Liebe Leserinnen und Leser,
die Geschichte unseres heutigen Gewerbegebietes haben wir in diesem Monat zum Thema gemacht. Alenka Hager hat wieder recherchiert und alles, was ihr wichtig erschien, aufgeschrieben.
Doch zuvor noch eine Berichtigung zum Artikel „Der Erntemonat August“ und eine Ergänzung.
Berichtigung von Alenka Hager:
August (nicht Wilhelm) Schudack betrieb den Lohndrusch als Gewerbe und brachte seine Dreschmaschine von Hof zu Hof.
Ergänzung von Magda Gawor:
Kaffee und Tee wurden in diesen Gefäßen (siehe Foto von August) in größere Körbe mit Heu gepackt, damit sie warm blieben. Beim Schweineschlachten im Winter wurde mit den Fleischern vereinbart Fleisch abzugeben um es zur Erntezeit in Streichwurst zu tauschen. Quirlfett wurde eingeweckt und Schinken geräuchert. Der wurde dann durch den Fleischwolf geleiert, damit alles sparsam aufs Brot kam und schmeckte. Es war schön, wenn alle Personen dann am Feldrain saßen und froh waren. Und wenn ein Keilriemen an den Traktoren riss oder die Bindeplanen rissen, ging es im Eiltempo zu Sattler Schmidt nach Königswartha. Der Hof war die vergrößerte Werkstatt. Da wurden die Riemen mit neuen Krampen versehen. Die Bindeplanen bekamen neue Holzstäbe usw.
Für die Hänger wurden große Abdeckplanen genäht. So ging die Ernte zügig weiter. Das kann sich heute kaum noch einer vorstellen wie es war, darum schreiben wir es auf.
Fotoapparate für Bilder gab es keine mehr, die waren nach der Gier des Krieges und des Geldes knapp. In unserer Heimatstube ist darüber auch einiges zu sehen und zu erfahren. – Ende –
Bewegte Vergangenheit unseres Gewerbegebietes
Munitionskisten, die von der Wehrmacht benutzt wurden
Die Heeresmunitionsanstalt Königswartha (als Muna bezeichnet) war eine militärische Einrichtung zur Produktion von Artilleriemunition während des Zweiten Weltkriegs. Sie wurde von 1938 bis 1940 im Eutricher Wald auf ca. 118 ha mit eigenem Anschlussgleis an die Bahnstrecke Bautzen-Hoyerswerda gebaut und die Landstraße nach Eutrich musste verlegt werden.
Am 18. April 1945, vor dem Einmarsch der Roten Armee, sprengten deutsche Truppen Teile der Anlagen um zu verhindern, dass die produzierte Munition von den vorrückenden Truppen der Roten Armee verwendet werden konnte. Die heftigen Detonationen waren in benachbarten Dörfern zu hören.
Die Kriegshandlungen verursachten auch in den umliegenden Dörfern enorme Schäden. Besonders betroffen war Caßlau bei Neschwitz. Caßlau geriet direkt in die brutalen Kampfhandlungen der Schlacht um Bautzen und die Auswirkungen der Muna-Sprengung hatten zur Folge, dass etwa drei Viertel des Dorfes schwer beschädigt oder vernichtet war.
Vor der Sprengung, am 17. und 18. April 1945, wurden die umliegenden Dörfer evakuiert, am 19. April flüchtete die Königswarthaer Bevölkerung. Die gewaltigen Detonationen waren weit hörbar. Die ganze Situation war für die Menschen grausam und traumatisch.
Das Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik und die umliegenden Flächen waren mit scharfer Munition und Sprengstoff übersät und es war lebensgefährlich, dort Baustoffe auszugraben, Ziegel zu putzen usw. und führte auch zu schweren Unfällen. Die sowjetische Kreiskommandantur versuchte, das Gelände abzuriegeln.
Nach der teilweisen Sprengung der Munitionsanstalt (Muna) ab April 1945 erließ die Sowjetische Militäradministration (SMAD) drakonische Strafen um das Gelände zu sichern. Jedem, der das Areal unbefugt betrat, um Munition, Waffen, Altmetalle wie Kupfer oder anderes militärisches Material zu plündern, drohten die Todesstrafe oder extreme Haftstrafen – in der Regel 25 Jahre Arbeitslager.
Im Jahre 1947 wurden die verbliebenen Gebäude weitestgehend beseitigt. Im gleichen Jahr, nach der Sprengung der noch bestehenden Anlagen, war die Materialgewinnung möglich und wurde reichlich genutzt. Trümmerteile und andere brauchbare Baustoffe durften von der Bevölkerung für die Instandsetzung oder den Neuaufbau der zerstörten Häuser und Gehöfte verwendet werden. Es wurde alles verwertet, was irgendwie möglich war, es fehlte an vielem, denn es war auch sehr viel in den Orten zerstört.
Diese Munitionskisten sind aus dem Bestand der Muna und waren vielfältig zu benutzen, z.B. als Futterkisten. Sie waren innen mit Blech ausgestattet und gingen luftdicht zu verschließen. Außer diesen beiden Kisten gab es noch andere mit gleichen Eigenschaften, sie waren auch für die Landwirtschaft gut zu gebrauchen.
Die Sorbische Jugend (Serbska młodźina) gründete eine Initiative zur Hilfe beim Wiederaufbau von Caßlau, das ja sehr stark zerstört war, und den Neubau des Hauses der Sorben, weil das Wendische Haus in Bautzen abgebrannt war.
