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Mölkauer Gemeindeblatt
Ausgabe 3/2026
Aus dem Ortschaftsrat
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Mölkau: Vision für Jugendzentrum statt Millionen-Investition in Interim-Kita

"Liebe Gäste,

Vergangenheit braucht Historiker, Gegenwart bedarf der Macher, aber die Zukunft braucht Visionen. Und: wer Visionen hat, ist entweder reif für die Psychiatrie oder geeignet für die Politik.

Letzteres wusste schon der Gemeinderat Mölkau Mitte der 90er Jahre, als er mit seinen Leitlinien zur Gestaltung Mölkaus“ eine zwar weniger visionäre, dafür aber weitgedachte Strategie zur Weiterentwicklung unseres Ortes aufstellte. Wer darin blättert, findet all die Themen wieder, die uns auch heute erneut - oder sollte man besser sagen „noch immer“ – schwerpunktmäßig beschäftigen: Verkehr, Infrastruktur, Freiflächen.

Jene Leitlinien verschwanden jedoch mit der Eingemeindung Mölkaus schnell in den Schubladen, schließlich war ab dann die Stadtverwaltung mit all ihren Ämtern nun Herr über Stadt und Land. Und so verspürte unser Ort eine gewisse Stagnation – ein Dornröschenschlaf, wenn man so will.

Die Mühlen der Verwaltung hatten uns fest im Griff, aber ohne uns zu beachten.

Bis zum Jahr 2019: Nach den OR-Wahlen meldete sich plötzlich ein Stadtteil viel öfters als gewohnt bei den unterschiedlichsten Ämtern und stellte viele unangenehme Fragen. Mölkau, das war nicht länger ein unbekannter Fleck auf dem Stadtplan – es war das gallische Dorf schlechthin!

Verwaltungshandeln wurde zunehmend hinterfragt, Anträge um Anträge eingereicht und vom Rederecht im Stadtrat mehr als zuvor Gebrauch gemacht - denn die Visionen, die der neue Ortschaftsrat unter Führung des ebenfalls neuen und noch unbekannten Ortsvorstehers Dietze hatte, mussten schließlich – wie er immer zu sagen pflegt – „in die richtige Rille rein“.

Ob es an der Fülle von Visionen lag, ist nicht bekannt, aber auch die Stadt selbst erkannte, dass es einer gewissen Notwendigkeit und Strategie bedarf, um alle 14 eingemeindeten Ortschaften gleichwohl an der Stadtentwicklung teilhaben zu lassen.

Im Frühjahr 2025 stellte das Stadtplanungsamt daher ein neues Konzept vor. Unter dem Motto „Ideen für Mölkau – Strategie für die Ortsentwicklung“ wollte die Stadt unter Bürgerbeteiligung das Wachstum unseres Ortes mit seinen Stärken und Schwächen unter die Lupe nehmen und daraus Planungsempfehlungen ableiten.

Einige unter Ihnen sind damals dem Aufruf ins ehemalige Gemeindeamt gefolgt und haben sich an den Diskussionen beteiligt oder zumindest verfolgt. In der Februar-Sitzung des Ortschaftsrates wird uns der erarbeitete Entwurf der Ortschaftsstrategie vorgestellt.

An dieser Stelle darf ich Sie daher einladen, gern daran teilzunehmen. Wir dürfen gespannt auf das Ergebnis sein, denn viele Themen aus den Bereichen Infrastruktur, Freizeitangebote, ÖPNV, Grünflächen oder Nahversorger standen zur Debatte bzw. verlangen Handlungsbedarf.

Interessant dürfte dabei u.a. auch das weitere Schicksal das ehemalige Schulhortgeländes an der Zweinaundorfer Str. sein. (Das Gelände neben der Kegelbahn wird seit dem Umzug des Hortes auf den Schulcampus vom Gebäudemanagement der Stadt Leipzig als Lager genutzt).

Wie sicher einige unter Ihnen wissen, sehen die Planungen der Stadt Leipzig vor, die bisherige Gebäudesubstanz abzureißen und einen zweistöckigen Ersatzneubau für ca. 6 Mio Euro zu errichten - nicht an gleicher Stelle (das wäre zu einfach), sondern auf dem straßenseitig gelegenem Außengelände.

