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Amtsblatt für die Gemeinde Kolkwitz
Ausgabe 7/2026
Informationen aus dem Rathaus
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Löwe mit Passion: Unser Musiklehrer Hans Bohg

Matheunterricht mit Herrn Bohg

Das Terzett

Mädchenband,,Femina"

Am 18. August 2026 wäre er 100 Jahre alt geworden, unser engagierter Kolkwitzer Musiklehrer, über dessen 89-jähriges Leben in der vorigen Amtsblatt-Ausgabe berichtet wurde. Dazu noch eine Korrektur: Der Vorname seiner Frau war Ruth, nicht Elisabeth.

Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Musik- und Mathematiklehrer sowie Stellvertretender Direktor in der Kolkwitzer Schule und zwischenzeitlich auch an der Cottbuser Schule für Kindergärtnerinnen leitete er verschiedene Chöre und baute so bedeutende Ensembles auf, wie das Folklore-Terzett, die Instrumental- und die Singegruppe.

In diesen Gruppen wirkten musikalisch begabte Schüler gemeinsam an der Seite junger Lehrer: Ein kameradschaftliches Miteinander!

 

 

Die Instrumentalgruppe vereinte drei Violinen, Klavier, sechs Akkordeons, einige Gitarren, eine Klarinette, und den großen Kontrabass spielte Steffen Wilsky. Unser Repertoire umfasste Volkslieder aus verschiedenen Ländern sowie andere populäre Melodien. Die Noten der verschiedenen Stimmsätze schrieben wir uns selbst ab in ein kleines A5-Heft. Ich spielte die zweite Akkordeon-Stimme, und dieses schwere Instrument immer zu transportieren, auf dem Fahrrad-Gepäckträger, das war schon ein Problem. Auch das Üben, damit alle Instrumente harmonierten, erforderte viel Zeit; wir hatten wöchentliche Proben. – Umso beglückender, wenn der perfekte Klang uns und das Publikum erfreute, z.B. von: Burschen aus Mystrina ….

 

 

Über das Folklore-Terzett wurde ja bereits ausführlich berichtet, und ein anderes Ensemble mit großer Ausstrahlung war der Singeclub, 1966 gegründet, über den Christina Schulz, geb. Borisch, Folgendes schrieb:

„Die siebziger Jahre waren die Zeit der Singebewegung – als Gegengewicht zur westlichen Beatmusik! In vielen Städten und Dörfern gründeten sich sogenannte Singeclubs und auch in Kolkwitz unter der Leitung von Hans Bohg. Neben meiner Gitarre waren noch weitere 3 Instrumente vertreten; ein Akkordeon – gespielt von Herrn Bohg, ein Kontrabass – gespielt von Herrn Wilsky, der Mathelehrer an unserer Schule war und eine weitere Gitarre – gespielt von Conny Bohg, der Tochter von unserem Leiter. Wir waren ca. 15 Mitglieder, davon 5 Männer. Wir sangen deutsche und sorbische Lieder, auch politische Songs, was wir damals aber nicht als problematisch empfanden. Das Singen in der Gruppe mit fast Gleichaltrigen machte mir und auch meiner Freundin Constanze viel Spaß.

 

 

Wir hatten Auftritte bei vielen Veranstaltungen und Anlässen, z.B. zum Frauentag oder zum Tag der Republik am 7. Oktober, aber auch zu Betriebsfesten, die es zur damaligen Zeit reichlich gab. Oftmals gab es anschließend ein Essen oder Buffet, was uns dann immer besonders freute.

Wir hatten sogar einen Fernsehauftritt für die Sendung „Basar“. Dort sangen wir ein Volksliedermedley zusammen mit dem Terzett Kolkwitz; ich erinnere mich noch an ein Lied „Es zogen auf sonnigen Wegen“- und das Terzett sang zwischendurch „Wir wandern durch die Felder“. Die Fernsehaufnahmen dazu wurden an unterschiedlichen Orten gemacht; am Knappensee und im Branitzer Park und Schloss.