Die Aktion Caßlau (Akcija Koslow) startete im Sommer 1946. Die stark zerstörten Nachbardörfer Naußlitz und Piskowitz wurden mit unterstützt. An der Aktion beteiligten sich sorbische Jugendliche aus der ganzen Oberlausitz, auch sorbische Jugendliche aus unserer Gemeinde waren beteiligt, freiwillig und unentgeltlich.
Das benötigte Material wurde auch aus Trümmern der Muna geborgen, denn Baumaterial war so kurz nach dem Krieg kaum zu bekommen. Ich weiß aus den Erzählungen meiner Eltern, dass sie zusammen mit der Jugendbrigade aus Commerau sehr aktiv bei der Beschaffung von Material aus der Muna für den Bau des Sorbenhauses in Bautzen beteiligt waren. Als Anerkennung bekam die Commerauer Jugendbrigade eine Urkunde von der Leitung der Arbeitsbrigaden beim Aufbau des Hauses der Sorben.
Übersetzung des Wortlautes der Urkunde:
SORBISCHE JUGEND
Leitung der Arbeitsbrigaden am Sorbischen Haus
48 / VII XXXV
Die Leitung der Arbeitsbrigaden am Sorbischen Haus gibt bekannt:
Die Brigade Commerau hat in 336 Stunden 52 Töpferrohre für das Sorbische Haus in einer Größe von 20 m und einer Breite von 15 cm verlegt. Weiterhin 23 Rohre einer kleineren Kategorie. Dabei wurden 325 m³ Erde ausgehoben und wieder zugeschüttet. Ferner musste die Brigade 52 m Steinweg aufreißen und wieder reparieren. Die Arbeit wurde durch Regen und hohen Wasserstand behindert und erschwert. Die Brigade Commerau hat mit dieser Arbeit ein Ergebnis erzielt, das den Ergebnissen der besten Brigaden am Sorbischen Haus gleicht.
Aus diesen Gründen ernennen wir die Brigade Commerau mit dem heutigen Tag zum dreifachen Arbeitssieger. (trójce dźěłosławna)
In Bautzen, den 5.VII.1948
Zur Arbeit Gruß! (Do dźěła zdar!)
[Unterschriften]
Leitung der Arbeitsbrigaden
am Sorbischen Haus
______________________________________________________________
Zur Erinnerung an die Aktion der sorbischen Jugend wurde in Caßlau ein Denkmal „Die Rückkehr nach Caßlau“ errichtet. Die Arbeit zur Materialgewinnung an den Trümmern war äußerst gefährlich, auch die Bearbeitung der umliegenden Felder und Wälder, denn durch die Explosionen war das Gelände mit Munition übersät. Viele können sich sicher noch daran erinnern, dass der Eutricher Wald gesperrt war und wir in der Schule aufgeklärt wurden, wie wir uns zu verhalten haben, wenn wir Gegenstände finden, die Munition sein könnten.
1956 begann ein neues Kapitel der Geschichte der Muna, der Aufbau einer Munitionsfabrik durch den VEB Bau Bautzen mit dem Produktionsbeginn von Handfeuerwaffen im Oktober 1956. Wir alle Älteren wussten, dass Munition hergestellt wurde, aber als Tarnname hieß der Betrieb VEB Mechanische Werkstätten Königswartha (MWK), die „Mecha“. (Wir Kinder nannten sie auch Nudelfabrik, wegen der Knallerei bei Munitions-Testungen. Es hieß, dass Löcher in die Makkaronis geschossen werden).
Im Jahr 1990 wurde der Rüstungsbetrieb VEB Mechanische Werkstätten Königswartha abgewickelt. – Ende -
Alenka Hager, im August 2026
***
Tag der Oberlausitz – Rückblick
Der angekündigte Regen trat zwar ein, konnte unsere geplante Veranstaltung am 22. August jedoch nicht gänzlich einbremsen. Dank der Überdachung der Firma Krahl führten wir das Treffen mit neun Personen (plus Hund) wie geplant, auch ohne den ursprünglich vorgesehenen Rundgang, durch.
Anhand zahlreicher Bilder konnten die ehemals im VEB MWK hergestellten Produkte und Abläufe eingehend erläutert und Fragen beantwortet werden.
Ein herzlicher Dank gilt Peter Klemmer und Fred Naujoks für die Vorbereitung und die fachkundigen Ausführungen.
| Unsere Ausstellungen | |
| - | Heimatstube + Ausstellung „Königswartha vor 100 Jahren“ (Ortsbuch von 1924) |
| - | Kaolinwerk Caminau – Zeitabschnitte in der Geschichte bis 1989 |
| - | Sächsisch-preußische Grenzsteine um 1815 – 34 Fototafeln – digitalisiert – |
| - | Königswartha um 1900 (mit zahlreichen Fotos und Dokumenten) |
| - | Historische Kinoplakate |
| im Vereinshaus, Gutsstraße 4 c, öffnen wir, auch nach vorheriger Anfrage |
| (Mindestanzahl 5 Personen) sehr gerne für Sie. |
| Telefon 035931-20812 oder per E-Mail: geschichtsverein-rak@online.de |
| - | Fotos von Königswartha um 1950 befinden sich im Foyer des Hotels Heidehof, Hermsdorfer Straße. |
Auf unserer Webseite www.geschichtsverein-rak.de/geschichte-und-geschichten.html sind viele weitere interessante Geschichten über unsere Gemeinde zu lesen. Informationen zu unserer Vereinstätigkeit und Aktuelles finden Sie auf unserer Facebook-Seite Königswarthaer Geschichtsverein RAK e.V.
Herzliche Grüße und beste Wünsche für einen friedvollen Herbstbeginn