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Gemeindebote - Amtsblatt der Gemeinde Neukieritzsch mit den Ortsteilen
Ausgabe 2/2026
Nichtamtlicher Teil
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Neujahrsansprache des Bürgermeisters

Liebe Neukieritzscherinnen und Neukieritzscher, sehr verehrte Gäste,

meine Worte an Sie beginnen nachdenklich aber dennoch als Appell an die Hoffnung, denn:

„Hoffnung ist nicht die Gewissheit, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht. – Egal, wie es ausgeht.

Der tschechische Bürgerrechtler und spätere Staatspräsident unseres Nachbarlandes Vaclav Havel, von dem diese Worte stammen, beschreibt damit sein eigenes Erleben aus der Zeit des Stalinismus, als er im Gefängnis saß. Er wurde wie viele andere mutige Menschen eingesperrt, die öffentlich die Einhaltung der Freiheitsrechte im damaligen Ostblock forderten. Man wollte ihnen so die vermeintliche Sinnlosigkeit ihres Handelns vor Augen führen. Wie es ausgegangen ist, wissen wir heute. Havel und die vielen anderen Verfolgten konnten es damals nicht wissen. Und doch trieb sie ihre Hoffnung an.

Das Verfolgen der Nachrichten aus aller Welt macht es heute dem Hoffenden wieder nicht leicht: Fürchterliche Kriege in der Ukraine und in Gaza wüten nun schon seit Jahren. Schwelende Konflikte in Venezuela, vor Taiwan, im Iran, ganz neu und völlig absurd, zwischen langjährigen, eigentlich Verbündeten um Grönland geben Grund zur Sorge um den Frieden in der Welt. Ein Gefüge, das uns lange Zeit Demokratie, Freiheit und Sicherheit gewährleistete, scheint besorgniserregende Risse zu bekommen. Die Ursachen sind in meinen Augen klar erkennbar. Es sind nationale Eigeninteressen autoritär geführter Länder bzw. Staaten, die sich auf dem Weg dahin befinden. Dieses Problem hat einen Namen. Es heißt Nationalismus.

Die mit den genannten internationalen Konflikten einher gehenden globalen wirtschaftlichen Verwerfungen spüren wir leider auch in unserer kleinen Gemeinde. Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass sie einen Bogen um uns machen:

Bereits im Oktober 2024 kündigte die Konzernzentrale von DOW Chemical an, mehrere Standorte in Europa auf den Prüfstand zu stellen. Schon damals wurden Stilllegungen von Betrieben nicht ausgeschlossen. Unser Standort in Böhlen/ Lippendorf wurde dabei auch genannt. Landrat Henry Graichen, meine Kollegen aus den Standortkommunen Dietmar Berndt, Holger Schulz, Pascal Németh und ich nahmen noch im Herbst Kontakt mit dem Management vor Ort auf, um jedwede Unterstützung anzubieten, die unsererseits für den Erhalt des Standorts nötig ist. Uns ist es aber vor allem wichtig, den Beschäftigten bei DOW in Böhlen-Lippendorf unsere Unterstützung beim Ringen um ihre Arbeitsplätze zuzusichern. Gegenüber dem Unternehmen werden wir nicht nachlassen, dessen Verantwortung gegenüber den Menschen im Betrieb und der Region einzufordern.

Um die Forderungen an das Unternehmen und die Politik sowie die Unterstützung für die Mitarbeiter zu bekräftigen, war es selbstverständlich, dass sich die kommunalen Amtsträger an der Kundgebung der IGBCE im Mai und dem Chemiegipfel von Gewerkschaft und Industrieverbänden im Dezember beteiligten.

Für diese Entwicklung bei DOW an den Standorten im Osten Deutschlands erwies sich die Entscheidung als fatal, die Bundestagswahl auf den 23. Februar vorzuziehen. Der folgende Prozess der Regierungsbildung mit dem damit verbundenen Stillstand in der Bundespolitik war in dieser Konstellation nicht förderlich. Hier fehlte es an der nötigen Aufmerksamkeit auf der Bundesebene für die Ankündigung von DOW im Vorjahr. Viel Zeit ging ungenutzt verloren. Zudem verlor die Region mit dem Wahlergebnis ihre bis dahin einzige hörbare Stimme in Berlin. Franziska Mascheck verlor ihr Bundestagsmandat.

