Titel Logo
Klingenthaler Stadtanzeiger
Ausgabe 14/2026
Sonstiges
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Klingenthaler Grenzlandhunderter mit Teilnehmerrekord

Kurz vor dem Start.

Uwe Hohmann vom KWSV überreicht den Pokal und de Urkande an Thomas Ungethüm.

Oberbürgermeisterin Judith Sandner gratulierte Stadtrat Thomas Ungethüm und seiner Familie ebenfalls. Thomas Ungethüm ist 50 km gewandert und 50 km gejoggt.

Inge Meisel, Timm Berger, Stefanie Klauß und Peter Meisel

Langstreckenwanderer trotzen Unwetter

Für die Nacht vom 12. zum 13. Juni diesen Jahres war wirklich nichts Gutes vorausgesagt worden. Regen, Sturm, Kälte ...

 

 

Die Organisatoren des 6. Grenzlandhunderts vom Klingenthaler Wandersportverein (KWSV) rechneten deshalb mit einer Flut von Absagen aus dem mit über 90 Meldungen so gut wie noch nie gefüllten Starterfeld. Das dies nicht eintrat zeigt - die Langstreckenwanderer sind ein besonderes Völkchen. Und wer dann noch erleben durfte, mit welch durchaus müden, aber trotzdem blitzenden Augen und jeder Menge humorvollen Bemerkungen auf den Lippen die bis auf die Unterwäsche durchnäßten und schlammverschmierten Nachtwanderer nach einer 50 km Tour am frühen Sonnabendmorgen auf dem Marktplatz in Klingenthal eintrafen konnte sich nur wundern …

Sogar ein mit sichtbaren Blessuren im Schritt einlaufendes „Geburtstagskind“ aus Schwarzenberg war dabei, welches spontan vom immer rührigen und ideenreichen Wolfgang Höll (KWSV) im Ziel eine mit Gravur versehene Wandertasse des KWSV als Geschenk zusätzlich zur Urkunde erhielt.

Würdig verabschiedet von Klingenthals Oberbürgermeisterin Frau Sandner, in Anwesenheit des Bürgermeisters von Olovi (Wendepunkt der Nachtrunde), Herrn Mikulaš und den Chefs der Wandersportvereine von Sokolov, Herrn Ticha, sowie Klingenthal, Herrn Meisel, starteten, wetterfest gekleidet und zusätzlich noch griffbereiten Regenschirmen 13 Langstreckenwanderer zu Tour 1 (100 km) und 35 zu Tour 2 (50 km Nachttour).Erstmals im Programm, machte sich gegen Mitternacht ein Troß von geplant 12 tschechischen Wanderern von Olovi aus auf dem umgekehrten Weg nach Klingenthal. Für diese Neuerung danken wir dem Vorsitzenden des Sokolover Wandervereines (KCT) und verbinden damit die Hoffnung, dass wir zukünftig noch mehr Teilnehmer/innen aus unserem Nachbarland einbinden können.

Nicht nur der Regen, sondern auch die unterschiedlichen Altersgruppen (16 bis 75 Jahre) und Fitnesszustände sorgten dafür, dass sich das Feld bereits kurz nach dem Start auf dem über 200 Höhenmeter ansteigenden 5 km Weg - vorbei am Friedhof von Markhausen - nach Pocatky weit auseinander zog und dadurch die in Liboc von der Feuerwehr Olovi eingerichtete Versorgungs- und Stempelstelle gut gestaffelt erreicht wurde. Nach überaus herzlicher Bewirtung wurde es langsam dunkel und die Stirnlampen mussten - vorbei an einer wunderschönen, aber im Dauerregen kaum erkennbaren historischen Kapelle und dem sehenswerten Aussichtsturm "Cibulka" (Zwiebelchen) - besonders auf dem extrem steilen und rutschigen Abstieg nach Olovi - ganze Arbeit leisten. Das Personal der dortigen Schule hatte - sehnlichst erhofft und erwartet - wieder die oberleckere Vorsuppe bereitet und danach mittels Schnitzel und Kartoffeln selbst den größten Hunger gestillt. Dass auch dort Bürgermeister Mikulaš und Wanderverbandsschef Ticha um Mitternacht persönlich anwesend waren, stellte schon eine besondere Würdigung der Veranstaltung dar.

Gut beraten waren die Wanderer, welche den Magen nicht bis zur Grenze belastet haben, denn der anschließende Aufstieg über 8 km und fast 250 Höhenmeter hinauf nach Jindrichovice hatte es in sich. Gemäßigte Auf- und Abstiege führten anschließend, weiter begleitet vom Dauerregen, nach Rotava, wo im dortigen Feuerwehrdepot 3 wie gewohnt frisch gebrühter Tee, tschechische Waffelspezialitäten – und für die „Bedürftigen“ sogar Pilsener Urquell bereitgehalten wurde. Danach fiel es manchem sichtbar schwer, durchnäßt und ausgekühlt den müden Körper für die letzten 10 Kilometer zu motivieren.

Oberhalb von Kraslice sorgten den Weg kreuzende Wildschweine noch für einen kurzen Schreck, danach erreichten gegen 6.30 Uhr die letzen Absolventen von Tour 1 und 2 sowie die 7 tschechischen Wanderer, welche den 25 km Marsch in umgekehrter Richtung geschafft hatten, den Marktplatz von Klingenthal.

