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Amtsblatt für die Gemeinde Kolkwitz
Ausgabe 5/2026
Informationen aus dem Rathaus
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Sorbische/Wendische Bräuche im Jahreslauf Teil 2

 

30.04./(01.05.)

Maibaumstellen

Stajenje majskego boma

Die Maibaum-Tradition ist ein alter Brauch in Deutschland und auch in anderen Ländern, bei dem am 30. April oder am 1. Mai ein geschmückter Baumstamm im Dorf oder in der Stadt aufgestellt wird. Die Ursprünge des Brauchtums sind nicht ganz geklärt bzw. sogar umstritten.

Der Maibaum in der Niederlausitz ist ein meist mit umwickelter Girlande und mit mindestens einem Kranz verzierter großer Baumstamm. Beides ist aus immergrünem Gewächs (Tannenzweige usw.) von den Dorfbewohnern in geselliger Runde geflochten worden. Ganz oben ist eine Birke angebracht. Diese und damit der ganze Maibaum symbolisieren den Frühling, Fruchtbarkeit und neues Leben (s. auch „Źiśetko“ - Birke symbolisiert Glück und Fruchtbarkeit für Mensch, Vieh und Acker). Oft sind der Kranz und/oder die Birke mit bunten Bändern und/oder Fahnen geschmückt.

 

 

Früher wurde der Maibaum mit Muskelkraft aufgestellt. Mit Seilen und Stützbalken wurde der fertig verzierte Maibaum aufgerichtet und in einer Grube mit Keilhölzern und Streben befestigt. In der heutigen Zeit werden oft technische Geräte zum sicheren Aufstellen genutzt. Eine stabile Befestigung und Schutz vor dem Zersägen durch die Nachbardorf-Jugend ist auch heute noch angeraten. Denn es ist üblich den Maibaum im Nachbardorf entweder zu zersägen oder umzustürzen. Welch eine Schande für die Bewacher des Maibaumes! Wenn das passierte, durfte das Dorf außerdem sieben Jahre lang keinen Maibaum aufstellen.

In der Niederlausitz steht der Baum oft bis Mitte Juni (Johannestag 24.06.) oder länger. In manchen Orten ist eine Baumversteigerung üblich, in anderen Dörfern wird der Baumstamm für das nächste Jahr eingelagert.

In heutiger Zeit gibt es einen Wettbewerb unter den Dörfern, wer den höchsten oder schönsten Maibaum hat. Auch ob der Maibaum mit Muskelkraft aufgestellt wurde ist ein Kriterium.

Der Maibaum - Brauch ist vermutlich heidnischer Herkunft. So strebte man auch hier mit der Christianisierung eine „Übermalung“ an, indem man lieber (auch) einen Pfingstbaum aufstellte. In einigen Dörfern der Niederlausitz gibt es auch noch das Aufstellen von Pfingstbäumen.

In der Oberlausitz wird der Maibaum vor dem Hexenbrennen aufgestellt.

Mai

Maibaumwerfen (OL)

Mejemjetanje

In der Oberlausitz ist das Maibaumwerfen ein beliebter Brauch (meist) an einem Sonntag Ende Mai. Junge Männer graben den Baum aus, bis der Maibaum umfällt bzw. umgeworfen werden kann. Sobald der Baum fällt, laufen alle Burschen des Dorfes zur Krone und wollen diese erhaschen. Maikönig ist wer entweder den Wipfel zuerst erreicht oder eine Fahne vom Wipfel erhascht. Der Maikönig darf sich seine Maikönigin erwählen. Beim Fest in der Oberlausitz tragen die Mädchen oft Trachten und die Burschen ein weißes Hemd und schwarze Hose. Bei dem Fest werden vor dem „Werfen“ oft Volkstänze und Bändertänze um den Baum getanzt. Das Fest wird mit einem Tanz am Abend gefeiert, bei dem selbstverständlich der Maikönig und die Maikönigin mitfeiern.

Mai - Juni

Christi Himmelfahrt

Stupny (kristusowy) stwórtk

40 Tage nach Ostern wird „Christi Himmelfahrt“ gefeiert. Der hohe kirchliche Feiertag wurde und wird oft unter freiem Himmel gefeiert. Die Heimkehr Jesu Christi zu seinem Vater ist in der christlich-evangelischen Religion ein hoher Feiertag. „Christus geht voraus, wohin wir ihm folgen.“ Die Osterbotschaft erfüllt sich an diesem Tag - die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod wird erfüllt. Die Menschen erhalten so einen Anteil am göttlichen Leben.

Es wurde auch von Prozessionen über Felder (Feldumritte) berichtet, welche mit der Bitte um gutes Wachstum verbunden waren (s. Osterbräuche).

In heutiger Zeit finden vielerorts Gottesdienste unter freiem Himmel statt. Im Anschluss verweilen die Besucher oft noch miteinander um sich bei einem kleinen Picknick zu unterhalten.

Himmelfahrt ist seit Jahrzehnten auch ein beliebter Ausflugstag in Deutschland. Die Männer fahren mit Birkenzweigen verzierten Fahrrädern „Überland“ und feiern den freien Tag. Seit etwa Anfang der 2000er Jahre sind zunehmend Familien und gemischte Gruppen mit Fahrrädern zu sehen.

Mai - Juni

Pfingsten

Swětki

Die Osterzeit endet mit dem Pfingstfest. Beim Fest wird die Sendung des göttlichen Geistes zu den Jüngern und damit seine bleibende Gegenwart in der Kirche gefeiert. Der Geist lebt durch die Menschen weiter. 50 Tage nach Ostern feiern wir also das Geburtstagsfest der Kirche.

Das Fest wird mit aufgestellten Birken an den Türen und am Altar in der Kirche gefeiert.

