Federnschleiße bei Benads
Zampern in Commerau 1958 ...
… und Maskenball zum Weiberfasching
Zampern 2026 in Commerau
1995 Eierwachsen in Commerau
2026 in Commerau im Jugendclub
Liebe Leserinnen und Leser,
heute geht es, wie versprochen, mit dem Thema „Kultur in Königswartha" weiter. Wir sind uns ziemlich sicher, dass damit die eine oder andere Erinnerung geweckt wird.
Bräuche und Traditionen im Jahreslauf
Bräuche gab es in allen Regionen. Bei uns waren es sorbische Bräuche, die teilweise noch heute gepflegt werden. Commerau ist mein Heimatort und deshalb beziehen sich meine Erinnerungen hauptsächlich auf Commerau.
Am 25. Januar wurde Vogelhochzeit – Ptači kwas – gefeiert. Sie symbolisierte den Frühling und die Fruchtbarkeit. Als Kinder haben wir am Vorabend einen Teller ans Fenster gestellt und früh war er mit einer „Sroka" (Elster aus Teig) und Süßigkeiten gefüllt. Unsere Bäcker backen heute noch das typische Gebäck, z.B. die beliebten Cremenester und Teigvögel. In den Wintermonaten gab es in den Dörfern Spinnstuben. Dort trafen sich die jungen Mädchen und Frauen zum gemeinsamen Spinnen von Schafwolle oder Flachs.
In der Commerauer Chronik wird eine Spinnstube erwähnt. Um 1830 gab es hier 2 Spinnstuben. Die jüngeren Mädchen gingen zu Bauer Syckor, die älteren – Hausmädchen und Großmägde – zu Bauer Michauk.
Spinnstuben gab es wohl in jüngerer Zeit nicht mehr, aber ich kann mich noch gut an die Federnschleiße erinnern. In unserer großen Stube wurde der große Tisch ausgezogen und ringsum saßen die Frauen aus dem Dorf. Wir Kinder haben auch mitgemacht. Das war eine gute Gelegenheit sich auszutauschen — sozusagen ein Dorftratsch. Nach der Arbeit wurde reichlich aufgetischt, die Bauern hatten ja im Winter ein Schwein geschlachtet.
Und dann kam der Fasching. Wir Kinder in Commerau haben uns verkleidet
und sind von Haus zu Haus gegangen und haben gesungen „Ich bin der kleine König". Dafür haben wir Süßigkeiten und manchmal auch paar Münzen bekommen. Für die Commerauer Dorfjugend war es in jedem Jahr ein Höhepunkt. Verkleidet und mit Musik zogen sie meist schon vor Faschingsdienstag durch das Dorf. Abends wurde dann gefeiert und die gesammelten Eier, Getränke und andere Leckereien verbraucht.
Unsere Commerauer Jugend veranstaltet auch jetzt noch das jährliche Zampern und wir freuen uns sehr, dass sie unsere Traditionen weiterführt und damit das Dorfleben sehr bereichert. Das Wort Zampern leitet sich vom sorbischen „camprowanje" (Heischen, Einfordern) ab.
Nach dem Fasching kommt Ostern. Zu Ostern haben die Kinder bei ihren Paten die traditionelle Ostersemmel - ein aus Semmelteig geflochtener Mohnzopf - und bunte Ostereier abgeholt. Traditionell wurden die Eier zusammen mit Zwiebelschalen gekocht und hatten dadurch eine schöne braune Farbe.
Später wurde bei uns das Ostereierverzieren mit der Wachstechnik durch die Domowina-Ortsgruppe und die DFD-Frauen organisiert.
In dem Versammlungsraum bei Elles trafen sich die Kinder und Frauen zum gemeinsamen Verzieren.
Die Domowina-Ortsgruppe hat in diesem Jahr die Tradition wieder aufleben lassen und zu einem Vortrag mit anschließendem Verzieren der Eier eingeladen. „Nach den roten Eiern gehen" ("Po čerwjene jejka hić”) – Das sorbische Osterei zwischen Brauch, Sprache und Symbolik – war das Thema. Frau Schindler, vom Sorbischen Institut in Bautzen, war die Vortragende, die auch die Technik erklärte und beim Verzieren unterstützt hat.