Für die 100 km Marschierer war dies allerdings nur die Halbzeit, sie begaben sich – ab jetzt begleitet von den 30 Wanderern, die ab 06.30 Uhr „nur“ den Höhensteig (Tour 3) „unter die Füße bringen wollten“ – auf die zweite 50 km Runde. Abziehender Regen und zeitweiser Sonnenschein ließen nun endlich hin und wieder einen Blick auf unser wunderschönes Vogtland zu.

An 10 Selbstkontrollstellen, vom Kamerun über Mühlleithen, den Dürrenbachweg bis zur Erlbacher Straße, musste mittels Lochstempel die bewältigte Strecke über fast 1400 m Höhenunterschied dokumentiert werden. Neu war die Selbstkontrolle in Kottenheide, die kurzfristig eingerichtet wurde, weil Forstarbeiten in Zwota eine kurzfristige Streckenänderung notwendig machte.

An 3 Verpflegungs- und Kontrollpunkten - der Jugendherberge, der Vogtland Arena und dem Ferienhotel „Zwotatal“ war neben dem obligatorischen Tee von der Kartoffelsuppe mit Wienern über belegte Brote und Kuchen bis zu Bananen fast alles bereitgestellt, was benötigt wird, um eine solche körperliche Herausforderung überstehen zu können.

Und dass der Grenzlandhunderter schon eine besondere Herausforderung darstellt, untermauerte die Teilnahme des Klingenthaler „Ultraläufers und Ultrawanderers“ Thomas Ungethüm. Er wurde allerdings nur am Anfang kurz gesehen, den Rest der Nacht und auch auf dem Klingenthaler Höhensteig am Tag zog er als eine Art „Kondensstreifen“ fast allein sein Tempo durch und beendete die 100 km Tour viele Stunden vor dem Feld mit der Folge, dass ihm Pokal und Urkunde in Vertretung der noch nicht anwesenden OBM von Uwe Hohmann vom KWSV überreicht wurde.

 

 

 

Danach ließ es sich die Oberbürgermeisterin trotz Verpflichtungen aus dem Städtepartnerschaftsfest mit Kraslice auch in diesem Jahr wieder nicht nehmen, den 8 weiteren Bezwingern der 100 km Tour neben der obligatorischen Urkunde auch den modern gestalteten Holzpokal zu überreichen. Besonders gut kam diese Ehrung bei einem Paar (Timm Berger und Stefanie Klauß) aus Dresden an, welches nie und nimmer damit gerechnet hat, kurz vor 20 Uhr noch von der Stadtchefin mit einer derartigen Würdigung empfangen zu werden.

 

 

Nach 26 Stunden endete damit eine Sportveranstaltung, die zur Freude aller Teilnehmer, Organisatoren und Helfer trotz der teilweise extremen Weg- und Wetterkapriolen ohne ernsthafte Verletzungen nahezu perfekt über die Bühne ging.

Was bleibt ist wieder die Erfahrung, dass Langstreckenwanderer auch unter extremen Bedingungen und an körperlichen Grenzen eine Tiefenentspanntheit eint, wie sie wahrscheinlich bei solchen sportlichen Herausforderungen selten ist. Ob Azubi, Zahnarzt, Industriemeister, Krankenschwester, Verwaltungs- oder Büroangestellte/r, Tischler, Rentner, Rechtsanwalt oder Freileitungsmonteur … – für alle war „der Weg das Ziel“, was besonders in der durchweg gelösten und aufmunternden Stimmung in den Versorgungspunkten zum Ausdruck kam. Niemand wurde allein zurückgelassen.

Und ein Satz blieb hängen: „Nächstes Jahr sind wir auf jeden Fall wieder dabei.“

Schon mal vormerken:

Der 7. Grenzlandhunderter startet am 04. Juni 2027 um 18.00 Uhr!

Wir danken allen, die zum Gelingen des 6. Grenzlandhunderters beigetragen haben. Das sind:

Stadt Klingenthal mit WOGE, vertreten durch die OBM

Klingenthaler Wandersportverein, Wandersportverein KCT Sokolov

Bürgermeister von Olovi und Schule Olovi, Freiwillige Feuerwehren Olovi und Rotava, DRK Klingenthal mit Bergwacht Bublava, Jugendherberge und Vogtland Arena Klingenthal, Ferienhotel „Zwotatal“

finanziell wertvolle Spenden überreichten:

Sparkasse Vogtland

Thermofin GmbH Heinsdorfergrund

Injecta GmbH Klingenthal

Persönlich danke ich ganz besonders Peter Meisel für die allumfassende und penible Unterstützung. Wolfgang Höll für seine kreative und unermüdliche Öffentlichkeitsarbeit und Statistik sowie allen weiteren Helfern und Helferinnen des KWSV, insbesondere den Wanderführern und Wanderführerinnen durch eine turbulente Nacht - Ina Schönherr, Sabine Wild, Rudolf Glaß, Andreas Leistner und dem fast schon zum Original ernannten „Fahrradkurier“ Erich Steidl aus Tschechien.

Uwe Hohmann für den KWSV