Zahlreiche Gäste waren bei der Eröffnung der Ausstellung dabei.
Wie unterschiedlich Menschen glauben, beten und ihre Welt verstehen, zeigt die Ausstellung „Weltethos – Weltreligionen“, die am 9. September 2026 in der Martinskirche Köthen eröffnet wurde. Gleichzeitig stellt sie eine Frage, die gerade in unserer heutigen Zeit wichtig ist: Was verbindet uns trotz aller Unterschiede?
Die Idee für die Ausstellung geht auf Dr. Peter Erdmenger zurück. Er wollte mit Materialien aus eigenen Reisen die Vielfalt der Religionen sichtbar machen. Daraus entwickelte sich ein Vorbereitungskreis, dem neben Dr. Erdmenger auch Kurt-Jürgen Zander, Uta Seewald-Heeg, Kerstin Beutler, Jana Gienapp und Pfarrer Hans-Christian Beutel angehören. Gemeinsam entstand die Idee, nicht bei der Darstellung verschiedener Religionen stehenzubleiben, sondern den Blick auf die Werte zu richten, die sie miteinander verbinden. Unterstützung fand die Gruppe bei der Stiftung Weltethos in Stuttgart. Sie stellte Materialien für die Ausstellung zur Verfügung und vermittelte den Referenten Walter Lange, der zur Eröffnung in Köthen zu Gast war.
Im Mittelpunkt steht dabei ein Gedanke des Theologen Hans Küng: „Es wird keinen Weltfrieden geben, ohne den Frieden zwischen den Religionen.“ Die Ausstellung zeigt, wie groß die gemeinsame Schnittmenge ethischer Werte ist. Respekt, Menschlichkeit, Verantwortung und ein friedliches Miteinander spielen in unterschiedlichen religiösen Traditionen eine wichtige Rolle. Dabei richtet sich der Blick ausdrücklich auch auf Menschen, die sich selbst nicht religiös verstehen. Auch humanistische und philosophische Wertvorstellungen finden deshalb ihren Platz.
Auf der Empore der Martinskirche ist seit Juni ein besonderer Lern- und Erlebnisraum entstanden. Zu entdecken sind unter anderem Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Daoismus und Naturreligionen. Auch die Bahai-Religion und der Sikhismus werden vorgestellt. Dabei geht es nicht darum, Unterschiede einzuebnen. Im Gegenteil: Die Ausstellung macht Unterschiede sichtbar und lädt dazu ein, das jeweils Andere besser zu verstehen.
Besonders lebendig wird das durch die vielen interaktiven Elemente. Besucherinnen und Besucher können eine hörbare Koranausgabe erleben, einen Zen-Garten gestalten oder eine Kugelbahn ausprobieren, die sich am Bodenlabyrinth der Kathedrale von Chartres orientiert. Dazu kommen Spiele, Modelle, Plakate und weitere Materialien. Mehrere Gruppen der Freien Schule Anhalt haben die Ausstellung bereits mit eigenen Beiträgen bereichert. So sind unter anderem Modelle von Tempeln, Moscheen und Synagogen, ein selbst entwickeltes Puzzle und Memory-Karten entstanden.
Damit bietet die Ausstellung viele Möglichkeiten, sich dem Thema ganz praktisch zu nähern – durch Anschauen, Zuhören, Anfassen, Spielen und natürlich durch Gespräche. Sie richtet sich insbesondere an Schulklassen ab der Sekundarstufe I, eignet sich aber ebenso für Grundschulgruppen und alle Interessierten. Ergänzend können Filme aus der Reihe „Spurensuche – Weltreligionen auf dem Weg“ angeschaut werden.
Auch nach der Eröffnung geht es weiter: Einen Gesprächsabend gibt es am 29. September um 19 Uhr unter der Überschrift „Glauben im Gespräch: Wie gelingt das Gespräch zwischen Konfessionen und Religionen?“. Weitere Veranstaltungen für Oktober und November sind bereits in Vorbereitung.
Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt der evangelischen und katholischen Gemeinden in Köthen, der Hochschule Anhalt, des Museums Synagoge Gröbzig und der Stadt Köthen. Gefördert wird sie im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“. Schulen aus der Region können die Ausstellung noch bis zum Jahresende besuchen.
„Weltethos – Weltreligionen“ möchte nicht vorschreiben, was Menschen glauben sollen. Die Ausstellung möchte vielmehr neugierig machen, Verständnis fördern und zeigen, dass Verschiedenheit und gemeinsames Handeln kein Widerspruch sind. Vielleicht liegt genau darin ihre besondere Stärke: Sie lädt dazu ein, zunächst hinzuschauen, dann zuzuhören – und schließlich miteinander ins Gespräch zu kommen.
Die Ausstellung kann bis zum Jahresende von Schulen aus der Region besucht werden. Anmeldungen sind über Ausstellung.Weltreligionen@kircheanhalt.de oder unter Telefon 0160 90395421 bei Pfarrer Hans-Christian Beutel möglich.