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Amtsblatt der Stadt Köthen (Anhalt) – Bürgerzeitung mit amtlichen Bekanntmachungen
Ausgabe 9/2026
Nichtamtlicher Teil
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36 Patente, acht Enkel und ein glückliches Leben

Ob Prof. Dr. Fritz Herbert Rödicker zu seinem 95. Geburtstag ein Bier genossen hat, ist nicht überliefert. Verdient hätte er es sich, denn der gebürtige Roßlauer hat vielen Liebhabern des goldenen Gerstensaftes mit seiner Forschung zu schönen Geschmackserlebnissen verholfen. Zu den 36 Patenten, die der Akademiker in seiner Karriere anmeldete, gehört nämlich ein Verfahren, das Bier den Alkohol entzieht. „Vorher hat man einfach erhitzt, um das Ethanol auszutreiben. Das hat aber die Aromastoffe zerstört“, erklärt Rödicker mit der Routine eines langjährigen Hochschullehrers. Sein in den 80ern erfundenes Verfahren habe das mittels Kapillarwänden geschafft. Ganz ohne Hitze, dafür mit einem guten Geschmacksergebnis. Noch heute werde in manchen Brauereien so gearbeitet.

„Bereits mit 23 Jahren hat er seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung gemacht. Damals hatte er das Fachstudium bereits absolviert, unterrichtete an der damaligen Chemiefachschule Köthen und war bereits Vater zweier Kinder“, erinnert sich Tochter Uta Meißner-Tings – die Älteste von drei Geschwistern. Sie ist zum 95. Geburtstag ihres Vaters am 20. August extra aus Baden-Württemberg gekommen. Etwas kürzer ist die Anreise der stellvertretenden Oberbürgermeisterin Claudia Ludwig aus dem benachbarten Rathaus, die Prof. Dr. Rödicker herzlich zu seinem Ehrentag gratuliert. Der Diplom-Chemiker lebt seit gut sieben Jahren in der Seniorenresidenz „Am Schloß“.

Wie sich im gemeinsamen Gespräch schnell herausstellt, ist die Familie des Geburtstagskindes nicht nur reich an Mitgliedern (acht Enkel und sechs Urenkel), sondern vor allem an Akademikerinnen und Akademikern. Rödicker lernte seine zukünftige Frau Ruth beim gemeinsamen Studium an der Köthener Hochschule kennen. Auch sie war Chemikerin und lehrte dort später an seinem Institut. „Während der Arbeitszeit war ich der Chef, zu Hause dann aber sie“, blickt Prof. Dr. Fritz Herbert Rödicker mit einem Augenzwinkern zurück. Auch zwei ihrer drei Kinder verschrieben sich der Chemie. Sie sei das Alien, meint Tochter Ute, denn sie habe ganz und gar nicht naturwissenschaftlich an der Burg in Halle Innenarchitektur studiert.

Sein größtes Glück sei die Familie, betont der 95-Jährige. Insbesondere an die 65 Ehejahre mit seiner verstorbenen Ruth erinnert er sich nur zu gern. „Das war Harmonie auf höchster Ebene.“