Ein Ortswechsel für den monatlichen Seniorennachmittag in Kleinhelmsdorf war schon länger geplant, berichtet Martina Morawe, die Sprecherin der Kleinhelmsdorfer Senioren. Statt im gewohnten Seniorenraum traf man sich dieses Mal zu einem Ausflug ins benachbarte Thüringen. Das Ziel war der Zeitzgrund nahe Hermsdorf.
Dort besuchten die Senioren die Ziegenmühle, eine von ehemals elf Mühlen der Region, die heute als Braugasthof geführt wird. An diesem sonnigen Tag brachte die Gruppe nicht nur Appetit zur Mittagszeit und Durst auf Kaffee mit, sondern auch jede Menge Wissbegierde. Denn in der Ziegenmühle wird eigenes Bier gebraut. Das Braurecht erhielt die Privatbrauerei im Thüringer Holzland am 23. September 2017 per Ratsbeschluss durch die Bürgermeisterin der Gemeinde. Eine Urkunde des Deutschen Markenvereins in München bestätigt dieses Recht offiziell.
Dabei ist das Bierbrauen und -trinken natürlich keine Erfindung der Neuzeit. Schon lange vor dem Erlass des Reinheitsgebotes – dem heutigen Qualitätsversprechen für die Bierherstellung – sorgten sich die Bauern auf ihren Höfen um die Ernte von Hopfen und Getreide und hofften auf Gottes Beistand für ein gutes Gelingen.
Auch in der Heimat der Senioren hat das Brauwesen Tradition. Die Kleinhelmsdorfer wissen aus der Ortsgeschichte, dass in ihrer Region einst Bier hergestellt wurde. So ist in der Chronik nachzulesen, dass Bernhard Busch, der Großvater von Roland Tresselt, damals als „Biersteuereintreiber“ tätig war. Zudem wurde 1682 im Nachbarort Roda eine Brauerei gegründet. Der Eingang zum Gebäude der ehemaligen Brauerei Kropp ist dort noch heute sichtbar. Im Jahr 1926 wurde der Betrieb von der Brauerei Oettler aus Zeitz übernommen und das Brauen eingestellt – Details dazu lassen sich im Heft „850 Jahre Roda, gestern und heute“ nachschlagen.
Zum Abschluss lauschten die Senioren aufmerksam einem Vortrag über das Handwerk des Bierbrauens. Der Juniorchef und Sohn des Braumeisters erklärte, dass die Rohstoffe wie Hopfen und Getreide größtenteils aus der Region stammen. Auch das Brauwasser profitiert von den guten lokalen Bodenbedingungen. Seniorin Ingrid Tyralla hörte hier besonders gut zu und ergänzte die Ausführungen fachkundig: Auch im Raum Schkölen sowie in Teilen des Gemeindegebietes Molauer Land seien diese hervorragenden Bedingungen für den Anbau zu finden.