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Amtsblatt und Dorfzeitung der Gemeinde Markersdorf
Ausgabe 10/2023
Kirchliche Nachrichten
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Andacht

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Für die meisten Menschen hat das gemeinschaftliche Zusammenkommen einen hohen Stellenwert, wenngleich die digitalen Kommunikationsmittel ein immer größeres Defizit schaffen.

Doch Menschen kommen gern zusammen, um miteinander zu reden, voneinander wie auch übereinander. Mögen es Streitgespräche oder Diskussionen sein, konkrete Austauschrunden oder einfach nur Erinnerungen oder Klatsch, alle Gesprächsformen haben ihren Wert, wenn gewisse Regeln eingehalten werden. Vielleicht fallen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Gespräche ein, die etwas Bemerkenswertes an sich hatten.

Schauen wir in die Geschichte zurück, Jahrzehnte und Jahrhunderte, haben geschriebene wie gesprochene Worte Unglaubliches bewirkt oder und nach sich gezogen. Ich denke besonders an verbreitete Unwahrheiten, mit denen Menschengruppen oder gar ein Volk aufgewiegelt und damit Hass geschürt wurde, aus denen Aufstände bis hin zu Kriegen entstanden.

Warum schreibe ich darüber – weil ich auf unseren eigenen Umgang des Hörens und des Redens aufmerksam machen möchte. Derzeit hören wir von Verschwörungen, falschen Versprechungen bis hin zu verkleideten Lügen. Und dann? Wir sind in der Versuchung, das Gehörte weiterzutragen, ohne uns von der Wahrhaftigkeit und Richtigkeit zu überzeugen. Schon in der Bibel lesen wir in 30 unterschiedlichen Zusammenhängen von falschen Aussagen und ihren verheerenden Folgen. Offensichtlich handelt es sich um eine Schwäche wie auch um ein Instrument der Menschheit.

Vermutlich trifft manches, was uns der Nachbar, die Zeitung, der Nachrichtensprecher, die Verkäuferin und der Politiker sagen, nicht in dem Maße zu. Doch wir legen beim Weitererzählen noch eins drauf und verbreiten dadurch immer mehr Unmut.

Am besten, wir streichen die Masche: „ich habe gehört, dass …“ und beherzigen das 8 Gebot: „Du sollst nicht falsches Zeugnis geben wider deinem Nächsten.“

Gabi Kretschmer,
Umweltbeauftragte des Bistums Görlitz