Ali, Nojoud mit Minoui, Delphine: Ich, Nojoud, zehn Jahre, geschieden.
Hauptfigur des wirklichen Geschehens ist die zehnjährige Nojoud aus dem Jemen, deren Schicksal 2008 Aufsehen erregte. In ihrer Heimat, dem Land mit tausendjähriger Geschichte und uralten Traditionen war es aufgrund von Armut, Familientraditionen und kaum zu durchschauender Glaubensabhängigkeiten üblich, junge Mädchen auch unter 12 Jahren unter Zwang zu verheiraten. Ihr Vater gab sie einem 22 Jahre älteren Mann zur Frau, der sie schlecht behandelte, zur Schule zu gehen wurde ihr untersagt. Eines Tages ergibt sich für sie die unverhoffte Gelegenheit, in einem Gericht vorzusprechen - völlig naiv jedoch sehr energisch gelingt es, ihr Anliegen vorzutragen und in einem Richter und einer Anwältin scheint sie Unterstützer zu finden. Geht ihr großer Wunsch, ein ganz normales Mädchen zu sein, das gern malt und zur Schule geht, in Erfüllung? Im Nachwort werden einige Details zum Jemen und zu Traditionen erklärt und die landesüblichen Bezeichnungen erläutert, was die Lektüre erleichtert und interessant macht. Sehr zu empfehlen! Man kann sich gut hineinfühlen in das Unmögliche.
Lind, Hera. Mein Mann, seine Frauen und ich.
Wieso Frauen in der Mehrzahl? Roman nach einer wahren Geschichte, für uns recht ungewöhnlich und nicht nachvollziehbar. Doch nach der Lektüre kann man es zum Teil verstehen, denn bei Allah scheint kein Ding unmöglich zu sein und ihr Mann Karim - ein gläubiger, gebildeter hübscher Moslem - trägt sie auf Händen, sie schwärmt von seiner magischen Ausstrahlung in ihren immer wiederkehrenden Zweifeln und vom Zauber des Orients. So lange, bis Ehefrau Nr. 4 die Einsicht von Nadia und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Karim und Allah ins Wanken bringt.
Caboni, Christina. Der Zauber zwischen den Seiten.
Sofia liebt Bücher, seit sie denken kann, auch weil sie bei ihren Großeltern mit einer üppigen Bibliothek die Liebe zu Büchern erfuhr und viel Zeit mit ihnen verbrachte. Verheiratet ist sie mit einem attraktiven Frauenschwarm, aber ihrer Liebe zu ihm ist sie sich nicht mehr so sicher, er engt sie ein, liebt die Literatur nicht und akzeptiert ihren Beruf als Bibliothekarin nicht, weshalb sie sich nicht mehr viel zu sagen haben. Ein geschenktes Buch eröffnet Sofia spannend und voller Hindernisse eine ganz andere Welt. Vor 200 Jahren gab es eine junge Frau Clarice, die sich ihren Weg hart erkämpfte und an deren Schicksal Sofia sich ein Beispiel nimmt. Viele Gedanken und Gefühle der beiden Frauen ähneln sich. Gibt es einen glücklichen Ausgang und kann Sofia aus dem Erlebten von vor 200 Jahren für sich etwas mitnehmen?
Mit der Liebe zu Büchern geht es weiter, der Literaturprofessor Gil „liebt“ in
Fuller, Claire: Eine englische Ehe.
...alte, bereits gelesene Bücher mit speziellem Inhalt, z.B. Notizen am Rand der Buchseiten oder im Buch vergessene Lesezeichen o.Ä. Weshalb, das kann man sich im Verlauf der Handlung zusammenreimen. Er ist verheiratet mit seiner ehemaligen Studentin, die sich ihr zukünftiges Eheleben eigentlich total anders vorgestellt hatte. Wie, das erfährt man in einem zweiten Erzählstrang, aus Briefen, die sie ihrem ständig abwesenden Ehemann schreibt und in Büchern versteckt, in der Hoffnung, dass er die Briefe vielleicht einmal entdeckt und ihre Sorgen versteht.
Ruppert, Astrid. Wilde Jahre.
Zwischen Mutter Paula und Tochter Maya bestehen sehr viele Gegensätze. Die lebenslustige Mutter ist immer auf Achse, flieht in den Siebzigerjahren aus der Enge eines kleinbürgerlichen Elternhauses nach London, während Mayas Kindheit ist sie Sängerin, hat zig Wohnortwechsel und sucht nach der großen Liebe, darunter macht sie keine Bekanntschaften. Die Tochter wiederum liebt die Beständigkeit, so wohnt sie mit über 30 Jahren noch immer in ihrer Studentenbude und will ihre vergangene Liebe erst „verarbeiten“, bevor sie sich neu verliebt. Das Dorfleben ihrer Großeltern mit den immer geltenden Ritualen gibt ihr Stabilität und gefällt ihr. So will sie – im Gegensatz zu ihrer Mutter – leben. Das birgt durch die Jahre hindurch Potential für Missverständnisse und Unverstanden sein beiderseits. Auch die vorherige Generation wird mit einbezogen und dient als Vorbild. Ist das nun förderlich oder eher hemmend? Jedenfalls sehr anregend!
Gerstenberger, Stefanie. Oleanderregen.
Nach dem Tod ihres Vaters muss Valentina aus dessen Testament erfahren, dass sie und ihre Cousine Irma, die auf Sizilien lebt, eigentlich Halbschwestern sind. Der Vater soll auf Sizilien begraben werden, also reist Valentina hin und lernt dort auch gleich die Familie väterlicherseits kennen, eine typisch italienische Großfamilie: sehr laut, herzlich, besorgt und mitfühlend in allen Lebenslagen von Geburt an bis zum Sterbebett. Köstlich zu lesen! Auch ihr ehemaliger Freund Max ist verstrickt in die ganze mysteriöse Angelegenheit und es kommen noch mehr unglaubliche Geschehnisse zur Sprache, die sich erst nach und nach entwirren und Valentina vor schwierige Entscheidungen stellen sollen.
Viel Freude beim Lesen
wünscht das Team der Bibliothek Mölkau
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