Die Bundestagswahl war nicht die einzige Wahl im Jahr 2025, die für unsere Bürger von Interesse gewesen sein könnte.

Am 4. Juni wählten die Beschäftigten der Gemeinde ihren Personalrat neu. Mit dieser Wahl sind jetzt alle Bereiche der Gemeindemitarbeiter in ausgewogenem Anteil vertreten. Von der Runde des Personalrates wurde Frau Böer aus unserer Bauverwaltung als Vorsitzende gewählt

Am 29. Juni waren die Bürgermeisterwahlen in Baden-Württemberg angesetzt. Deizisaus Bürgermeister Thomas Matrohs wurde in unserer Partnergemeinde mit einem soliden Wahlergebnis im Amt bestätigt. Gerne folgte ich der Einladung zur Amtseinführung, die er am 30. Juli mit seinen Bürgern auf dem Marktplatz mit einem kleinen Volksfest feierte.

Einen Gegenbesuch von Bürgermeister, Gemeinderäten und Verwaltungsmitarbeitern aus Deizisau empfingen wir traditionell zum Wochenende um den Tag der Deutschen Einheit. Unsere Gäste staunten wieder sehr über das Programm, das ihnen geboten wurde. Dazu gehörten eine Besichtigung des Energieparks Witznitz, eine umfangreiche Präsentation des Könnens unserer Vereine und ein Besuch bei unseren Nachbarn in Altenburg.

Doch bereits Anfang September gab es schon einen besonderen Anlass, zu dem wir eine Delegation der Freiwilligen Feuerwehr unserer Partnergemeinde begrüßen durften:

Am 6. September feierte die Gemeinde Neukieritzsch ihre Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Großzössen mit ihrem 100. Gründungsjubiläum. Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch, Landrat Henry Graichen, der Vorsitzende des Feuerwehrverbandes im Landkreis, David Zühlke und ich als Dienstherr ließen es sich nicht nehmen, den Kameraden in der Feierstunde persönlich zu gratulieren und ihre Anerkennung zu übermitteln. Feierlicher Höhepunkt war die Segnung einer neuen Traditionsfahne für die Ortswehr Großzössen in der St. Nikolai Kirche durch Pfarrerin Franke. Die Stiftung „Lebendige Gemeinde Neukieritzsch“, die Stiftung-Energiepark-Witznitz und viele private Spender machten es möglich, diesen Geburtstagswunsch der Feuerwehr zu erfüllen. Der Jahrestag bot dann im weiteren Verlauf des Tages auch eine gute Gelegenheit für ein kleines Ortsfest mit Fackelumzug. Einen wesentlichen Beitrag für das Gelingen dieses schönen Tages leistete auch die Unterstützung des Helenevereins Großzössen bei Organisation und Ausgestaltung.

Ein ganzes Wochenende nahm sich die Ortswehr Neukieritzsch vom 24. zum 25. Mai für den gleichen Anlass, nämlich die ersten hundert Jahre ihres Bestehens zu feiern. Gleichzeitig das 30-jährige Jubiläum der Gründung der Neukieritzscher Jugendfeuerwehr. Auch hier war es dem Landrat, dem Kreisbrandmeister Nils Adam, Hauptamtsleiter Andreas Gohr und dem Bürgermeister angenehme Pflicht, den Kameraden der Ortswehr Neukieritzsch und deren Familien für ihr Engagement und selbstlosen Einsatz zu danken. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Hoffnung, dass das Geburtstagsgeschenk der Gemeinde, ein neues HLF 20 im Herbst übergeben werden könnte. Das Fahrzeug ist aber wenigstens schon in Arbeit. Wie später in Großzössen zeigten auch in Neukieritzsch die Feuerwehren der umliegenden Nachbargemeinden und der Ortswehren unserer Gemeinde ihre Kameradschaft, in dem sie Glückwünsche und interessante Präsente übergaben. Eindrucksvolle Einsatzdemonstrationen der Jugendfeuerwehr und der aktiven Abteilung der FF Neukieritzsch zu einem nachgestellten Verkehrsunfall brachten die Zuschauer zum Staunen.

