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Klingenthaler Stadtanzeiger
Ausgabe 17/2026
Sonstiges
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160 Jahre Stadtorchester … eine Stadtgeschichte (Teil 40)

Stadtorchester 1926 im Saal des Alten Schlosses

Stadtorchester heute

Seit mehr als eineinhalb Jahrhunderten prägt der Klangkörper die Musiklandschaft Klingenthals und trägt den Ruf der Musikstadt weit über die Grenzen des Ortes hinaus.

Im Jahre 1866 gründete Moritz Dörfel den „Musikvereinschor Klingenthal“. In diesem Jahr feiert das Stadtorchester Klingenthal also sein 160-jähriges Gründungsjubiläum.

Dem vorausgegangen war bereits das Musizieren in loser Gemeinschaft seit 1863. Ist das Stadtorchester Klingenthal heutzutage ein Blasorchester, verrät bereits der frühere Name Musikvereinschor, dass der Klangkörper aus mehreren Teilen bestand: Sowohl ein Streich- als auch ein Blasorchester bildeten gewissermaßen vereint den Musikvereinschor Klingenthal.

Ab 1911 hatte Ernst Uebel die Gesamtleitung übernommen. Am 26. November 1921 beschloss der Stadtrat von Klingenthal, dem Musikvereinschor den Titel „Stadtmusikchor Klingenthal“ zu verleihen und Ernst Uebel wurde laut Beschlussfassung „ermächtigt“, den Titel „Stadtmusikdirektor“ zu tragen. Damit verbunden war ein mehrseitiger Vertrag, welcher unter anderem die Bedingungen der Mitgliedschaft regelte und anwies, dass bevorzugt Schüler der örtlichen Musikschule aufgenommen werden sollten. Außerdem verpflichtete sich das Orchester, jährlich eine bestimmte Anzahl von Konzerten (Silvesterkonzert und Platzmusiken, sowie anlässlich weiterer festlicher Anlässe) zu spielen. Im Gegenzug erhielten das Stadtorchester und sein Stadtmusikdirektor eine Aufwandsentschädigung. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Nach Großveranstaltungen, wie dem Musikfest 1932 in Klingenthal und einer deutschlandweiten Konzertreise 1936 wurde das Orchester schließlich 1939 dem Kreismusikzug Auerbach angegliedert.

Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen brachten auch das Stadtorchester Klingenthal an den Rand der Auflösung, Musiklehrer Erwin Kabus bemühte sich 1946 um eine Wiederbelebung. Am 9. Mai 1946 wurde aus dem Stadtorchester Klingenthal das „Bezirksorchester Klingenthal“ und Ernst Ubel dirigierte von 1946 bis 1953. Dessen Leiter blieb Ernst Uebel, welcher 1953 erneut zum „Stadtmusikdirektor“ ernannt wurde. Immer noch bestand das Orchester aus einer Sinfonischen Besetzung (Leitung Alfred Wolf) und einem Blasorchester (Leitung Georg Körner). Nach dem Tod von Ernst Uebel übernahm 1958 – 1969 Heinz Dähn die Gesamtleitung. Das Sinfonieorchester löste sich schließlich 1967 auf. Das Stadtorchester Klingenthal wurde nun von Hugo Herold jr. dirigiert (1970-1977). Hugo Herold jr. erhielt 1994 den Titel „Stadtmusikdirektor ehrenhalber“ verliehen. Seit 1976 hieß das Stadtorchester „Klingenthaler Blasorchester“, einbezogen in das Ensemble „Vogtländischer Musikinstrumentenbauer Klingenthal/ Markneukirchen“. 1978 bis 1980 dirigierte Herbert Körner, ihm folgte ab 1980 Herbert Fischbach. Er wollte den Taktstock tatsächlich nur vorübergehend übernehmen, weil sein Vorgänger durch plötzliche Krankheit verhindert war. Doch Herbert Fischbach behielt die musikalische Leitung inne und ihm wurde 1991 der Titel „Stadtmusikdirektor“ verliehen, der Klangkörper zum „Stadtorchester Klingenthal“ wiederbenannt. Es folgten Konzertreisen, Teilnahmen an Festivals und immer auch die traditionellen Konzerte und Platzmusiken in der Musikstadt selbst. Ein besonderer Höhepunkt war die Verleihung der „Pro musica – Plakette“ durch Bundespräsident Roman Herzog 1995 an das Orchester. 2015 sind Hugo Herold und Herbert Fischbach verstorben. Bereits einige Jahre zuvor hatte Stadtmusikdirektor Herbert Fischbach den Taktstock an Rico Schneider – dem gegenwärtigen Stadtmusikdirektor - weitergegeben. Eineinhalb Jahrhunderte lang haben es die Musiker geschafft, den Klangkörper durch die Wirren der Geschichte zu führen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sich das Orchester eine eigene, interne Struktur mit genauen Aufgabenverteilungen an seine Mitglieder bewahrte, das Vereinsleben mit Konzert-Ausfahrten pflegt und lange Mitgliedschaft ehrt. Musikalisch begabter Nachwuchs ist im Stadtorchester Klingenthal erwünscht.

Xenia Brunner