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Mölkauer Gemeindeblatt
Ausgabe 6/2026
Aus dem Mölkauer Leben
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Der Gasthof - kein Abgesang, sondern ein Umgesang zu geselligeren Zeiten am Hügel

An einem warmen Sommersamstag vor vielen Jahren – lange bevor die lauten Straßen der Großstadt Leipzig herangewachsen waren – stand am Rande von Mölkau ein stattlicher Saalbau mit heller Fassade und gewölbten Fenstern: der Gasthof Mölkau. In den grünen Randlagen war so ein Ausflugslokal damals ein Magnet: Tanzabende, Musik, klirrende Gläser, lachende Gesichter im Garten, Ausflügler auf dem Land.

Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, glühte der Schweizerhof, eine Obstweinschänke mit Gartenwirtschaft unter schattigen Bäumen. Dort war der Treffpunkt für heiße Nachmittage: man saß draußen, trank gekühlten Wein, lauschte dem Lüftchen. Der Gasthof – mit seinem großen Saal – war der Veranstaltungsort: Feste, Bälle, Hochzeiten, Musikabende. Die beiden Häuser verbanden ein Lebensrhythmus: Im Saal tanzte man, im Garten genoss man das Getränk, man schrieb sich Termine aus dem Saalprogramm in den Weinabend mit hinein.

Über die Jahrzehnte wandelte sich das Gesicht des Gasthofs. Nach dem zweiten Weltkrieg – in einer Zeit, als große Gesellschaftssaalsbetriebe in vielen Vororten zu kämpfen hatten – verlor der Gasthof Mölkau offensichtlich an seiner ursprünglichen öffentlichen Funktion. Ein Wandel setzte ein: Aus dem prunkvollen Veranstaltungsort wurde ein Lager. Genauer: das Buchhaus Leipzig nutzte das Gebäude als Lager. Die Bühne war verstummt, die Musik verklungen – stattdessen stapelten sich Bücherregale und Kartons im Saal und in den hinteren Räumen.

In den hinteren Abschnitten zerfiel das Gemäuer, Wasser zog durch Risse, Pflanzen wucherten in den Mauerritzen. Der vordere Teil – das ehemalige Empfangs- und Gaststubenbereich – wurde mehrfach Opfer von Bränden und Vandalismus. Doch der große Saal, mit seiner massiven Bausubstanz und den hohen Decken, hielt erstaunlich lange durch: ein stummer Zeitzeuge inmitten von Verfall und Verlassenheit.

Man sagt, der Denkmalschutz, der einst eingetragen war, sei aufgehoben worden – als ob man dem Gebäude formal den Status entzog, damit man freie Hand hätte. Und so kam der Tag, an dem man nicht länger reparierte, sondern zurückbaute: es begann der Abriss. In den letzten Monaten vor dem Rückbau bot man Führungen an – neugierige Blicke, letzte Erinnerungen. Fotos zeigen Menschen im Saal, im Halbdunkel, mit Blitz und Kamera, wie sie die Räume abschreiten, die Bühnenrückwand betrachten, das Hallenmaß bestaunen – als wollten sie das Verschwinden dokumentieren, bevor der Bagger kam.

Nach dem Abriss verschwand der alte Charme, die Säle und Giebel – und an dieser Stelle entstand ein privates Wohnhaus. Im Parterre befindet sich heute die Kindertagespflege „Kleine Hüpfer“, in der kleine Kinder spielen, singen und toben – unbewusst, dass sie dort sind, wo einst große Feste stattfanden.

So lebt der Gasthof Mölkau / Buchhaus Leipzig – als besonderer Ort weiter im Stadtteil. Ein Wandel von Saal zu Lager, von Lebendigkeit zu Stille, von Denkmalschutz zu Neubau – und doch mit Spuren, die das Gedächtnis nicht ganz verwischen kann.