Wenn eine Einsatzdemonstration recht entspannt von statten geht, ist das im „scharfen“ Einsatz etwas ganz anderes. Dass hier größte Professionalität von unseren Kameraden an den Tag gelegt wird, bewiesen sie bei den spektakulären Einsätzen, die es im vergangenen Jahr gab:

Beim Brand an den Lobstädter Lachen Ende März waren das unwegsame Gelände und die fehlenden Zuwegungen besondere Herausforderungen. Der Brandort war über lange Strecken nur zu Fuß zu erreichen. Das erforderte dann das Löschen buchstäblich fast mit der bloßen Hand. Die dort anzutreffenden Weidetiere erhöhten die Gefahr für die Kameraden zusätzlich.

Für große Aufregung sorgte der Wohnungsbrand in der Neukieritzscher Südstraße am 22. Oktober. Bei der Explosion in einer Erdgeschosswohnung erlitt der Wohnungsinhaber so schwere Brandverletzungen, dass er mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen werden musste. Es bestand Lebensgefahr. Mehrere Hausbewohner wurden von unseren Feuerwehrleuten aus dem brennenden Haus gerettet. Vier davon mussten wegen Rauchgasvergiftungen im Krankenhaus Borna behandelt werden. Alle betroffenen Hausbewohner kamen vorerst bei Verwandten, Freunden oder eben im Krankenhaus unter. Bis heute konnten die Hausbewohner aber noch nicht dauerhaft in ihre Wohnungen zurückkehren, weil die Brandschäden immer noch nicht vollständig behoben werden konnten.

Ich möchte heute noch einmal meine Anerkennung für den professionellen Rettungseinsatz der Feuerwehr und dem DRK aussprechen. Ich konnte mich persönlich davon überzeugen. Mein Dank gilt aber auch all denen, die später ohne große Umschweife Ausweichunterkünfte für die Betroffenen zur Verfügung gestellt haben. Dazu gehört auch unsere Frau Zippel, die ihr Telefon nicht eher ruhen ließ, bis endlich auch der letzte untergebracht war.

Noch am Jahresende sorgte ein Brand im Freiland auf einer früheren Hausmülldeponie bei Lobstädt für große Herausforderungen. Wieder im unwegsamen Gelände, ließ sich die Technik hier besser heranführen, als im Frühjahr. Die Bodenbeschaffenheit erwies sich dort aber als tückisch. Auf früheren Wasserflächen angeschwemmter Kohledreck brannte hier unter der Erdoberfläche. Der Brandherd und dessen Ausdehnung waren augenscheinlich nicht und wenn nur mit der Wärmebilddrohne zu lokalisieren. Dieser Einsatz forderte die Kameraden mehrere Tage, in einer Zeit, in der andere Weihnachtseinkäufe machen oder bei Glühwein den Weihnachtsmarkt genießen.

Die Weihnachtsmärkte in unserer Gemeinde werden im Übrigen in Neukieritzsch, Lobstädt, Großzössen und Kieritzsch von den Feuerwehren maßgeblich unterstützt oder gar gänzlich organisiert.

Im vergangenen Jahr wurden viele Feuerwehrkameraden auf Grund ihrer Dienstjubiläen ausgezeichnet und wegen erfolgreich absolvierter Ausbildung befördert. Einen möchte ich aus diesem Reigen besonders hervorheben:

Klaus Gassner wurde im November zum Feuerwehr- und Helfertag des Landkreises das Feuerwehr Ehrenkreuz in Bronze des Deutschen Feuerwehrverbandes verliehen. Dabei handelt es sich um die dritthöchste Feuerwehrauszeichnung in Deutschland. Er erwarb sich diese Anerkennung auch für seine Verdienste zum Wohl der Ortswehr Großzössen. In einem Alter, in dem sich andere zur Ruhe setzen, übernahm er Verantwortung, den Posten des Ortswehrleiters und rettete so die Ortswehr vor ihrer Auflösung.