Aber am Schönsten waren unsere gemeinsamen Ferienreisen in den Sommerferien. Das Geld, was wir für unsere Auftritte bekamen, wurde das ganze Jahr über gespart und von Herrn Bohg verwaltet, und so konnten wir dann in den Sommerferien gemeinsam für eine Woche verreisen. Das war für uns Jugendliche immer ein besonderes Erlebnis, da die meisten von uns in den Ferien ja immer zu Hause blieben. Unsere Eltern hatten durch die Landwirtschaft, die nebenbei betrieben wurde und gerade im Sommer sehr arbeitsintensiv war, nie die Zeit, gemeinsam mit uns zu verreisen.

 

 

Einmal waren wir im Zittauer Gebirge, in einer Jugendherberge in Johnsdorf; ein anderes Jahr in Blankenburg im Harz, und die letzte gemeinsame Reise führte uns nach Jessern an den Schwielochsee. Das war eine schöne Zeit, wir sind viel gewandert, haben gesungen, herumgealbert und viel gelacht.“

Arnold Mrosk, der im Singeclub mitwirkte, erinnert sich an ein besonderes Erlebnis während einer Ferienfahrt:

„Wir waren 1968 in Polen, glaub ich, jedenfalls in der Nähe der Grenze, und bei einer Nachtwanderung im Wald sahen wir auf einmal sowjetische Panzer, die in die CSSR rollten, an die 15 Stück! Das war gespenstisch, und wir haben uns versteckt!“

Christina Schulz schreibt weiter über das damalige Engagement von Tochter Cornelia Bohg, die heute noch aktiv ist neben ihrem Orgelspiel, Privatunterricht und der Leitung des Kunersdorfer Chores: Schon fast 20 Jahre, seit 2008, betreut sie nach Aussage von Marina Witt, geb. Berno, die 14 Musikenthusiasten: 6 Soprane, 5 Altstimmen und 3 Männer- und sie suchen immer wieder Verstärkung:

 

 

,,Im Herbst 1972 wurde unter der Leitung von Conny Bohg die Mädchenband „Femina“ gegründet, deren Leadsängerin ich wurde. Ich sang aber nicht nur, sondern spielte auch E-Gitarre dazu. Das war am Anfang eine ganz schöne Umstellung für mich, denn durch die ungewohnten Stahlseiten der E-Gitarre schmerzten die Finger beim Spielen ganz schön. Zur Band gehörten dann zwei Gitarren. davon ein Bass, ein Schlagzeug und das Keyboard spielte Conny, die Bandleaderin.

Sie suchte auch die Titel aus, die wir einstudierten und brachte die Noten für jedes einzelne Instrument auf’s Papier – was damals ziemlich aufwendig war, denn es gab für die Schlager oder anderen auch westlichen Titel keine fertigen Notensätze zu kaufen. Wenn man die Titel spielen wollte, musste man selbst aktiv werden. Da wir keine eigenen Instrumente besaßen und auch keine Anlage mit Mikrofonen, nutzten wir bei den Auftritten im Rahmen des Ensembles Cottbus Land immer die der Kurt Rotter-Combo. Zum Üben spielten wir auf unseren Konzertgitarren, und die Schlagzeugerin verfügte über ein kleines Minischlagzeug, auf dem sie spielte.

 

 

Ich erinnere mich noch an einen meiner letzten Auftritte mit der Band. Das war im Sommer 1973 zu den Weltfestspielen in Berlin-Weißensee. Die Veranstaltung fand auf einer großen Freilichtbühne statt und die Stimmung war toll! Wir kamen mit unserer Formation als Mädchenband richtig gut an bei den Berlinern – denn eine Mädchenband gab es zur damaligen Zeit noch nicht so oft. Im Bezirk Cottbus und im weiteren Umland waren wir jedenfalls die Einzigen.“

Ja, viele Episoden tauchen auf, dankbare Gedanken über Hans Bohgs langes, arbeitsreiches, erfülltes Leben. Und wenn wir unsere Erinnerungen an ihn am 18. des Löwenmonats feiern und es an seiner Grabstätte musikalisch munter und fröhlich zugeht, dann ist es genau das, was er in seinem Leben immer gewollt hat. – Denn, wer kennt diesen wunderbaren Kanon:

„Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht!“

Monika Berger