Titel Logo
Bastei-Anzeiger - Amtsblatt der Gemeinde Lohmen mit den Ortsteilen
Ausgabe 3/2026
Mitteilungen des Gemeindeamtes
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Bruno Barthel Lohmener Mundartdichter – Heimatforscher

Grabstelle Bruno Barthels auf dem Lohmener Friedhof

Erinnerung an seinen 70. Todestag!

Die Schule des Lebens hat aus dem am 23. Februar 1885 geborenen, keinen Menschen geformt der verbittert war, sich dem Schicksal nie ergab.

Er stellte sich den Widrigkeiten seines Seins, gewann dadurch eine Fülle an Lebenserfahrungen, die selten von vielen erreicht wird.

Die Erfahrungen als Hütejunge, Straßenkehrer, Fabrikarbeiter,

Steinbrecher und vielen anderen Gewerken vermitteln ihn Erkenntnisse, die er als Mundartdichter in seiner Mundart aufschreibt und heute der Nachwelt als einmaliges Werk hinterlässt.

Er ein guter Kenner der Natur, der Geschichte und des Volkstums seiner Heimatwelt.

Vor allem weiß er aus eigener Erfahrung das Leben, Denken, Fühlen und des Brauchtums der Steinbrecher und Dörfler trefflich zu Schildern.

Barthel ist ein schlichter Mann aus dem Volk, darum beherrscht er die Sprache seiner Heimat von Grund auf. Es ist die Volkssprache im Gebiet der ehemaligen Mark Meißen, die ist eine Unterart des Obersächsischen. Sein Wesen, wie seine Erzählweise, ist ehrlich, schlicht, innerlich wahr!

Durch die relative Abgeschiedenheit von Uttewalde, in Jahrhunderten und seiner Zeit, hat sich eine Sprachinsel gebildet, indem ein Dialekt gesprochen wurde, der in seinen Nuancen wohl in Sachsen einmalig war. Die Sprache in seinem Heimatort hat er in die Schriftform umgesetzt, in Fülle und Form wie wohl kaum ein anderer seiner Zeit.

Der sprachliche Ausdruck ist heute kaum noch von jemand richtig zu Artikulieren.

Das gegenwärtig angebotene Niveau von Vortragenden, ist auf einem sehr niedrigen Level angesiedelt. Es gibt zwar viele Nachahmer, aber keine Könner! Die Ursache liegt wohl in dem vernachlässigten Umgang mit dem Volkstum in zurück liegenden Jahrzehnten.

Das bekannteste Werk aus seiner Feder „Im di Bastei rim“ von 1955, hatte schon 1934 einen Vorläufer im Umfang von 112 Seiten unter dem gleichen Titel. Ergänzt wurde dieser mit dem Vermerk: „Mundartdichtungen aus dem Grenzland Sachsen in sächsischer Dorfmundart“.

In dem Herausgeber Albert Zirkler hatte Bruno Barthel einen Freund zur Seite, der ihn in seinen widrigsten Lebenslagen stets hilfreich zur Seite stand.

„O die aale Durfmundoart, die in Elbsandsteengebarge gespruchn ward, is a Stücke Heemte.

Eeb si ganz und goar vergassn ward, hoach mei Buch „Im di Bastei rim“ in doar Mundoart geschriebn. Für Heimatabende hat er auch kleine Theaterstücke geschrieben.

Den im Uttewalder Grund vorkommende Hautfarn beschreibt er ausführlich, führt dazu auch Korrespondenzen mit einem Wissenschaftler in China (Dr. Hubert Wilpert) und bedauert, dass die Sammelgier, auch einheimischer Wissenschaftlicher, diesen Farn zum Aussterben bringt. Er versucht eine Nachzucht, ohne Erfolg zu haben. Hier bewahrheitet sich die Erkenntnis: „Verschwiegenheit ist der beste Naturschutz“! Dr. Wilpert rühmt seine vorzüglichen Lokalkenntnisse.

Mit einigen Mitstreitern, man nannte Sie die drei Brunos im Dorf, setzten er den Bau einer leistungsfähigeren Wasserleitung nach Uttewalde durch, da die Löschwasserreserven in Uttewalde damals sehr dürftig waren.

Der große Brand von Uttewalde vom 11.September 1884 war sicher noch vielen älteren Einwohnern in „guter“ Erinnerung. Noch heute ist über einem Türstock die Inschrift „Not durch Brand heilet Gott mit milder Hand“ erhalten.

Der Anbau eines Saales an die Gaststätte geht ebenfalls auf die Initiative der drei Brunos zurück.

Die Liebe zu seiner Heimat hat er selbst trefflich ausgedrückt, in den Worten:

„Ganz nohnde an Busche wohnt'ch, in meine Barge hutt'ch ni weit,

und ane ganz andere Luft woar im mich rim“.

Helmut Venus

Quellen: Im di Bastei rim, eigene Unterlagen