2025 war nicht nur für die Feuerwehren der Gemeinde ein Jahr der Jahrestage und Jubiläen:

Am 18. Januar feierte der Neukieritzscher Karnevalsclub seinen 40. Geburtstag nach, der eigentlich schon am 11.11.2024 war. Auch hier zeigten die Clubs aus den Nachbargemeinden ihre Verbundenheit zu unserem NKC. Die Büttenrede von Kathleen Gerstl und die Einlagen der verschiedenen Tanzgruppen sorgten für helle Begeisterung. Eins habe ich allerdings vermisst: Die Trophäensammlung mit den Krawatten, die die Bürgermeister regelmäßig am 11.11. auf dem Markt zum Saisonstart einbüßen.

Nachgeholt werden musste 2025 auch das 120-jährige Gründungsjubiläum der Schule in Lobstädt. Am 9. Mai war der Zeitpunkt für das Schulfest gekommen.

Bei einem feierlichen Empfang im kleineren Kreis mit dem Lehrerkollegium, früheren Lehrern, dem Team vom Hort, Gemeinderäten und einer Vertreterin der Schulbehörde bedankten sich der amtierende Direktor, Herr Kämpfner und seine Vertreterin Frau Goltz bei ihrem Team und allen, die die Arbeit und das Leben in der Schule unterstützen. Dazu gehört seit dem letzten Jahr auch ein Schulförderverein. Das Geburtstagsgeschenk der Gemeinde war eine historische Tasse, die anlässlich des Schulfestes zum zehnjährigen Bestehen der Schule Lobstädt im Jahr 1914 angefertigt wurde, also selbst auch schon mehr als 110 Jahre alt ist. Zum großen Fest auf dem Schulhof mit einem bunten Programm der Schüler und mit Livemusik gab es viele Gelegenheiten sich im Schulhaus umzusehen und alte Schulfreunde wiederzutreffen.

Das Ende des 2. Weltkriegs in Europa hatte seinen 80. Jahrestag am 8. Mai:

An den Gedenkstätten in Großzössen, Pulgar, und Lippendorf legten wir gemeinsam mit Freunden aus den Niederlanden Blumen und Kränze nieder. Als Vertreterin aus den USA begrüßten wir Frau Soto, Geschäftsführerin bei DOW. Wir erinnerten uns an das Leid, das Menschen erdulden mussten, die während des Krieges als Zwangsarbeiter auf unser heutiges Gemeindegebiet deportiert wurden. Bei unmenschlichen Arbeits- und Lebensumständen, kamen viele dabei ums Leben. Zivile Opfer unter den Anwohnern forderten Bombenangriffe auf die Böhlener Werke. Nicht zuletzt gedachten wir den zumeist jungen Männern, die als alliierte Soldaten für unsere Freiheit ihr Leben gaben und denen, die noch kurz vor Kriegsende zu einem sinnlosen Endkampf für das untergehende Dritte Reich in den Tod geschickt wurden.

All das geschah auch bei uns. Vergessen wir es nie!

Aber die Erfahrung mit diesem Gedenken in den letzten Jahren zeigt, dass es gerade diese Gelegenheiten sind, die immer wieder neue Begegnungen mit Menschen möglich machen. Dabei war es jedes Mal so, dass bisher Unbekanntes aus ihrem Erleben berichtet wurde. Sie suchen und finden gerade deshalb den Weg in unsere Gemeinde. Das ist für mich Antrieb, dieses Gedenken weiter zu führen, neben der wichtigen Erinnerung an die Schrecken des Krieges.

Für ihre Leistungen in der Erinnerungsarbeit wurde eine Neukieritzscherin mit einer hohen Auszeichnung geehrt. Am 20. August hatte ich gemeinsam mit Henry Graichen die große Ehre bei der Verleihung des Sächsischen Verdienstordens an Dr. Gerlinde Rohr teilzunehmen. Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte uns dazu eingeladen und die Auszeichnung auch persönlich vorgenommen. Dem Vorschlag von Aufsichtsrat und Vorstand des 1. FC Lokomotive Leipzig folgte die Sächsische Staatskanzlei wegen ihrer Arbeit für das Deutsche Sportmuseum in Leipzig und die Erforschung der Vereinsgeschichte des Sportclubs. Der war vor 1933 sportliche Heimat vieler jüdischer Mitglieder. Diese Arbeit mündete in Jugendprojekten im Verein gegen Ausgrenzung, Diskriminierung und Antisemitismus. Eine verdiente Auszeichnung für eine engagierte Arbeit.