Die Krux dabei: es handelt sich bei dem Vorhaben in erster Linie um einen Interimsbau, um sanierungsbedürftige Kitas in Nachbarstadtteilen für deren notwendige Modernisierung für die nächsten mind. 10 Jahre freizulenken. Die Unterbringung Mölkauer Kinder spielt hierbei keine vorrangige Rolle. Ein Fakt, der für uns als Ortschaftsrat nur schwer zu verdauen ist. Die Vernichtung des bisherigen Baum- und Gebäudebestandes für ein Vorhaben, das unserem Ort gar nicht unmittelbar zugutekommt? Und das bei fortwährend sinkenden Bedarfszahlen? Bereits 2022/2023 erfolgte dazu ein Architekturwettbewerb. Der Baustart sollte unlängst erfolgt sein, jedoch wurde noch keine Baugenehmigung erteilt. Im aktuellen Sachstandsbericht zu den Kita-Baumaßnahmen ist dieses Vorhaben in Abhängigkeit der Haushaltslage frühestens für 2027/2028 geplant.

Dabei gibt es unlängst Ideen für eine zielgerichtete Weiterverwendung des Areals, die kosten- und ressourcenschonend einen tatsächlichen Bedarf decken könnte. Geradezu ideal scheint der derzeitige Bestand geeignet zu sein, um einer Altersgruppe ein Angebot zur Verfügung stellen zu können, die bisher gar nicht im Fokus auftaucht: die Jugend von Mölkau.

Jene 14- bis 18-Jährigen, die sich für den derzeitige Jugendclub und dessen Angebote „zu alt“ fühlen oder die Öffnungszeiten nicht nutzen, weil diese ihren Freizeitbedarf nicht decken. Jene Teenager also, über die sich Anwohner beschweren, wenn sich einige von ihnen abends an den Parkbänken treffen und „abhängen“.

Aus Sicht des Jugendamtes ist Mölkau hingegen für junge Leute bis 27 Jahre bedarfsgerecht (was immer das genau bedeutet) ausgestattet. Woher diese Erkenntnis kommt, ist nicht nachvollziehbar.

Was aber wäre, wenn wir für den ehemaligen Hort ein kluges Konzept entwickeln würden, das als Freizeit- und Jugendbegegnungsstätte die bestehende Substanz einschließlich der großen Außenanlagen weiter nutzt? Das gemeinsam mit größeren Jugendlichen erarbeitet wird und sie bei der späteren Nutzung mit in die Verantwortung nimmt? Durch die getrennten großzügigen Räume böten sich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten an - für einen Treff, der Zulauf bietet für alle Interessengruppen und Altersklassen, auch nach 19:00 Uhr und an Wochenenden? Der bisherige Jugendclub – derzeit untergebracht im ehemaligen Gemeindeamt - könnte sich hier einbringen und sein Angebot erweitern.

Er läge dazu unmittelbar am Schulweg – zentral und dennoch ungestört. Mit wenig Aufwand und mit Unterstützung von Handwerkern, Freiwilligen, Eltern und den Jugendlichen selbst könnten die Räume hergerichtet und gestaltet, Toiletten und Küche modernisiert und das Außengelände entsprechend dem jugendlichen Zeitgeist ergänzt werden: mit Grill und Feuerstelle, Basketballkorb, Graffitiwand …

Einige unter uns kennen noch den einstigen Jugendtreff aus den 90ern, der –wenn man den Erzählungen Glauben schenken darf – fast schon eine Institution war und sich regen Zulaufs erfreute. Viele schwärmen noch heute davon.

Stellen wir uns vor, es gäbe nur ansatzweise wieder eine solche Einrichtung.

Noch steht alles in den Sternen, aber die Chance ist so greifbar. Die größte Nuss, die es hier zu knacken gilt, ist die Erkenntnis seitens der Stadt Leipzig, dass der Fortgang der bisherigen Kita-Planung am Ende als eine millionenteure Investruine endet, die unausgelastet in unserem Ort sein Dasein fristet – während sinnvolle Freizeitmöglichkeiten für unsere Teenager weiterhin Mangelware bleiben.

Ich trage diese Gedanken heute hier vor, da wir die Jugendlichen bei deren Freizeitgestaltung in Mölkau unterstützen müssen und wollen. Das Team vom Jugendclub Mölkau hat – angestoßen durch den Ortschaftsrat und ein paar engagierte Einwohner - bereits Interesse an einem solchen Plan signalisiert, wenn gleich dabei noch alles, was damit im Zusammenhang steht, vage ist: Finanzierung, Art und Umfang von Angeboten, Verantwortlichkeiten, Altersstrukturen usw.

Aber es gibt eine Vision – und Sie wissen ja: wer die hat, gehört in die Politik.

Willkommen also beim Ortschaftsrat Mölkau!"

Andy Wollschläger