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Klingenthaler Stadtanzeiger
Ausgabe 6/2026
Vereine
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Der klaane Wild, Hans drzählt:

Wie ich als Bub einmal schmuggeln half

In meiner Kinderzeit hatten in unserem Grenzstädtchen die Zollschranken andere Farben als heute. Nämlich Weiß-Grün auf der sächsischen Seite und Gelb-Schwarz, die der österreich-ungarischen Monarchie, auf der anderen Seite. Diesseits hießen die Zollbeamten „Grenzgäger“, jenseits „Finanzer“. Geschmuggelt wurde in unserer Heimat nicht, sondern „gepascht“. Die Berufsschmuggler hießen auf beiden Seiten „Pascher“.

Mit denen haben wir es in unserer Erzählung nicht zu tun, sondern mit jenen, die gar oft klopfenden Herzens schamhaft am Zollhaus vorbeigingen wie junge Mädchen an einem Kreis kecker Burschen. „Rühr mich nicht an, ich bin die Unschuld!“ Ja, so taten die lieben Leutchen, wenn sie mit „e bissel bähmischen Tobak“ oder „e Paar Knacker“ oder mit „e paar bähmische Tipple“ die Grenze überschritten. Wie dem verwöhnten Kinde fremdes, Marmeladebrot besser schmeckt als die Wurstsemmel der Mutter, so war die Ware „von drüben“ eben etwas anderes. „Dös Markhausner Mehl is griffiger“ oder „sette schiene Töpp gibts ebn när ön Bähme“ oder „es geht doch nix über e Pfeif bähmischen Tobak“ und ähnliche Lobrufe hörte man allüberall. Selbst manche „Grenzgäger“ sollen sich diesem Urteil angeschlossen und gar manche Pfeife „bähmischen Tobak“ geraucht haben. Nun wohl, für den Geschmack gibt es keine Grenzen.

Aber was die kleinen Leute verschämt tun, das treiben die Großkeppeten oft noch viel schlimmer. Was das ist, das müsst ihr euch am 1. Mai ab 14:00 Uhr am Pavillon in Klingenthal selber anschauen. Denn, wenn ich’s nur erzähl – des glaubt mir kaa Sau!