Der 80. Jahrestag vom Ende des 2. Weltkriegs war auch Anlass für mich, im April dem Gemeinderat einen Antrag zur Aufnahme der Gemeinde Neukieritzsch in die weltweite kommunale Gemeinschaft der Mayors for Peace, den Bürgermeistern für den Frieden vorzuschlagen. Ich möchte den Räten noch einmal für die mehrheitliche Zustimmung danken. In der vorigen Woche traf die Post aus Japan mit der Aufnahmeurkunde in der Gemeindeverwaltung ein. Datiert auf den 1. Januar 2026 und unterzeichnet von Matsui Kazumi, dem Bürgermeister von Hiroshima.

Die Mayors for Peace sind eine internationale Organisation, in der sich weltweit bisher 8560 Städte und Gemeinden zusammengeschlossen haben, um sich im Interesse ihrer Einwohner für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Die Gemeinde Neukieritzsch leistet nunmehr einen kleinen, aber ich finde wichtigen Beitrag dazu.

Einen großen Beitrag leistete die Gemeinde Neukieritzsch auf Grund ihrer Steuerkraft für die Umlage an den Landkreis und an den kommunalen Finanzausgleich des Freistaats. Per Bescheid wurde die Gemeinde im letzten Jahr verpflichtet rund 15,5 Mio. € Kreisumlage und rund 23,5 Mio. € Finanzausgleichsumlage an den Freistaat zu zahlen. 39 Mio. € sind eine stolze Summe. Wenn das Finanzamt den Steuerzahlern aber später in Summe eine größere Steuererstattung in Millionenhöhe gewährt, muss die Gemeinde das aus den bei ihr verbliebenen Mitteln zurückzahlen. Das war im letzten Jahr der Fall und machte uns durchaus ernste Sorgen. Eine Rückerstattung aus Kreis- und Finanzausgleichsumlage ist in diesem Fall nämlich nicht vorgesehen.

Der Landkreis ist auf diese Transferzahlungen dringend angewiesen. Mit der Sicherstellung seiner Pflichtaufgaben, z. B. im sozialen Bereich, kommen diese Mittel auch den Bürgern unserer Gemeinde mehr oder weniger sichtbar zu Gute. Es ist gut und richtig, dass sich finanziell gut aufgestellte Gemeinden gegenüber schlechter gestellten Gemeinden auch finanziell solidarisch verhalten müssen. Wenn das auf der Grundlage eines Steueraufkommens erfolgt, das der Gemeinde später aber tatsächlich nicht in voller Höhe zur Verfügung steht, habe ich damit ein Problem, das als gerecht zu empfinden.

Im Gegensatz dazu wartete die Gemeinde Neukieritzsch im letzten Jahr vergeblich auf fest zugesagte Fördermittel für den Bau der Oberschule in Deutzen. Der im Sommer mit Spannung erwartete Doppelhaushalt des Freistaats für 2025/26 sah aber Fördermittel für den Schulneubau leider gar nicht vor. Mit dem Antrag auf Städtebaufördermittel und dem damit in Verbindung stehenden Ortsentwicklungskonzept für Deutzen wurden wir ebenfalls in die Warteschleife geschickt, mit der Aufgabe der Überarbeitung.

