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Mölkauer Gemeindeblatt
Ausgabe 5/2019
Vereine und Verbände
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Liebe Mölkauerinnen und Mölkauer,

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ lautet einer der Wahlsprüche aller Feuerwehren im Land. Natürlich haben auch wir es uns getreu diesem Motto zur Aufgabe gemacht, stets bereit zu sein, um Hilfe zu leisten. Ebendiese wurde im laufenden Kalenderjahr bereits 84-mal benötigt, so dass wir durch die für uns zuständige Integrierte Regionalleitstelle Leipzig, kurz IRLS Leipzig, alarmiert wurden. Allein im Monat März war dies 28-mal der Fall.

Einen Großteil der Einsätze in diesem Monat wurde durch das „Eberhardt“ getaufte Sturmtief ausgelöst. Auf seinem Weg nach Leipzig zog es über den Westen Deutschlands und richtete dort erste Schäden an. Noch vor Ankunft der ersten Ausläufer begann man daher innerhalb der Leipziger Feuerwehr entsprechende Vorkehrungen zu treffen. So wurde am 10. März, einem Sonntag, gegen 15.30 Uhr die Führungsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr Leipzig alarmiert. Sie dient im Fall von größeren Einsatzlagen der Koordinierung der eingesetzten Einsatzkräfte und der Unterstützung der örtlichen Einsatzleitung. Ihr gehören Kameradinnen und Kameraden aus diversen Ortsfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehr Leipzig an. So natürlich auch aus Mölkau. Obendrein sind die zwei für diese Einheit vorgehaltenen Einsatzfahrzeuge bei uns in Mölkau beheimatet. Im weiteren Verlauf des Einsatzes wurden auch die restlichen Mölkauer Blauröcke gegen halb sieben zum Gerätehaus gerufen, um das Löschfahrzeug zu besetzen. Der Sturm nahm stetig an Stärke zu und hatte erste Schäden angerichtet. Lose Bleche und Ziegel an Dächern, umgefallene Bäume und umherfliegendes Material sorgten für Arbeit bis weit in die Nacht und den darauffolgenden Tag hinein.

Doch damit nicht genug, auch das normale Tagesgeschäft führte uns in alle Ecken unseres Einsatzgebietes. Türöffnungen und Tragehilfen für den Rettungsdienst, eingelaufene Brandmeldeanlagen und auch zwei Verkehrsunfälle riefen uns auf den Plan.

Der April indes begann für unsere Einsatzkräfte tierisch. Eine Katze hatte sich im Kastanienring auf einen Baum verirrt und traute sich nicht wieder herunter. Die Besitzerin wandte sich daher hilfesuchend an die IRLS Leipzig, welche unser Löschfahrzeug zur Unterstützung alarmierte. Vor Ort war es ein leichtes für uns, die Mieze mittels einer tragbaren Leiter aus ihrer misslichen Lage zu befreien. Nicht unerwähnt lassen wollen wir, dass es sich bei einer Katze auf dem Baum in den meisten Fällen nicht um einen Einsatz im Rahmen der Gefahrenabwehr handelt. Ein Einsatz der Feuerwehr ist hierbei prinzipiell möglich, wird aber zumeist für den Besitzer durch die Stadt Leipzig als Träger der Feuerwehr in Rechnung gestellt.

Danach wurde es etwas ruhiger, im heutigen Wissen um die noch folgenden Einsätze könnte man gewiss auch von der „Ruhe vor dem Sturm sprechen“. Noch ehe wir das traditionelle Ostferfeuer auf dem Bergfriedhof entzündeten, wurden wir zu einer unklaren Rauchentwicklung nach Sellerhausen-Stünz gerufen. Vor Ort fanden wir eine größere Feuerstelle vor, in welcher unerlaubterweise Müll und anderer Unrat verbrannt wurde. Wir bahnten uns mit all unserem Schlauchmaterial einen Weg zu dem nahe einer Bahnlinie gelegenen Grundstück und löschten das Feuer ab. Mit etwa drei Stunden Einsatzzeit sollte dies nicht der längste Einsatz an diesem Osterwochenende bleiben.

