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Mitteilungsblatt Kamenz - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung
Ausgabe 20/2019
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Wie der Freiwilligendienst jungen Menschen hilft

Miriam Meiser, Lea Michael, Niklas Kutschke und Denny Mütze (v.l.) absolvieren gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr in ganz verschiedenen Einsatzstellen im Landkreis. Sie erzählten dem Mitteilungsblatt von ihren Erfahrungen.

Lob bekommen und wirklich gebraucht werden – was kann es Besseres geben? Wenn der Arbeitstag so verläuft, dann kann man ihn doch jeden Morgen mit großem Enthusiasmus und einem Lächeln beginnen. Dieser Eindruck ist jedenfalls geblieben nach einem Gespräch mit vier jungen Leuten, die gerade auf die Zielgerade ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) einbiegen. Alle haben ganz verschiedene Geschichten zu erzählen, aber doch sind sie sich einig: Das FSJ hat sie vorangebracht, die vom Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit durchgeführten Seminare sind ein echter Gewinn: an Wissen und an Erfahrungen. Denn dann findet ein Austausch mit anderen FSJ-lern statt, denen es vielleicht nicht immer so gut geht. Gemeinsam wird diskutiert, wie man beispielsweise Probleme im Kollegenkreis schnellstmöglich wieder in den Griff bekommt. Aber von solchen können Miriam Meiser, Lea Michael, Denny Mütze und Niklas Kutschke nicht berichten.

Miriam Meiser, 18, aus Kamenz, hat ihre FSJ-Einsatzstelle in Pulsnitz in der Helios-Klinik Schwedenstein. Dieses Jahr neuer Erfahrungen war ihr nach der Fachoberschule im Bereich Sozialwesen ganz wichtig. Sie arbeitet ganz normal auf Station mit und hat dadurch natürlich Kontakt zu den psychisch kranken Menschen. Vorher, so erzählt sie, habe sie in diesem Bereich noch keine Erfahrungen gehabt. Allererste Wahl wäre für sie ein FSJ auf dem Gebiet des Garten- und Landschaftsbaus gewesen, aber das wurde nicht angeboten. Doch sehr gute Anleitung sorgte dafür, dass Miriam sich im Klinikalltag sehr gut einbringen kann und auch wohlfühlt. Als eigenes Projekt gestaltete sie auf der Borderline-Station ein gemeinsames Mittagkochen. Allerdings weiß die junge Kamenzerin jetzt auch, dass ihre Zukunft wohl doch im Bereich des Gartenbaus liegen wird. Für sie endet das FSJ schon bald, dann geht es für ein Jahr ins Ausland zum Work and Travel – der Flug nach Sydney ist schon gebucht. In Cottbus soll dann ein Studium der Landschaftsarchitektur folgen.

Bei Lea Michael, 19, aus Rammenau kommen in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr jede Menge Erinnerungen hoch, denn sie ist in der Grundschule und im Hort in Goldbach im Einsatz – genau dort, wo sie als Kind auch selbst hinging. Das Zurückkommen als „Beinahe-Kollegin“ sei schon sehr speziell, aber eine absolut positive Erfahrung. Die junge Frau, die das FSJ nach ihrem Abitur am Goethe-Gymnasium Bischofswerda absolviert, hilft vormittags in den Klassen beim Unterricht mit, sichert Aufsichten ab und steht nachmittags zur Hausaufgabenbetreuung oder zum gemeinsamen Spielen zur Verfügung. Die Arbeit mit Kindern, das hat Lea Michael gemerkt, ist genau ihr Betätigungsfeld – auf Lehramt möchte sie jetzt nicht mehr studieren, aber sie wird eine Ausbildung zur Erzieherin am BSZ in Bautzen beginnen, das ist schon sicher. Auch für die Rammenauerin hat sich das Orientierungsjahr also absolut gelohnt und sie in ihrer angestrebten Berufsrichtung bestärkt. Sie hofft jetzt gemeinsam mit der Grundschule und dem Hort in Goldbach, dass sich auch in den kommenden Jahren FSJ-ler für die Arbeit in dieser Einrichtung interessieren.

Ganz ähnlich ist das bei Denny Mütze, 17, aus Bautzen. Er hat seine Einsatzstelle für das FSJ nach dem Realschulabschluss bei der Oberlausitz Kurzzeitpflege in Bautzen gefunden und fühlt sich dort sehr wohl. Besonders lobt der junge Mann das gemeinsame Arbeiten und den Umgang mit den Kollegen in der Kurzzeitpflegeeinrichtung. Das bereite ihm sehr viel Freude, auch wenn die Tätigkeiten als Pfleger natürlich nicht immer leicht seien. Trotzdem hat Denny Mütze für sich herausgefunden, dass der medizinische/pflegerische Bereich auch für den späteren Job etwas für ihn wäre. Seine Lehrstelle als Gesundheits- und Krankenpfleger hat er in Bautzen bereits unter Dach und Fach, Anfang September geht es los.

Noch nicht so ganz genau weiß hingegen Niklas Kutschke, 19, aus Taubenheim, wohin für ihn nach dem FSJ im offenen Jugendtreff B28 in Bischofswerda die Reise gehen wird. Die Arbeit mit Menschen mache ihm viel Spaß, aber ein Lehramtsstudium soll es wohl doch nicht sein. Viel lieber würde der junge Mann, der sein Abitur am Bautzener Schiller-Gymnasiums ablegte und dort sogar den Schulgarten leitete, seine Kreativität in den Vordergrund rücken. So wäre ein Studium der Theaterpädagogik ebenso denkbar wie eine Ausbildung zum Maßschneider. Für diese große Leidenschaft seien wohl die Gene der Großeltern verantwortlich. Aber bis die Entscheidung für die Zukunft gefallen ist, freut sich Niklas Kutschke jeden Tag auf seine Arbeit im Jugendtreff. Sein selbstgestaltetes Projekt zur 48-Stunden-Aktion wird bald umgesetzt werden.

Das Treffen mit diesen vier FSJ-lern in ihrer Seminarwoche beim Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit in Bischofswerda bot ein interessantes Gespräch mit aufgeschlossenen, jungen Leuten, die gut mit Menschen können. Für sie war es kein Problem, in dieser kleinen Runde von ihren FSJ-Erfahrungen und noch ein bisschen mehr aus ihrem Leben zu erzählen – dafür vielen Dank.

ku