Dabei spitzt sich die Situation um den Aufwuchs der Schülerzahlen im Oberschulbereich in unserer Region zu. Und genau hier will die Gemeinde Neukieritzsch ja mit dem Neubau einer Oberschule in Deutzen helfen, die Situation zu entspannen. Kultusminister Klemens bat die Gemeinde deshalb bei seinem Besuch im Mai dringend, die Planung für den Schulbau weiter voranzutreiben. Am 18. Juli übergaben wir den Bauantrag persönlich an die Amtsleiterin des Bauordnungsamtes, Frau Gräbner. Die Baugenehmigung von dort erwarten wir im Frühjahr. Zur Bürgerversammlung am 13. November in der Kirche in Deutzen bestätigte immerhin Herr Jahns vom Kultusministerium vor den zahlreich dort versammelten Besuchern, dass an der Fördermittelzusage über mehr als 12 Mio. € für das Schulgebäude festgehalten wird. Offen ist hier aber noch die Förderung für die Sporthalle, was wohl noch der Anfrage von uns beim Ministerium bedarf. Die Abrisskosten für den Altbau sollen über die Städtebaufördermittel kofinanziert werden. Wir haben als Bauherr und späterer Träger jedenfalls unsere Aufgaben mehr als erfüllt, sind sogar mit den Planungskosten in Vorkasse gegangen. Die Eigenmittel sind aktuell noch verfügbar. Der Ball für den weiteren Erfolg unserer Anstrengungen liegt jetzt beim Fördermittelgeber.

An unseren Grundschulen tat sich im vergangenen Jahr aber einiges:

Im Februar wurden die Maßnahmen zur Umsetzung des Digitalpakts abgeschlossen. Beide Schulen sind nunmehr vollständig mit hochmodernen digitalen Schultafeln ausgestattet.

Nachdem das Gebäude der Grundschule in Neukieritzsch fast komplett rekonstruiert ist, beschäftigen wir uns dort jetzt mit der Neugestaltung des Schulhofes. Das überlassen wir aber nicht nur dem Planungsbüro und dem Bauamt. Bei einem Workshop im Juni war es Aufgabe der Schüler, sich hier selbst ernsthafte Gedanken zu machen, wie es künftig vor ihrer Schultür aussehen soll. Da das Ergebnis dann auch den Koordinationskreis der LEADER-Region im Südraum Leipzig überzeugte, ist das ein Zeichen dafür, dass dabei etwas ganz Besonderes herausgekommen ist. Von dort erhielten wir nämlich, passend zum Weihnachtsfest eine Fördermittelzusage über 250 T€ für die Umsetzung.

Gute Nachrichten gibt es auch vom Umbau von Hort und Grundschule in Lobstädt. Derzeit läuft in den oberen Etagen der Ausbau mit Maler-, Fußboden- und Fliesenlegearbeiten. Es sieht danach aus, dass dort alles zum neuen Schuljahr fertig sein wird.

Die Sorgenfalten trieb uns aber fast das ganze letzte Jahr das Projekt für den Neubau des Kindergartens der „Lobstädter Würmchen“ ins Gesicht. Um genau zu sein, ist es hier der Baugrund, der sich als schwierig erweist, da es sich um Kippenboden einer verfüllten Kohlegrube handelt. Nach einem Baustopp und weitergehenden Untersuchungen gelangten wir dann doch zur Erkenntnis, dass an Ort und Stelle weitergebaut werden kann. Allerdings mit weiterem Aufwand bei Bodenplatte, Bauausführung des Gebäudes und einer Überwachung des Setzungsverhaltens im Untergrund. Hier sind wir auch mit dem Fördermittelgeber im engen Kontakt. Wir stehen jetzt vor der Entscheidung über eine, im wahrsten Sinne des Wortes, tragfähige Lösung, baulich und auch wirtschaftlich. Wenn darüber spekuliert werden sollte, die Gemeinde wolle das Vorhaben aufgeben, möchte ich deutlich klarstellen, dass es stimmt nicht.

Erheblich besser verhielt es sich mit den Maßnahmen für den Straßenausbau in Kieritzsch. Die ersten beiden Bauabschnitte waren im März fertig gestellt worden und konnten Anfang April für den Verkehr übergeben werden.

Auf Antrag des Ortschaftsrats wurde auch der dritte Bauabschnitt in der Pödelwitzer Straße im Laufe des vergangenen Jahres geplant, gebaut und Mitte Dezember fertig gestellt. Die Finanzierung erfolgte ohne Förderung, ausschließlich aus Eigenmitteln der Gemeinde.