Früher war es üblich, dass alle Bewohner ihre Tore im Dorf mit Birken=Maien= lebiny schmückten. Auch hier symbolisieren die Birken den Frühling und stehen für Fruchtbarkeit, Glück und Wachstum. Wenn man diese Birken bzw. Zweige nach 9 Tagen auf die Tenne in der Scheune legt, dann fressen die Mäuse nicht das Getreide.

In einigen Dörfern der Niederlausitz werden zum Fest Pfingstbäume aufgestellt. 

24.06.

Johannisreiten

(NL)

Jańske rejtowanje

An einem Sonntag um den 24. Juni findet traditionell das Johannesreiten in Casel - Kózle bei Drebkau - Drjowk statt. Das ist der einzige Ort in der Niederlausitz, die diesen Brauch noch heute mit Herzblut pflegt. Die Caseler haben dazu extra einen Verein gegründet. Die Mädchen tragen an diesem Tag ein besonderes weißes Trachtenkleid, das mit roten und blauen Bändern geschmückt ist.

Die Männer tragen dunkle Hosen, ein weißes Hemd und eine grüne Weste.

(Das Trachtenkleid wurde nach historischen Fotos von der Trachtenschneiderei Jacobick aus Burg im Spreewald angefertigt.)

Am Vortag des Festes werden tausende Kornblumen von jungen Mädchen auf den Feldern gesammelt. Diese werden am Sonntag mühsam zu Ranken geflochten und vor dem Umzug am Johann angebracht. Er ist zum Fest komplett mit Kornblumenranken umwickelt und trägt eine Binsenkrone, die üppig mit Blumen und Seerosen verziert ist. (Diese wurden am frühen Morgen mit freundlicher Erlaubnis und Genehmigung für dieses Fest gepflückt.)

 

 

Zum Brauch:

Der Johann reitet in Begleitung seiner 12 Gefährten auf Pferden und den schönen Trachtenfrauen (voranschreitend in den besonderen und einzigartigen Trachten) zum Festplatz.

Nach einigen Reden und Dankesworten galoppiert der Johann begleitet von den 12 Gefährten, die die 12 Monate symbolisieren, über den Festplatz.

Johannes (Jan, Johann) ist der Wachstumsgeist in Menschengestalt. Noch beschützen ihn die Begleiter. Doch nach und nach werden die Gefährten müde und der Johann galoppiert zum Schluss schliesslich alleine über den Platz. Er muss unbedingt am Davonreiten gehindert werden. Nun ist der Moment gekommen, in dem die Zuschauer und Gäste des Festes den schutzlosen Johann vom Pferd holen können und ihn am Davonreiten hindern müssen. Dafür braucht es etwas Mut. Das galoppierende Reiter-Pferd-Paar zu stoppen ist nicht ganz ungefährlich. Doch Mut wird hier mit den heilkräftigen Blumen und Ranken belohnt. Denn diese können die Gäste dann vom Johann „abreißen“ und mit nach Hause nehmen. Werden die zu Johanni geernteten Kornblumen getrocknet, haben sie besondere Heilwirkung. Noch höhere Heilkräfte wurde der Binsenhaube mit den Blumen und Seerosen zugesprochen. Außerdem versprach es für das ganze Jahr Glück im Haus und eine gute Ernte.

 

 

Nach der traditionellen Jagd nach den Blumen gibt es heutzutage noch ein schönes Rahmenprogramm, dass alle Gäste zum Verweilen einlädt. Am Abend gibt es zum Abschluß einen Tanz mit dem Johann und seinen Gefährten, Freunden, Trachtenmädchen und Gästen.

Der Brauch war früher weit verbreitet. In vielen Dörfern war der Brauch wegen der Kräuter zu Heilzwecken wichtig. (siehe auch Neujährchen).

Die Kornblumen zum Johanni gepflückt, haben eine entzündungshemmende, beruhigende und abschwellende Wirkung. Wenn die Blumen getrocknet werden, können Tee und heilende Tinkturen daraus hergestellt werden. Auch das Ausräuchern der Ställe zum Schutz der Tiere war üblich.

Der Johannistag galt/gilt insgesamt als segensreicher Tag.

Die Sommersonnenwende ist vom 20.-22. Juni und wird in vielen Ländern besonders gefeiert. Zu vermuten ist, dass auch hier ein heidnischer Brauch mit kirchlichem Anlass „übermalt“ wurde.

 

 

Der Johannistag (auch Johanni, Johannestag) ist das Hochfest der Geburt Johannes’ des Täufers am 24. Juni. Er steht in enger Verbindung zur zwischen dem 20. und dem 22. Juni stattfindenden Sommersonnenwende. Johannes ist der Gegenpart zu Jesus. Beide sind in der christlichen Religion DIE wichtigen Figuren. Johannes der Täufer hat am 24. Juni seinen Geburtstag. Jesu Geburt feiern wir am 24. Dezember. Ein halbes Jahr Unterschied bedeutet: beide Termine sind rund um die Sonnenwend-Feiern terminiert.

Weitere interessante Informationen:

Johanniskraut blüht und wird bis jetzt geerntet. Traditionell werden auch Rhabarber und Spargel bis Johanni geerntet. Johannisbeeren sind reif. Johanninüsse, grüne, unreife Walnüsse, die um Sommerbeginn für die Herstellung von Heilgetränken zu ernten sind. Die Johanniskäfer (Glühwürmchen) leuchten dann besonders häufig.

Bauernregeln zum Johannistag:

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„Vor dem Johannistag man Gerst und Hafer nicht loben mag.“

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„Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst Du richten Deine Sensen.“

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„Der Kuckuck kündet teure Zeit, wenn er nach Johanni schreit.“

Astrid Schramm
Niedersorbische Kulturakademie