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Der Merseburger - Bürger- und Informationsblatt für die Stadt Merseburg
Ausgabe 3/2026
Einblicke in die Verwaltung
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Begleitung durch das gesamte Leben: Das Standesamt

Das Team des Merseburger Standesamtes.

„Man bringt das Standesamt zuerst mit Eheschließungen in Verbindung, doch es ist weitaus mehr als nur Eheschließung“, sagt Claudia Ciofani. Sie und Marion Kirsch sind zwei von insgesamt sechs Standesbeamtinnen in Merseburg. Und das Aufgabenfeld ihres Jobs ist vielseitig: Denn eigentlich ist das Standesamt ein Begleiter durch das gesamte Leben. Von der Geburt über die Eheschließung bis hin zum Sterbefall beurkunden die Standesbeamtinnen die unterschiedlichsten Personenstandsfälle.

Was hier alles dazu gehört? Neben den „klassischen“ Bereichen Eheschließungen, Geburten und Sterbefälle geht es im Arbeitsalltag des Standesamtes etwa um Namenserklärungen und Vaterschaftsanerkennungen, um Ehefähigkeitszeugnisse sowie um Nachbeurkundungen von Ehen, Geburten oder Sterbefällen im Ausland, um Kirchenaustritte und vieles mehr. Kurzum: Es sind die Stationen, die das Leben schreibt – und die im Standesamt rechtssicher dokumentiert werden.

Weg zur Standesbeamtin

Dass der Weg zu diesem Job sehr unterschiedlich aussehen kann, zeigen die beiden Kolleginnen. Marion Kirsch ist seit vielen Jahren im Merseburger Standesamt tätig: „Ich hatte das Glück, dass ich noch zu DDR-Zeiten Standesbeamtin geworden bin. Damals hatte ich mich einfach bei der Stadt beworben – und dann gab es zwei Möglichkeiten: die Personalabteilung oder das Standesamt. Erst an dem Montag, als ich angefangen habe, wurde mir gesagt, dass ich ins Standesamt gehe. Und seitdem bin ich hier.“ Inzwischen sind es 39 Jahre – und die Freude an der Arbeit ist geblieben.

Claudia Ciofani verstärkt seit September 2022 das Team des Standesamtes. Ihr Weg – der heute übliche – sah dabei ganz anders aus: Man absolviert eine Einarbeitungszeit, besucht ein Grundseminar an der Akademie für Personenstandswesen und muss zwei Prüfungen bestehen. Erst dann kann die Bestellung zur Standesbeamtin erfolgen. Auch für sie ist es ein Traumberuf: „Ich brauche die Arbeit mit den Menschen – ich kann mir nichts anderes vorstellen“, erzählt sie.

Arbeitsalltag & besondere Momente

Einen klassischen Arbeitsalltag gebe es dabei nicht. Den Großteil ihrer Tätigkeit nehmen Termine mit Bürgerinnen und Bürgern ein. Dabei wird es nie langweilig: „Man weiß nie, was kommt. Die Tür geht auf – und wir schauen mal, was uns erwartet.“ Einen klassischen Bürojob erledigt man als Standesbeamtin auf keinen Fall, denn so vielfältig wie die Menschen sind, mit denen man zusammenarbeitet, sind auch ihre Anliegen. Dabei benötigt es manchmal Fingerspitzengefühl, um sich in alle Lagen hineinversetzen zu können.

Trauungen sind eher die Ausnahme. Und doch sind sie für beide der besondere Höhepunkt: „Trauungen sind nicht der überwiegende Teil unserer Arbeit, aber der richtig schöne Teil. Es ist etwas Besonderes, wenn man Paare auf dem Weg in die Ehe begleiten darf. Da muss man sich manchmal selbst das ein oder andere Tränchen verkneifen, weil es doch recht emotional ist“, gibt Ciofani zu. Ihre erste Eheschließung führte sie im Mai 2024 durch – und die Aufregung ist bis heute geblieben: „Aber das gehört wohl bei etwas so Bedeutendem auch dazu.“

Auch für Marion Kirsch zählen die Eheschließungen zu den Highlights ihres Berufes. Und in 39 Jahren ist so einiges zusammengekommen – auch Kurioses. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Datum, das viele Paare anzog: Der 09.09.99. „An dem Tag hatten wir 20 Brautpaare und hatten sie nachmittags alle zu einem Fotoshooting eingeladen. Es gab ein Foto, wo eben alle 20 Brautpaare unten vor der Rathaustür stehen.“

Und falls sich jemand fragt… „Also ‘Nein’ gesagt hat in den ganzen Jahren noch keiner“, lacht Marion Kirsch und fügt hinzu: „Wenn dann kommen sie gar nicht.“

Arbeiten in Familie

Was die Arbeit im Standesamt außerdem ausmacht, ist Teamgeist – intern und über die Stadtgrenzen hinaus. Schwierige Fälle werden gemeinsam besprochen, gleichzeitig ist die gute Zusammenarbeit mit anderen Behörden wie der Ausländerbehörde oder dem Jugendamt ein wichtiger Schlüssel. Und auch deutschlandweit gibt es ein Netzwerk: „Wir sind wie eine Familie, die Standesbeamtenfamilie. Das wird deutschlandweit gelebt. Man hilft sich untereinander.“ Die Kontakte, die bei Lehrgängen entstanden sind, seien im Alltag oft genauso wertvoll wie der Unterricht selbst, ergänzt Marion Kirsch.

Mehr als ein Arbeitsplatz

Nicht zuletzt ist es auch der Ort, der den Arbeitsalltag der Merseburger Standesbeamtinnen prägt: Das Ständehaus. „Wir werden, glaube ich, von fast allen Leuten, die uns hier besuchen, beneidet“, schmunzelt Claudia Ciofani. Der Schlossgarten ist dabei nicht nur aus dem Bürofenster zu sehen, sondern hin und wieder auch Zufluchtsort in der Mittagspause. Und auch Merseburg als Stadt ist für beide mehr als nur ein Arbeitsplatz. „Merseburg ist für mich meine Heimat, mein Zuhause. Warum sollte ich woanders hingehen, wenn ich mich hier wohlfühle?“, meint Ciofani. Und Marion Kirsch fügt hinzu: „Man merkt, dass Merseburg sich positiv weiterentwickelt.“

So ist das Standesamt Merseburg weit mehr als der Ort, an dem Ringe getauscht werden. Es ist eine Anlaufstelle für die wichtigsten Lebensmomente – verlässlich, menschlich und mit einem Team, das sich jeder Herausforderung stellt.


Marion Kirsch

Standesbeamtin

Im Standesamt war es eigentlich schon immer so, dass wir wie eine kleine Familie waren. Das Schönste an der Arbeit und auch der Part, der am meisten Spaß macht, sind die Eheschließungen. Ich bin zwar keine Merseburgerin, aber habe jahrelang hier gewohnt. Und ich würde schon sagen, dass man merkt, dass Merseburg sich positiv entwickelt hat.


Claudia Ciofani

Standesbeamtin

Merseburg ist meine Heimat, mein Zuhause. Warum sollte ich woanders hingehen, wenn ich mich hier wohlfühle? Ich brauche die Arbeit mit den Menschen, deshalb habe ich vermutlich an meinem Job so viel Freude. Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Der richtig schöne Teil unserer Arbeit ist für mich, Paare auf dem Weg in die Ehe zu begleiten und den Tag zum schönsten im Leben zu machen.