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Anzeiger für die Stadt Könnern
Ausgabe 8/2026
Nichtamtliche Bekanntmachungen
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Aus dem Vereinsleben des Heimatvereins Beesenlaublingen e. V.

Anwohner des Schäferplatzes und Mitglieder des Heimatvereins Beesenlaublingen stellten die dreiteilige Tafel zur Geschichte von „Beesen“ und dem „Schäferplatz“ auf.

Historischer Blick auf den Schäferplatz, am linken Rand Haus Nr. 125, der größte Baum in der Mitte ist die Bismarck-Eiche, von den vorderen zwei Bäumen steht heute noch einer.

Haus Nr. 106 in der Nähe des Schäferplatzes, in dem früher ein Restaurant betrieben wurde und Fremdenzimmer vorhanden waren. Davor gab es eine „Tankstelle“. Auf dem Dach sind durchziehende Störche zu sehen. Wer kann sich an die durchziehenden Störche erinnern? Hinweise dazu nimmt Klaus-Dieter Herbst entgegen (klaus-dieter-herbst@t-online.de).

Die vierte Tafel zur Geschichte von Beesenlaublingen stellte der Heimatverein des Dorfes am 11. Juli 2026 auf dem Schäferplatz auf. Klaus-Dieter Herbst baute die dreiteilige Tafel zusammen, die eine Magdeburger Firma nach den Textvorlagen von Herbst hergestellt hatte. Beim Aufstellen der Tafel durch drei Mitglieder des Heimatvereins halfen auch einige Anwohner des Schäferplatzes mit. Dafür sei allen gedankt. Nachdem die Tafel aufgestellt war, waren die Anwohner und Mitglieder des Heimatvereins zu einem Rostbratessen eingeladen. In geselliger Runde wurden weitere Ideen zur Verschönerung des Schäferplatzes geboren.

 

 

Auf der ersten Tafel wird auf die historischen Orte Altbeesen mit dem alten Schloß „Hauß Behsen“ und Neubeesen mit dem neuen Schloß eingegangen. Sie waren ursprünglich im Besitz derer von Krosigk. 1737 bzw. 1720 wurden beide Ortschaften an den preußischen König Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) verkauft. Im 19. Jahrhundert wurde das alte Schloß mit den Wirtschaftsgebäuden abgetragen. Der „Banner“ im Park ist der bauliche Rest des einstigen Schloßturms (ein Bild aus dem Jahr 1583 zeigt das alte Schloß). Infolge des industriellen Aufschwungs im 19. Jh. (Gipsbruch, Ziegeleien, Zuckerfabriken, Spiritusbrennerei, Kartoffelbrennerei Malzfabrik, Brauerei, Essigfabrik, Salinenwerk, Steinbrüche) wurden die Domäne (= staatliches, hier königlich-preußisches Gut) Neubeesen (der Bereich um das neue Schloß) und (Alt)Beesen (entlang der Straße dorfauswärts zum Zoll) um zahlreiche Wohnhäuser erweitert. 1845 hatte Beesenlaublingen 493 Einwohner, 1871 waren es bereits 1466. In den Jahren von 1858 bis 1860 wurde die Kreis-Chaussee von Mukrena nach Bebitz durch Beesenlaublingen gebaut. 1905 erfolgte der Anschluss an die Deutsche Reichsbahn.

 

 

Auf der zweiten und dritten Tafel kann man Details über den Schäferplatz in Beesenlaublingen, auf dem die Tafel aufgestellt wurde, lesen. Der Name des Platzes war über einhundert Jahre in Vergessenheit geraten. Klaus-Dieter Herbst brachte die Erinnerung an den Namen zurück, nachdem er 2022 im Buch „Heimatkunde des Amtsbezirks Beesenlaublingen“ (1905) von Carl Löbus, einem Lehrer in der Beesenlaublinger Schule, gelesen hatte: „Am 31. März pflanzte ein Komitee auf dem Schäferplatz die Bismarck-Eiche.“ Der Anlaß war der 80. Geburtstag des ersten deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898) am 1. April 1895. Der Name des Platzes verweist vermutlich auf die ursprüngliche Nutzung der Gegend als Weideplatz für Schafe, um den herum Schäfer wohnten. Die heutige Sackgasse „Umkehr“ hieß früher „Schäferhof“.

 

 

Rings um den Schäferplatz gab es bis in die Mitte der 1970er Jahre verschiedene Geschäfte und Gewerke, die auf dem dritten Tafelteil genannt werden. Eine Sattlerei ist von 1880 bis 1941 nachweisbar. Die Sattlermeister waren erst Wilhelm Buchmann und nach diesem dessen Sohn Emil. Auch der Glasermeister Julius Schrader wohnte 1880 dort. Irgendwann bezogen der Kaufmann Adolf Sauer und dessen Frau Martha das Haus Nr. 106. Neben dem Kaufmannsladen betrieb Sauer auch bis ca. 1950 eine Gaststätte mit Fremdenzimmern. Im Haus Nr. 125 gab es die Bäckerei von Hermann Böttcher. In diesem Haus wohnte bis mindestens 1941 auch der Bäckermeister Gerhard Krett, der mit Böttchers Tochter Hanna verheiratet war. Nach 1945 übernahm Richard Heuckrodt (1896 -1970) die Bäckerei in Nr. 125 (bis ca. 1969). Im Haus Nr. 123 wohnte 1880 der Handelsmann Gerhard Sommer. Später gab es bis ca. 1965 darin einen Kolonialwarenladen und den Friseur Karl Herbert. Im Haus Nr. 79 wohnte 1880 der Fleischermeister Wilhelm Kühlwind. Nach diesem erwähnen die Quellen Fleischermeister Otto Pfaffe. Die Fleischerei gab es bis 1976. Auf den Schäferplatz mündet die Brunnengasse, in der seit mindestens 1880 die Tischlermeister Christian Steffen und dessen Sohn Karl tätig waren. Bei Steffen arbeiteten Werner Labbert aus Alsleben (der 1967 die Tischlerei übernahm) sowie Gerhard Henning und Bruno Herbst aus Beesenlaublingen. 1984 erwarb der Tischler Franz-Joachim Halle diese Werkstätte. (Über diese Tischlerei und über die Stellmacherei von Walter Haarstrick sen. und jun. wird Klaus-Dieter Herbst am 12. September 2026 in der Heimatstube „Zur Post“ einen Vortrag halten.)

Was hier nur angerissen wurde, kann auf den drei Tafelteilen ausführlicher nachgelesen werden. Die Finanzierung der Tafel übernahm der Heimatverein Beesenlaublingen e. V., der dafür auch eine finanzielle Unterstützung aus dem „MikroKulturFond Sachsen-Anhalt“ erhalten hat. Der Heimatverein beabsichtigt, weitere Tafeln aufzustellen und an historisch bedeutsamen Gebäuden anzubringen. Für die Herstellung aus hochwertigem Material bei einer Magdeburger Firma werden noch finanzielle Mittel benötigt. Der Heimatverein bittet deshalb interessierte Bürger um eine Spende auf das Vereinskonto (IBAN DE57 8005 5500 0201 0645 96) mit dem Kennwort „Historische Tafel“.

gez. Dr. Klaus-Dieter Herbst, Vorsitzender des Heimatvereins Beesenlaublingen e. V.