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Amtsblatt der Stadt Köthen (Anhalt) – Bürgerzeitung mit amtlichen Bekanntmachungen
Ausgabe 4/2026
Aus den Fraktionen
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Die Fraktion IG „Bürger ~ Werte ~ Politik in Köthen (Anhalt)“ informiert

 

Lieber Köthener Bürger,

wer in diesen Tagen durch die Fasanerie spaziert, bekommt leider mehr geboten als Vogelgezwitscher, Frühlingsluft und Blütenduft – nämlich ein ziemlich unschönes Gesamtbild. Was einst die Grüne Lunge der Stadt war, droht zunehmend zur Müllhalde zu verkommen. Im letzten Jahr wurde den Teilnehmern der traditionellen Winterwanderung untersagt, Müll einzusammeln, um die Untätigkeit des Dienstleisters nachzuweisen. In diesem Jahr durfte zwar gesammelt werden, doch der Winter hatte die Hinterlassenschaften der „Zivilisation" gnädig unter Schnee verborgen. Jetzt zeigt sich das ganze Ausmaß: überfüllte Mülleimer, verstreuter Abfall und ein Zustand, der schlichtweg beschämend ist.

Doch damit nicht genug. Wer weitergeht, stößt auf frisch errichtete, grüne Metallzäune, die sich stellenweise bedrohlich nah an die Wege drängen. Spaziergänge fühlen sich plötzlich an wie hinter Gitter. Was hier jedoch wirklich irritiert, ist die weitere massive Ausdehnung des Tierparks in die geschützten Fasanerieflächen.

Wir wissen, das leidenschaftliche Engagement des Tierparks zu schätzen. Doch etwas mehr liegt uns der Erhalt der Fasanerie in der Gesamtheit am Herzen. Die Art und Weise, wie hier vorgegangen wurde, erinnert an eine eigenmächtige Erweiterung zuvor, als quasi über Nacht, statt eine eingestürzte denkmalgeschützte Mauer wiederherzustellen, kurzerhand ein neues Gehege errichtet wurde, und wirft Kritik relevante Fragen auf. Der Denkmalschutz? Offenbar dehnbar – und wohl nun wieder ausgeschaltet. Ein privater Bauherr hätte sich auf eine deutlich strengere Behandlung einstellen dürfen.

Im Vorfeld sprach der Geschäftsführer des Tierparks von einer „Zaunsanierung". Eine bemerkenswerte Wortwahl, wenn man bedenkt, dass neue Flächen in Besitz genommen wurden. Unweigerlich kommen Gedanken an frühere raubritterliche Landnahmen auf. Von einer bloßen – in Teilen gebotenen – Sanierung kann kaum die Rede sein. Besonders fragwürdig wirken die angebrachten, bereits in Fetzen hängenden Bambusmatten – optisch auch kein Gewinn, um es freundlich zu formulieren.

Mit der zügigen Fertigstellung wurden nun Tatsachen geschaffen, ohne Einbindung des Stadtrats. Wir hätten diesem Vorgehen keinesfalls zugestimmt. Nun bleibt nur die nachträgliche Aufarbeitung – zunächst mit einem umfassenden Fragenkatalog an die Verwaltung: Wer hat mit welcher Begründung die Genehmigungen erteilt? Wie wirkt sich die Flächenerweiterung auf die in erheblicher Höhe notwendigen jährlichen Zuschüsse durch die Stadt aus? Nach betriebswirtschaftlicher Logik müsste mit der Erweiterung eine Reduzierung einhergehen. Anderenfalls wird der Tierpark über kurz oder lang zum weiteren, eigentlichen Sanierungsfall.

Ein weiteres Thema mit dringender Aufmerksamkeit ist das unsererseits eingereichte Konzept für eine saubere öffentliche Toilette. Der Vorschlag wird weiter beraten. Denn eines ist klar: Bei misslichen Zuständen stets wegschauen, hilft auch hier niemandem (in seiner Not).

Einen schönen Frühling wünschen

Jennifer Zerrenner & Fraktionskollegen
IG „Bürger ~ Werte ~ Politik in Köthen (Anhalt)"

E-Mail: IG.BWK@gmx.de

Tel.: 03496/2059506