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Amtsblatt der Gemeinde Löbnitz
Ausgabe 8/2026
aktuelle Berichte u. Jubiläen
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Ehemalige Dorfbewohner von Seelhausen treffen sich zur Erinnerung an ihre verlorene Heimat

Löbnitz, 15.08.2026 – 39 Jahre nach dem Verschwinden ihres Dorfes Seelhausen, kamen ehemalige Bewohner und deren Familien abermals zu einem bewegenden Wiedersehen zusammen. Es war insgesamt bereits der siebente Termin an dem sich die ehemaligen Seelhausener trafen. Das Treffen fand am 15.08.2026 im Nachbardorf Löbnitz statt. Organisiert und liebevoll vorbereitet wurde es wie jedes Mal, so auch dieses Mal durch die Frauen des Ortsverein Sausedlitz vom Sächsischer Landfrauenverband e.V. in welchem sich auch eine Frau aus Zschepen engagiert.

Bei heißen Temperaturen von über 30°C war es ein großes Glück, dass sich die Kirchentüren der Katholischen Kirche Löbnitz für die Seelhausener öffneten. Bei nunmehr angenehmen Temperaturen bot sich der Raum für Erinnerungen, Austausch und die Bewahrung der gemeinsamen Geschichte eines Ortes, der heute nicht mehr existiert. Man konnte jedoch spüren, ja man konnte es förmlich greifen, wie die Erinnerungen den Ort wieder aufleben ließen, zumindest in den Herzen und den Gedanken der Seelhausener war alles so nah und lebendig. Sehnsucht nach dem verlorenen Ort und nach der verlorenen Identität mit dem Ort konnte man spüren. Die Teilnehmer reisten aus verschiedenen Regionen an, um sich an ihre frühere Heimat zu erinnern und sich mit Freunden und Nachbarn zu treffen. Schon bei Kaffee und Kuchen, welchen die Landfrauen freundlich und liebevoll im Vorfeld anboten, gab es Freude und herzliche Gespräche zu erleben. Alte Fotografien, Dokumente und persönliche Geschichten ließen das Dorf für einen Tag wieder lebendig werden. Besonders die älteren Besucher berichteten von ihrem Alltag, den Nachbarn und den Traditionen, die einst das Gemeinschaftsleben prägten.

Der auserwählte Redner Dr. Bernd Rinke, ein Seelhausener Junge, schilderte in bewegenden Worten, wie er seine Kindheit, sein Wachsen und Werden in dem verlorenen Ort erlebt hat. Er wählte den treffenden Spruch „Ein von Gott verlassenes Nest und doch so prägend für mein ganzes weiteres Leben“. Er erlebte wie viele Kinder dieses Ortes eine unbeschwerte und lebenswerte Kindheit, wie sie wohl nur noch in historischen Filmen nachzuempfinden sein wird. Eine grenzenlose Freiheit im Spiel und in der Entwicklung seiner Persönlichkeit, liebevoll von seinen Eltern gesteuert, waren das Unterpfand für seine erfolgreiche Lebensgeschichte. In nachvollziehbarer Weise schilderte er den schweren Arbeitstag seiner Eltern als Einzelbauern bis hin zur Zwangskollektivierung in den LPGs. Einerseits traurig, dass der Hof und das Gut seiner Eltern unterging, sei er letztlich froh, dass er den Hof nicht weiterführen musste, unter den Bedingungen wie es seine Eltern leisteten.

Bewegend wurde es, als Bilder der untergegangenen Häuser und Güter in einem virtuellen Dorfrundgang im Rahmen einer Präsentation gezeigt wurden. Zudem wurde eine kleine Ausstellung mit einem Ortsmodell organisiert. Sie zeigte historische Bilder, Karten und Gegenstände aus dem Dorf. Die Besucher erinnerten sich gemeinsam an besondere Ereignisse und an die Menschen, die das Dorf einst geprägt hatten.

Mechthild Rofalski, die diese Treffen inhaltlich organisiert, erinnerte in gewohnt sicherer und kompetenter Weise an die Kirche in Seelhausen. Historische Daten der Kirche, welche für viele der Anwesenden neu waren, wurden präsentiert und regten die Diskussion und die Erinnerungen an. Emotional wurde die Diskussion als der Verbleib der Glocken der Seelhausener Kirche zur Sprache kam, wo schlagen sie denn heute nun, wo kann man sie nochmal hören? Genau wusste es tatsächlich keiner, obwohl es einige gab, die behaupteten sie wissen es genau. Wir werden es herausfinden, so lautet die Aufgabe für alle ehemaligen Bewohner.

Die Organisatoren betonten die Bedeutung solcher Treffen für die Bewahrung der regionalen Geschichte. Ziel sei es, die Erinnerungen an das Dorf und seine Bewohner für kommende Generationen festzuhalten, wenngleich es immer schwieriger sein wird, handelnde Personen aus der damaligen Zeit zusammen zu führen.

Das Wiedersehen endete mit einem gemeinsamen Essen, einem Gruppenfoto und dem Wunsch, die Tradition der regelmäßigen Treffen fortzusetzen. Für die Teilnehmer war die Veranstaltung nicht nur ein Wiedersehen alter Freunde, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Heimat mehr ist als ein geografischer Ort – Heimat ist ein Gefühl, sie lebt in den Erinnerungen und den Herzen der Menschen weiter.

Die ehemaligen Seelhausener bedanken sich besonders herzlich und persönlich bei Frau Rofalski, Ihrer Tochter, Ihrem Schwiegersohn und Ihrer Enkelin, bei Frau Friedrich, Frau Lindenhain und bei Frau Leideritz und bei allen weiteren Kuchen backenden Frauen vom Ortsverein. Ohne Ihre diese fleißige und umsichtige Arbeit wäre dieser Tag nicht möglich gewesen.

Dietmar Schmidt