Das Hexenbrennen ist in der Nacht zum 1. Mai (Walpurgisnacht) in der Lausitz ein tief verwurzelter Brauch um den Winter zu vertreiben und böse Geister abzuwehren. Deshalb wurden auch zum 1. Mai vor dem Tor junge Birken aufgestellt und an den Ställen Birkenzweige befestigt. So konnten die bösen Geister keinen Schaden anrichten.
Der Aberglaube war noch bei den Menschen verbreitet. Ich weiß noch, dass es in Commerau eine Frau gab, die die Bauern nicht in ihre Ställe gelassen haben, weil es hieß, dass sie Tiere verhexen kann.
Das Maibaumwerfen war auch eine alte Tradition in den Dörfern unserer Region. Zuvor musste aber der Maibaum vor dem 1. Mai aufgestellt sein, damit das Maibaumwerfen dann ein schönes Dorffest wurde, mit abendlichem Maientanz. Der Maibaum durfte nicht vor dem Maibaumwerfen abgesägt werden, wie das gern die Jungen aus den Nachbardörfern gemacht haben, deshalb wurde er bewacht. Sonst durfte nämlich 7 Jahre keiner mehr aufgestellt werden. Mit dem Hexenbrennen war es ebenso; der Haufen durfte nicht vorzeitig abgebrannt sein, sonst hätte das Dorf auch 7 Jahre kein Hexenbrennen.
– Fortsetzung folgt –
Foto: A. Hager und Commerauer Chronik / Text: A. Hager - im März 2026
500 km auf Grenzsteinsuche mit Hans-Joachim Gawor …
… konnten am 26. März 2026, vom zahlreich erschienenen Publikum (72 Interessierte), ganz ohne Anstrengung in rund 2 Stunden absolviert werden.
Dabei war nur zu erahnen, wieviel Arbeit Hans-Joachim Gawor über viele Jahre hinweg für dieses (sein) Projekt geleistet und dafür auch investiert hat. Sein Ziel, die Grenzsteine der sächs.-preuss. Grenze von 1815 aufzufinden, sie gegebenenfalls auch aufzurichten und nicht zuletzt zu dokumentieren, hat er mit einem enormen persönlichen Engagement erreicht. Seine Detailtreue dabei ist absolut bewundernswert. Wer bei seinem Vortrag dabei war, weiß wovon ich schreibe.
Vielen Dank dir, lieber Hans-Joachim, für diesen interessanten Abend und herzlichen Dank dem Publikum für die zahlreichen Spenden, die in unsere künftige ehrenamtliche Arbeit einfließen werden. - A. R.
| Unsere Ausstellungen | |
| - | Heimatstube + Ausstellung „Königswartha vor 100 Jahren" (Ortsbuch von 1924) |
| - | Kaolinwerk Caminau – Zeitabschnitte in der Geschichte bis 1989 |
| - | Sächsisch-preußische Grenzsteine um 1815 – 34 Fototafeln – digitalisiert – |
| - | Königswartha um 1900 (mit zahlreichen Fotos und Dokumenten) |
| - | Historische Kinoplakate im Vereinshaus, Gutsstraße 4 c, öffnen wir, auch nach vorheriger Anfrage, (Mindestanzahl 5 Personen) sehr gerne für Sie. |
| Telefon 035931 20812 oder per E-Mail: geschichtsverein-rak@online.de |
| - | Fotos von Königswartha um 1950 befinden sich im Foyer des Hotels Heidehof, Hermsdorfer Straße. |
Auf unserer Webseite www.geschichtsverein-rak.de/geschichte-und-geschichten.html sind viele weitere interessante Geschichten über unsere Gemeinde zu lesen. Informationen zu unserer Vereinstätigkeit und Aktuelles finden Sie auf unserer Facebook-Seite Königswarthaer Geschichtsverein RAK e.V.
Herzliche Grüße und beste Wünsche für friedvolle, angenehme Frühlingstage