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Mölkauer Gemeindeblatt
Ausgabe 2/2026
Aus dem Mölkauer Leben
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Wer kennt noch den CCM?

Mölkau hat nicht nur Geschichte – es hatte auch Humor. Und dafür sorgte viele Jahre lang ein kleiner, aber großherziger Verein mit ganz viel Taktgefühl und Tusch.

Man kann es kaum glauben, wo hier heute doch eher wenig Faschingsbegeisterung herrscht, doch es gab ein ausgelassenes Brauchtum, das jedes Jahr im Winter für bunte Kostüme, volle Säle und herzhaftes Lachen sorgte: den Karneval. Verantwortlich für dieses närrische Treiben war der Carneval Club Mölkau, kurz CCM. Der CCM entstand in den letzten Jahren der DDR oder kurz nach der Wende, als sich auch im Osten Deutschlands das närrische Vereinsleben wieder stärker entfaltete. Was als kleine Gemeinschaft karnevalsfreudiger Mölkauer begann, wuchs rasch zu einem festen Bestandteil im Jahreslauf des Stadtteils heran. Der CCM war im Raum Leipzig durch seine Karnevalsveranstaltungen recht beliebt und sogar überregional bekannt. Mitglieder aus allen Altersgruppen – von tanzbegeisterten Kindern bis zu karnevalserprobten Senioren – machten den Verein lebendig. Besonders hervor stach dabei Jürgen Weißenborn, der über zehn Jahre lang als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins leitete. Unter seiner Führung wurden Karnevalssitzungen organisiert, Tanzgruppen aufgebaut und Büttenreden geschrieben, die das Publikum regelmäßig zu Lachstürmen hinrissen.

Der CCM war mehr als ein Verein – er war ein Stück Heimat. Wenn im Spätwinter die Kostüme aus dem Schrank geholt wurden und die ersten Proben liefen, verwandelte sich das Alltagsleben in Mölkau. Für einige Wochen im Jahr stand der Ort Kopf – mit Sitzungen, Umzügen und einem familiären Miteinander, das seinesgleichen suchte. Die Veranstaltungen des CCM reichten von ausgelassenen Prunksitzungen über Kinderfasching bis hin zu Tanzabenden, bei denen man das Grau des Februars für ein paar Stunden vergaß. Die Säle waren voll, die Stimmung heiter, und die Programme reich an lokalem Witz – gern nahm man das politische Geschehen in Leipzig oder Eigenheiten der Mölkauer „Originale“ aufs Korn. Der Club war bekannt für seine selbst entworfenen Kostüme, liebevoll gestalteten Dekorationen und die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die alles stemmten – vom Bühnenaufbau bis zum Pfannkuchenverkauf. Wie viele Vereine litt auch der CCM mit der Zeit unter Nachwuchssorgen. Oder an Abspracheproblemen, besonders hinsichtlich der Räumlichkeiten für Proben. Wer hätte gedacht, dass fehlendes Engagment und Kurzsicht involvierter Partner den gelebten Frohsinn ein Ende bereiten würden. Ohne Probemöglichkeiten kein Event. Ohne engagierte Mitstreiter kein Programm. Irgendwann verstummte der Ruf „Mölkau Helau“ – die letzte bekannte Erwähnung stammt aus den frühen 2010er Jahren.

Doch auch wenn es den Carneval Club Mölkau heute nicht mehr gibt, lebt sein Geist weiter – immermal wieder kommt jemand daher, der sich genau sowas wünschen würde. Und es gibt Erinnerungen, Fotoalben und Erzählungen derer, die ihn miterlebt haben.

Und wer weiß – vielleicht finden sich eines Tages Enthusiasten, die eine Funkengarde nebst Männerballett wieder auferstehen lassen, einen Vorstand gründen und mit Programm, Gags und närrischem Treiben Mölkau wie einst zwischen November und Februar im „Griff halten“.