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Mitteilungsblatt Kamenz - Ihre Heimat- und Bürgerzeitung
Ausgabe 3/2020
Amtsblatt
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Aufruf zur Gedenkveranstaltung am 27. Januar 2020 für die Opfer des Nationalsozialismus

Am Montag, dem 27. Januar 2020 findet um 15.30 Uhr die Gedenkveranstaltung der Stadt Kamenz zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus an der Gedenkstätte im Herrental statt. Es werden Vertreter der Kamenzer Kirchgemeinden und Religionsgemeinschaften, der Initiative „Zur Bewahrung des Gedenkens an die Opfer faschistischer Gewaltherrschaft in Kamenz“ sowie des Vereins „Gedenkstätte KZ-Außenlager Kamenz-Herrental“ e.V. teilnehmen. Eingeladen sind auch die Vertreter der Kamenzer Schulen.

Der Gedenktag wurde am 3. Januar 1996 durch die Proklamation des Bundespräsidenten Roman Herzog anlässlich des 50. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft – im Jahr 1995 – eingeführt. In der Proklamation heißt es: „Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Es ist deshalb wichtig, nun eine Form des Erinnerns zu finden, die in die Zukunft wirkt. Sie soll Trauer über Leid und Verlust ausdrücken, dem Gedenken an die Opfer gewidmet sein und jeder Gefahr der Wiederholung entgegenwirken.“

In diesem Jahr jährt sich zum 75. Mal das Ende dieses furchtbaren Krieges und der Beendigung der damit verbundenen Gewaltexzesse. In einer Welt, in der die Spannungen wieder gewachsen sind, in der es mitunter nur eines kleinen Funkens bedarf, um kriegerische Handlungen und grausame Unterdrückungen auszulösen, ist das Erinnern an die Opfer dieser Zeit wichtig. Damals hatten Menschen vor anderen Menschen, befeuert durch ideologische und menschenfeindliche Sinnkonstruktionen, den Respekt verloren und jegliche Humanität vermissen lassen. Das Ganze hatte entsprechende Vorgeschichten auf vielen Ebenen. Ohne vordergründige und unangebrachte Gleichsetzungen ziehen zu wollen, so sei doch an die Worte von Victor Klemperer, dem Verfasser des Buches „LTI – Notizbuch eines Philologen“ erinnert: „Worte können sein wie winzige Arsendosen: sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“ Denn auch in der Verwendung der Sprache erweist sich ein humaner Umgang im Miteinander, denn Sprache ist Wirklichkeit und konstruiert auf kurz oder lang Wirklichkeit. Gerade in der Geburtsstadt des bedeutendsten deutschen Aufklärers sind das Setzen auf Vernunft, auf Respekt, auf Toleranz und auf Menschenliebe Bürgerpflichten, die wir gern auf uns nehmen sollten.

Oberbürgermeister

der Lessingstadt Kamenz