Das letzte Stück, das noch auf einen Ausbau wartet, ist die Einbindung der Bornschen Gasse auf die S 71. Dabei handelt es sich um eine Baumaßnahme des Freistaats. Leider konnten wir uns hier mit dem LaSuV nicht über die Übernahme der Mehrkosten für die Planung der Anpassung der neuen Gemeindestraße auf den Altbestand der Staatsstraße einigen. Darauf bleibt die Gemeinde sitzen, obwohl die anhaltende Bauverzögerung auf Seiten des Freistaats dafür die Ursache ist.

Bestimmendes Thema im Bereich der Baumaßnahmen in der Gemeinde im vergangenen Jahr war auch der Glasfaserausbau für schnelles Internet durch die Firma König im Auftrag von enviaTel. Ausgenommen einiger kleinerer vereinzelter Schwierigkeiten verlief dieses Projekt relativ schnell und geräuschlos. Als ein größeres Problem entwickelte sich im September die Straßenvollsperrung der Glück-Auf-Straße in Lobstädt. Hier zeigte sich wieder, dass diese Verbindung zu unseren Ortsteilen Großzössen und Kahnsdorf ein Nadelöhr ist. Sperrungen bedeuten hier Umleitungen von erheblichen Distanzen. Diese Situation förderte einmal mehr die Erkenntnis, dass eine alternative Ortsverbindung von Neukieritzsch nach Kahnsdorf schlicht und einfach notwendig ist. Allerdings fehlt mir bei schrumpfenden Einnahmen der Gemeinde und schlechter Fördermittelsituation die Vorstellung wie eine Finanzierung dieser Straße aussehen könnte. Die war ursprünglich als sogenannte § 4 Kohleersatzmaßnahme zur Wiederherstellung von Wegeverbindungen als Leistung der LMBV vorgesehen. Die Finanzmittel dieser Art stehen auch seit 2021 nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung.

Auch kleinere Anschaffungen und Einrichtungen erleichtern das Leben in der Gemeinde.

Seit Januar 2025 ist der Mängel- und Störungsmelder auf der Internetseite der Gemeinde eingerichtet. Ganz unkompliziert gelangt Ihre Meldung an den entsprechenden Empfänger in der Verwaltung, damit so schnell wie möglich Abhilfe geschaffen werden kann.

Sind im Einwohnermeldeamt seit geraumer Zeit schon Onlinetermine buchbar, können Sie dort jetzt auch die Fotos für Reisepass oder Ausweis fertigen lassen.

Ganz neu ist unser Werbemobil. Ein schicker Transporter mit neun Sitzplätzen steht für die Nutzung durch Vereine und soziale Einrichtungen für Personentransporte zur Verfügung. Buchen können Sie das Fahrzeug (natürlich nur gegen Vorlage eines gültigen Führerscheins) im Sekretariat der Gemeindeverwaltung. Finanziert wurde es durch Firmenwerbung. Ein großes Dankeschön gilt den Sponsoren!

Bezüglich der Vollbesetzung in der Kernverwaltung der Gemeinde sollte meine Freude vom Neujahrsempfang im letzten Jahr nicht lange anhalten. Aber der Reihe nach.

Gleich am 2. Januar begrüßten wir unsere Bauamtsleiterin Frau Freiberg. Nach einem Jahr im Dienst der Gemeinde kann ich sagen, dass wir mit ihr eine sehr gute Wahl getroffen haben. Mir kommt es immer wieder so vor, dass sie gar nicht erst seit einem Jahr bei uns ist.

Leider traf unsere Amtsleiterin in der Kämmerei, Frau Wenner, im Februar das Schicksal, dass sie bei einem unverschuldeten Unfall schwer verletzt wurde. Wir wünschen ihr von hier aus gute Besserung! Die Vakanz dieses wichtigen Leitungspostens ist für uns bis heute ein großes Problem. Hinzu kam, dass in diese Zeit noch eine Überprüfung des Sächsischen Rechnungshofes fiel. Umso mehr danke ich unserer Frau Ludwig, die mit großem Fleiß und Sachverstand diesen harten Job mit Bravour meistert. Damit ein großes Kompliment an Frau Ludwig!

Personell machte sich auch eine Umbesetzung im Haus notwendig. Frau Hain wechselte vom Bauamt ins Standesamt, so dass ihre, erst Ende vorletzten Jahres wieder besetzte Stelle, erneut frei wurde. Inzwischen kann Frau Hain nach entsprechender Qualifizierung in der nächsten Woche zur Standesbeamtin bestellt werden.

