Friedrich Berger hatte sich richtig ins Zeug gelegt zum Gnadenhochzeitstag mit seiner Helga. Früh morgens um 7 Uhr machte sich der 93-Jährige mit seinem Rollator auf den Weg zum nächsten Blumenladen, um seiner Frau ein ganz besonderes Geschenk zu besorgen: Sieben Rosen für sieben Jahrzehnte Zweisamkeit in der Lieblingsfarbe der Gattin – Gelb.
Der gelernte KFZ-Mechaniker nennt seine Frau neckisch „Chefin“, während Helga ihren Friedrich – mit dem sie sich nach eigenen Angaben blind versteht – mit „Vati“ anspricht. Früher war Friedrich Berger der Chef: Ausbilder und KFZ-Meister zuerst für Dacia und Wartburg, dann für Opel in Baasdorfer Straße. Heute sei er im Haushalt der „Hilfsarbeiter“, sagt er. Schraubendreher hat er gegen Frühstücksbrettchen getauscht – und bereut das keine Sekunde. „Man fährt am besten, wenn man das macht, was die Frau sagt“, ist sein augenzwinkernder Rat an alle Jungvermählten.
Die 90-Jährige „Chefin“ weiß heute noch genau, wie ihr Zukünftiger sie vor rund 72 Jahren beim Tanzen ansprach. „Ich war ein schüchternes kleines Mädchen“, so die gebürtige Königsbergerin. Gefunkt habe es trotzdem sofort. Und so startete die Lebensreise des Paars, die die passionierten Urlauber unter anderem bis ans Schwarze Meer führte. Dass sich Friedrich Berger in seinem Alter nicht mehr unbedingt an jede Reise erinnern kann, nimmt das Paar derweil mit Humor. „Wir schauen fern und ich sage ihm, dass wir da auch mal waren. Dann schaut er mich lachend an und sagt: Wo du schon alles warst“, scherzt Helga.
Seit 19 Jahren lebt das Paar in der Ferdinand-Schulz-Straße und ist voll des Lobes – vor allem über die Gesellschaft. Einige Nachbarn würden den Hausältesten schon zur Hilfe eilen, wenn die Heckklappe des mittlerweile selten genutzten Autos (natürlich ein Opel) aufgeht. Dann werden Einkaufstüten raufgetragen und Getränkekisten im Keller verstaut. Ganz selbstverständlich, denn man kennt und schätzt sich.