Liebe Bürger Köthens,
die Landtagswahl ist vorbei – und Köthen hat wieder einmal gezeigt, wie flexibel man mit Traditionen umgehen kann. Wer wollte, konnte bereits Wochen vorher beim Bummel durch die Innenstadt seine Stimme abgeben. Praktisch, bequem: Der Wahltag als Abschluss einer mehrwöchigen Wahlaktion?
Dabei war die Briefwahl ursprünglich für Menschen gedacht, die am Wahltag tatsächlich verhindert sind. Der Wahltag soll sicherstellen, dass die demokratische Entscheidung unter möglichst gleichen und öffentlich kontrollierbaren Bedingungen zu einem gemeinsamen Zeitpunkt getroffen wird.
Die Frage sei erlaubt: Wünscht sich die Stadt Köthen – und unsere Oberbürgermeisterin – eine Vorabwahl?
Apropos Wahlen: Eine Entscheidung kann man irgendwann nicht mehr vertagen – die Wahl der letzten Ruhestätte. Bei der Änderung der Friedhofssatzung wollten wir ein Kolumbarium als Alternative ermöglichen. In Aken stehen solche Anlagen bereits seit 2016.
Aken ist nicht als Weltmetropole bekannt – aber offenbar reicht es dort für etwas, was in Köthen zum statischen Großprojekt erklärt wird.
Die Verwaltung hatte einiges im Angebot: Wir hätten noch genügend Flächen, es sei zu teuer, die Statik … Man gab sich alle Mühe, das Kolumbarium abzulehnen. Man könnte meinen, wir hätten den Petersdom auf dem Friedhof vorgeschlagen.
Eine Frage bleibt: Wenn es die Kleinstadt Aken seit Jahren schafft – warum soll es Köthen nicht können?
Bei anderen Dingen gehen wir mit Flächen großzügiger um. Grün scheint dabei nicht oben auf der Wunschliste zu stehen.
Nehmen wir die Weintraubenstraße. Einst standen dort Bäume. Heute wirkt die ehemalige Prachtstraße eher nach dem Motto: „Natur? War mal.“ Schmucklos, ohne Bäume und wenig einladend. Wenn Straßen von früher erzählen könnten…
Auch auf den großen Parkplätzen der Discounter wären Bäume sinnvoll: Schatten, bessere Aufenthaltsqualität und ein angenehmeres Mikroklima.
Beim neuen Edeka am Wasserturm stehen vier kleine Bäumchen – allerdings am Rand an der Einfahrt. Auf dem eigentlichen Parkplatz sucht man sie vergeblich.
Vielleicht wachsen sie ja noch hinein.
Auch auf der Lohmannstraße Richtung Brücke scheint man beim Thema Bäume eher auf Zufall gesetzt zu haben. Das Ergebnis: viel Straße, wenig Grün und eine ziemlich kahle Angelegenheit.
Beim Aldi sehen wir immerhin Rabatten. Ansonsten setzt man auf die Eigeninitiative der Natur: ein bisschen Sukzession und ein bisschen Grün – fertig ist das Klimakonzept.
So schaffen wir den Klimawandel nicht. Oder doch, aber in die falsche Richtung.
Wir finden: Eine Stadt sollte gestalten, statt sich mit dem Verwalten des Bestehenden zufriedenzugeben. Bäume sind keine Luxusausstattung. Und wer bei neuen Bauvorhaben Einfluss nehmen kann, sollte ihn auch nutzen.
Am Ende geht es um eine Frage: Wollen wir eine Stadt, die irgendwie funktioniert – oder eine Stadt, die wirklich gestaltet wird?
Einen goldenen Herbst wünschen