Die frei gewordene Stelle für den Brandschutzsachbearbeiter im Hauptamt konnten wir im November mit Herrn Hartmann neu besetzen. Er ist vielen in Neukieritzsch schon als Ortswehrleiter bestens bekannt.

Last but not least war es Zeit im Dezember Herrn Dr. Wüste auf dem früheren Platz von Frau Hain im Bauamt zu begrüßen.

Zum Ausblick auf das bereits begonnene Jahr kann ich auf die vielen Projekte verweisen, die bereits angelaufen sind und von mir eben beschrieben wurden.

Richtungweisend für die Zukunft der Gemeinde sind Projekte, wie unser Flächennutzungsplan und das Strukturentwicklungskonzept. Die dafür vorgesehene Bürgerbeteiligung wurde gut angenommen. Ich kann Sie nur weiter dazu ermuntern, diese Angebote reichlich zu nutzen! Sie sind herzlich eingeladen, unsere Gemeinde mitzugestalten!

Konkrete Projekte, deren Planung startet, sind der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Kahnsdorf und die energetische Grundsanierung unseres Gemeindeamts. Beides ist schon seit langem überfällig. Sinn und Zweck des Gerätehauses steht sicher außer Frage. Zur Sanierung des Gemeindeamts möchte ich erklären, dass es sich hierbei um unser Aushängeschild als Gemeinde handelt. Eine moderne, zweckmäßige und freundliche Arbeitsatmosphäre trägt stark zur Mitarbeiterzufriedenheit bei, die sich nachweislich positiv auf die Qualität der Arbeit auswirkt. Das sollte auch im Interesse unserer Bürger sein. Und nicht zuletzt sollen Sie sich als Bürger bei uns wohl fühlen, wenn ein Behördengang ansteht.

Nach einem ereignisreichen Jahr könnte ich noch ganz viele Beispiele nennen, die unsere schöne Gemeinde so lebens- und liebenswert machen. Ich würde von dem unendlich großen Engagement im Ehrenamt und der Liebe der Menschen zu ihrer Heimat berichten. Allein die Zeit ist es, die mir hier Grenzen setzt, denn ansonsten würde ich bis heute Abend noch reden müssen. Wer von mir heute nicht erwähnt wurde, möge es mir verzeihen und ein Zeichen geben, damit ich bei passender Gelegenheit den Bericht nachholen kann. Sicher ist noch im weiteren Verlauf des Empfangs die Gelegenheit, mit einer Stiftungszuwendung gewürdigt zu werden. Drei Dinge seien allen ehrenamtlich Tätigen Gewiss: Der Wunsch, dass Ihnen die Freude daran erhalten bleibt, die Ermutigung weiterzumachen und der größte Dank für Ihr tun.

Einen sehr schönen, feierlichen Anlass möchte ich für 2026 doch noch ankündigen. Die Errichtung und Einweihung eines Gedenksteins für unseren größtenteils vom Tagebau überbaggerten Ortsteil Breunsdorf. Die Umsetzung trifft auch mit dem 800. Jahrestag der Ersterwähnung des Dorfes zusammen. Auf Initiative des Bergbauexperten Prof. Dr. Berkner beteiligen sich MIBRAG, deren GALA-Baubetrieb, die Gemeinde Neukieritzsch, die Geschichtswerkstatt und auch eine Vertretung der früheren Bewohner Breunsdorfs daran. Finanziell wird das Projekt durch Spenden, die Prof. Dr. Berkner noch als Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbands anlässlich seines Eintritts in den Ruhestand erbeten hat. Ich finde, eine wundervolle Geste von ihm, die Sinn macht.

Mit diesem Satz ist mir dann doch der Bogen zum Anfang meiner Ansprache gelungen. Bleibt mir nur noch ein letzter Wunsch: Möge uns der Frieden im Land erhalten bleiben und der Frieden in der Welt sich endlich einstellen! Bleiben Sie gesund und hoffnungsvoll!

Ihr Bürgermeister Thomas Meckel
Glückauf!