Ankunft am Lehder Haus "Kalmus"
Wolfgang Gahl ist Jahrgang 1959 und ein echtes Lehd’sches Urgestein. Er erlebte noch, wie das Leben in seinem Heimatdorf einst ablief: Fast alle Familien lebten von kleinbäuerlichen Erwerbsbetrieben, vieles wurde mit dem Kahn transportiert. Kartoffeln, Kohlen, Viehfutter und selbst Umzüge wurden über die Fließe bewegt. Eisgang, Trockenheit und Hochwasser konnten die Wasserwege allerdings zeitweise unpassierbar machen. Auch der Schulweg des kleinen Wolfgang war mit dem Kahn verbunden – ein Kahn musste im Lagunendorf stets vor Ort sein.
Das Kahnfahren lernte Gahl wie viele Jungen und Mädchen seiner Generation ganz selbstverständlich. Mit 14 Jahren war er bereits als Hilfsfährmann im Lübbenauer Hafen tätig. Später arbeitete er als Kahnbauer bei der ortsansässigen Firma von Karl Koal. Heute stakt er als Gastgeber des familieneigenen „Haus Kalmus“ Feriengäste durch den Spreewald.
Dabei beobachtete er immer wieder, wie Urlaubsgäste selbst einmal das Rudel in die Hand nehmen wollten. Daraus entstand 2004 die Idee für eine Kahnfahrschule samt Kahnverleih. Wer die Technik beherrscht und die Regeln des Wasserstraßenverkehrs kennt, darf mit einem Kahn bis zu acht Personen ohne staatliche Genehmigung durch den Spreewald fahren. Zu seinen Schülern gehörte unter anderem der bekannte Entertainer und Sänger Achim Menzel.
Nun sitzt Wolfgang Gahl wieder als einziger Fahrgast im Kahn – diesmal neben seinem 500. Fahrschüler Torsten Münch aus Halle/Saale. Ruhig beobachtet er, wie sein Schüler den Kahn durch das enge Lehde steuert. Erst beim Anlegen gibt er noch einen wichtigen Hinweis: „Aufpassen, das Rudel darf nicht zwischen Kahn und Steg geraten!“
Am Steg des Brodg-Fließes warten bereits die Schweizer Karin und Franco Bizzini sowie Münchs Ehefrau Grit Schönberg-Münch. Sie hatte die Jubiläumsfahrt heimlich organisiert. Torsten Münch erfuhr erst bei der Übergabe seines Zertifikats, dass er der 500. Fahrschüler ist.
„Nun darf ich auch noch Kahn fahren – und werde bei unseren Urlauben hier bei Gahls regelmäßig davon Gebrauch machen und meine Frau durch den Spreewald schieben“, freut sich Münch.
Die Hallenser sind seit 20 Jahren Gäste im „Haus Kalmus“, die Schweizer Familie kommt seit 2017 regelmäßig. „Wir kommen jährlich für drei Wochen hierher und lieben den Spreewald abgöttisch. Für uns gibt es nirgendwo auf der Welt einen schöneren Ort“, sagt Karin Bizzini.
Auch künftig dürfte die Kahnfahrschule gut beschäftigt sein. Neben den Fahrschülern sind auch Gahls zwei Holzkähne regelmäßig für Familienausflüge unterwegs. „Meine Fahrschüler wachsen ständig nach“, sagt Wolfgang Gahl zufrieden über seine Geschäftsidee von 2004.
http://spreewald-haus-kalmus.com/kahnfahrschule/