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Heimatspiegel Verbandsgemeinde Wethautal mit Sitz in der Stadt Osterfeld
Ausgabe 17/2026
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Das ehemalige Rittergut in Pauscha – vom „Juwel“ zum Zukunftsdorf?

 

Die Besitzverhältnisse des etwa 18 Hektar großen Areals des ehemaligen Rittergutes in Pauscha, unmittelbar hinter Osterfeld in Richtung Löbitz, lassen sich im Landesarchiv Sachsen-Anhalt nachvollziehen. Über Jahrhunderte waren hier verschiedene Adelsfamilien ansässig. Dazu gehörten die von Bünau, deren Familie zum Naumburger Uradel zählte und bis ins 12. Jahrhundert (1166) zurückreicht. Auch der Adlige Johann Karl von der Bracke, der 1830 in Pauscha verstarb, sowie die Adligen von Minckwitz, deren Linie zu einem mitteldeutschen Adelsgeschlecht gehörte, residierten einst in Pauscha.

Noch heute zeugen die Jahreszahl 1752 im Wappen des damaligen Besitzers sowie die vor Jahrhunderten errichteten Bauwerke von dieser Zeit. Interessant für die Geschichte des Gutes ist auch, dass Wilhelm Gütte, der damalige Direktor der Zeitzer Zuckerfabrik, das Gut im Jahr 1929 pachtete.

Mit dem Befehl Nr. 2 der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) vom 10. Juni 1945 und der Anordnung zur Bodenreform änderten sich die Besitzverhältnisse grundlegend. Das einstige „Juwel“ wurde enteignet und zum „Volkseigentum“. Es entstand das Volkseigenes Gut (VEG) Pauscha.

Zunächst wurden die Gebäude zu Wohnraum für „Flüchtlinge“. Gemeint waren Familien, die infolge des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat in Schlesien, Ostpreußen oder anderen Regionen verlassen mussten. Das Gut bot diesen Menschen nicht nur eine Unterkunft, sondern auch Arbeitsmöglichkeiten auf den Feldern und in der Landwirtschaft. Die Kinder dieser Familien spielten auf dem Gelände und halfen bei der Arbeit mit. Einige von ihnen können heute noch als Zeitzeugen von dieser Zeit berichten.

Heute verfolgt der Leipziger Verein ebenso e. V. die Idee, auf dem Gelände ein Zukunftsdorf entstehen zu lassen. Gewerbe könnte sich ansiedeln, Ateliers entstehen und letztlich auch Wohnungen geschaffen werden.

Um diese Idee vorzustellen, hatte der Verein am 15. August bereits zum 4. Sommerfest eingeladen. Zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, das weitläufige Gelände zu erkunden. Lediglich der Zugang zum Festgelände war für einige, insbesondere ältere Besucher, aufgrund der vorhandenen Zugangssperre neben dem alten Wiegehäuschen etwas beschwerlich.

 

 

Wer die Hofanlage schließlich erreicht hatte, konnte die Wohn- und Stallgebäude sowie die alten Scheunen besichtigen. Auch die Spuren des ehemaligen VEG Pauscha sind noch deutlich zu erkennen. Gleichzeitig wird aber auch sichtbar, wie stark die Natur inzwischen Besitz von dem einstigen „Juwel“ ergriffen hat. Von der früheren Nutzung als landwirtschaftlicher Betrieb, die bis zum Jahr 1990 andauerte, ist heute nur noch wenig zu erkennen. So blieb die Idee des Vereins, hier ein Zukunftsdorf zu schaffen, für viele Besucher zunächst eher eine Vision.

 

 

Ein Zeitzeuge brachte zum Sommerfest ein Foto aus den 50er-Jahren mit. Es zeigt den Melker Alfred Metze, den Verwalter des VEG, Walter Näpel, sowie Günter Rücker, Willi Budoch und Paul Pfaffendorf. Das historische Bild vermittelt einen kleinen Eindruck aus jener Zeit und lässt erahnen, wie lebendig das Gut einst gewesen sein muss.

 

 

Die Geschichte des ehemaligen Rittergutes ist damit längst nicht zu Ende erzählt. Vielleicht beginnt mit der Idee eines Zukunftsdorfes sogar ein neues Kapitel in der wechselvollen Geschichte von Pauscha.

Text u. Fotos: W. Börner