Pünktlich um 16.30 Uhr am Ostersamstag konnten wir das Osterfeuer auf dem Bergfriedhof entzünden, um diesem gemeinsam mit etlichen Mölkauerinnen und Mölkauern und deren Gästen beizuwohnen. Im Vorfeld hatten wir unser Löschfahrzeug in der Nähe postiert und eine Schlauchleitung bis zum Bergfriedhof verlegt, um das Feuer gefahrlos und unter unserer Aufsicht abbrennen zu können. Unser Feuerwehrverein war ebenfalls vor Ort und versorgte alle Hungrigen mit leckeren Bratwürsten. An dieser Stelle noch einmal ein herzliches Dankeschön an den ausrichtenden Heimat- und Kulturverein Mölkau e.V. für die gute Zusammenarbeit. Wir freuen uns bereits heute auf das nächste Osterfeuer im Jahr 2020! Am folgenden Ostersonntag begab sich ein Kamerad gegen 15 Uhr erneut zum Bergfriedhof, um eine kurze Brandnachschau zu halten. Die vom Osterfeuer übriggebliebenen Aschereste glommen friedlich vor sich hin. Kein Vergleich zu dem, was kurze Zeit später auf unsere Einsatzkräfte zukommen würde.

Gerade am Kaffeetisch Platz genommen, ertönten um Punkt 16 Uhr unsere Pager. Die erste Einsatzmeldung „brennt in Gewerbegebiet Am Bahndamm“ ließ nichts Gutes erahnen. Bereits auf dem Weg zum Gerätehaus war eine deutliche Rauchentwicklung sichtbar. Also nichts wie rein in die Uniform und rauf aufs Löschfahrzeug. „Alle da?“, „Ja!“, „Abfahrt!“. Weit hatten wir es ja nicht, wir trafen als erstes Löschgruppenfahrzeug ein, unser Gruppenführer ging direkt zur Lageerkundung vor. Parallel nahm der Wassertrupp einen vor Ort befindlichen Löschwasserbrunnen in Betrieb. Die eine Woche vorher an genau dieser Stelle durchgeführte praktische Ausbildung machte sich somit direkt bezahlt. Vor Ort brannten im Wesentlichen etwa 50 abgestellte Fahrzeuge in voller Ausdehnung. Wir gingen mit schwerem Atemschutz vor, um den Flammen Herr zu werden. In der Anfangsphase konzentrierte sich unser massiver Löschangriff auf das Eindämmen der weiteren Brandausbreitung, welche durch den herrschenden Wind massiv begünstigt wurde. Die aufsteigende Rauchsäule war weithin sichtbar und zog viele Schaulustige an. An jene gerichtet könnte man fragen: „Wie wäre es mit einer Mitgliedschaft in unserer Ortsfeuerwehr? Dann darf man beim nächsten Großbrand anstelle der zweiten in der ersten Reihe stehen!“ Neben Wasser wurde im weiteren Verlauf des Einsatzes auch Schaum als Löschmittel eingesetzt und zeigte guten Erfolg. Nunmehr waren etwa 60 Einsatzkräfte der Feuerwehr Leipzig vor Ort tätig. Gegen 20 Uhr waren alle Brandherde soweit gelöscht, lediglich hier und da mussten noch Restlöscharbeiten vorgenommen werden. Das ganze Gelände wurde auf weitere Glutnester hin kontrolliert. Hierbei stellten wir mittels Wärmebildkamera eine noch vorhandene Wärmequelle in einem der auf dem Areal gelagerten Überseecontainer fest. An dessen Rückseite hatte das Feuer von außen gewütet und dadurch im Inneren mutmaßlich zu einem Schwelbrand geführt. Wir entschieden uns, den Container an der Oberseite aufzusägen, um einen genaueren Blick auf das Innere zu erlangen. Der letzte Brandherd des Tages konnte somit erfolgreich lokalisiert und abermals durch Einsatz von Löschschaum liquidiert werden. Wir verließen die Einsatzstelle gegen 22 Uhr und fuhren zurück zum Gerätehaus. Dort wurde das Löschfahrzeug neu bestückt, die verschmutzte Einsatzkleidung getauscht und auch endlich etwas gegessen. Die letzten Kameraden waren somit gegen Mitternacht wieder zu Hause.

Doch die Ruhe war nur von kurzer Dauer. Im Verlauf das Ostermontags wurden wir gegen sechs Uhr zu einem vermeintlichen Waldbrand alarmiert. Es handelte sich um ein beaufsichtigtes Lagerfeuer. Also alles auf Anfang und zurück ins Bett. Neuer Alarm dann um 10 Uhr. Ein Heißwasserrohr sprudelte fröhlich vor sich hin. Die Detektive mit dem großen roten Auto aus Mölkau drehten an diversen Hähnen, um schlussendlich den Wasserfluss zum Erliegen zu bringen. Im Gegensatz zur zuständigen Wohnungsbaugenossenschaft ist die Feuerwehr zum Glück immer erreichbar und kommt, wo auch immer Hilfe benötigt wird. Eben stets „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!“