Ein Stück historischen Spreewald gab es während eines Foto-Workshops zu erleben.
Noch gibt es genug Zeitzeugen, die sich an fernsehfreie Abende erinnern können, an die Gespräche bei Kerzenschein am vor sich hin bullernden Küchenofen. Die meiste Zeit saßen die Frauen am Spinnrad, erledigten andere Handarbeiten, während die Männer Körbe flochten, Netze reparierten oder Rutenbesen banden. Und immer dabei: Geschichten von früher, oft vom Krieg und seinen Leiden bis hin zum neuesten Dorftratsch, zwischendurch mal ein Lied und manchmal ein Grog.
Marlene Jedro, Thomas Hegemer, Christa Buchan, Sigrid Konzack und Herbert Konzack gehören zu dieser Generation, die dies alles noch erlebten. Sie hatten sich bereiterklärt, dies den Fotografen zu zeigen, zu erklären und sich dabei „von allen Seiten“ fotografieren zu lassen. Dass sie dabei manchmal gar nicht so richtig zum Arbeiten kamen, lag an den Wünschen der Fotografen: Dem einen war die Smart-Watch am Handgelenk im Wege, dem anderen der Fernseher im Hintergrund oder das neuzeitliche Farbfoto an der Wand. Die Damen in Arbeitstracht in Christa Buchans warmer Wohnstube vermittelten einen perfekten Eindruck vom Leben einst in den Spreewalddörfern.
Thomas Hegemer zeigte anschließend die Schaffung des Plawniks, der einst von der Brandenburgischen Polizeiverordnung verpflichtend vorgeschriebenen eisfreien Stelle im Fließ vor dem eigenen Grundstück. Das Loch im Eis diente im Notfall zur Löschwasserentnahme, aber auch täglich für die Wasserversorgung in Küche und Stall, gegen das Zufrieren half ins Loch gestopftes Stroh.
Wenn es zum Nachbarn am anderen Dorfende ging, weil es mal etwas zum Feiern gab, wurde der Stoßschlitten benutzt. Die Dame, gut gegen Kälte geschützt, wurde vom Gatten auf Schlittschuhen über die Fließe geschoben. Für diese Szene zog sich Marlene Jedro alles an warmen Sachen an, was die Wintertracht hergab und ließ sich von Thomas Hegemer übers Eis schieben. Das nicht ganz einfache Ein- und Aussteigen bot auch hier wieder den Fotografen zahlreiche Motive. Beide Darsteller mussten das mehrmals wiederholen, weil die Fotografierenden ihre Positionen wechseln wollten.
Die schönen Seiten des Winters, besonders von den Kindern und Jugendlichen genutzt, spielten auch eine Rolle beim Workshop: Amalia Kuhla schnürte sich die Schnür-Schlittschuhe über die Stiefel und begab sich vorsichtig, unterstützt vom Eisstock, in Richtung Fließ. Die hochgebogenen Schlittschuhe sind ideal bei welligem Eis oder anderen kleineren Hindernisse – sie gleiten nahezu problemlos darüber hinweg. Der Eisstock mit Haken ist in vielen Situationen unentbehrlich: Er dient als Stütze, er hilft beim Ausstieg ans Ufer und kann im Notfall im Wurzelwerk verankert werden, um sich aus dem Eis zu ziehen.
Für die Fotografen war es eine Fülle an Eindrücken, die gelegentlich zum Wechseln von Speicherkarten und Akkus führten. Marlene Jedro hielt eine heiße Suppe parat und bereicherte mit ausführlichen Erklärungen aus eigenem Erleben die Fotoszenen.