend einfacher Fetakäse hergestellt, der später nach eigenem Geschmack weiter verfeinert werden konnte.

Zum Abschluss der Kultur-Gut-Woche öffnete das Radiser Vereinshaus „Nr. 16“ seine Türen. Die Ausstellung „Über den Ort hinaus“, die Heimatstube sowie die Töpferwerkstatt stießen auf reges Interesse. Aus der Backofenküche zogen verlockende Düfte von frisch gebackenem Brot und Kuchen durch das Haus – beides konnte gleich vor Ort probiert werden.

Die 9. Kultur-Gut-Woche zeigte eindrucksvoll, wie viel Geschichte und lebendige Tradition in Radis zu Hause sind.

Ohne das Engagement zahlreicher Mitwirkender und freiwilliger Helferinnen und Helfer wäre die Kultur-Gut-Woche in dieser Form nicht denkbar gewesen.

Allen Akteuren vor und hinter den Kulissen gilt ein herzliches Dankeschön.

Text: Antje Möbius