(Alte Weisheit)
„Dem werden wir mal aufs Dach steigen!“ kann man auch heute noch hören, wenn es gilt, jemanden nachdrücklich den Standpunkt klarzumachen, ihn zu tadeln und einzuschüchtern, ihn zu schelten oder zu strafen. Diese volkstümliche Redensart wurde von einer alten Sitte hergeleitet, die recht originell war. In längst vergangenen Zeiten soll es mitunter vorgekommen sein, dass eine Frau ihren Mann schlug und dieser, was ihm vom Volk besonders verübelt wurde, sich auch schlagen ließ. Ließ er sich eine derartige Demütigung gefallen, so wurde ihm nach mittelalterlichem Brauch das Dach seines Hauses bis auf die vierte Latte von oben her abgedeckt oder abgerissen. Dies wurde von den Nachbarn und Bewohnern aus der Umgebung durchgeführt, falls er sich ihnen gegenüber nicht abfand. Mit Leitern stieg man ihm also buchstäblich auf das Dach. Dies erfolgte nach vorangegangener Anmeldung und mit Genehmigung der Ortsbehörden, ja bisweilen sogar unter Mitwirkung der Stadtwache.